Ein Mann läuft in ein Wettbüro in Nachbarschaft des zentralen Busbahnhofs von Gießen und verletzt zwei Männer durch Schüsse, so geschehen im Oktober. Am Ostermontag durchschlagen Projektile die Scheibe eines Cafés unweit der Bahnhofstraße. Im Mai schließlich werden auf dem Lindenplatz zwei Männer im Verlauf eines Streits von Kugeln getroffen. Zudem haben sich im Februar vor einem Einkaufszentrum mehrere Männer geprügelt, außer Schlagstöcken kam auch eine Schreckschusswaffe zum Einsatz.In jüngster Zeit gab es auffallend viele Fälle von Gewaltkriminalität mitten in der Uni-Stadt an der Lahn, die die Polizei beschäftigt und nicht nur Anlieger beunruhigt haben. Doch Ermittler und Strafverfolger können eine Reihe von raschen Erfolgen vorweisen. Das liegt auch an der Videoüberwachung am Lindenplatz.Die Staatsanwaltschaft hat den mutmaßlichen Schützen aus dem Wettbüro mittlerweile angeklagt, am 3. Juni beginnt der Strafprozess gegen den Mann. Ebenfalls ermittelt sind die Tatverdächtigen vom Lindenplatz, vier sitzen in Untersuchungshaft. Für die rasche Festnahme der Männer hat sich die Videoüberwachung an dem Platz, an dem mittwochs und samstags ein Teil des Wochenmarkts aufgebaut wird, als hilfreich erwiesen. Aber nicht nur in diesem Fall: „Wir haben 2026 schon 27 Taten mithilfe der Videoüberwachung aufgeklärt“, sagte der mittelhessische Polizeipräsident Torsten Krückemeier der „Gießener Allgemeinen“. Zudem haben nach seinen Worten die Ermittlungen dazu geführt, sechs wegen Gewalt, Diebstählen und Raub aufgefallene Straftäter in Untersuchungshaft zu bringen.Gießener Polizeipräsident: Videoüberwachung eine erhebliche HilfeDie Polizei hat sich zwar im Fall Lindenplatz auch auf mehrere Zeugenaussagen stützen können, zudem sind die Tatverdächtigen schon vorher aufgefallen. „Aber die Videoüberwachung ist eine erhebliche Hilfe“, sagte Krückemeier. Für diesen Standort ist der Einsatz der Technik noch recht neu. Die Stadt hatte die Installation zweier Videokameras am Lindenplatz im Herbst 2024 angekündigt und per Magistratsbeschluss auf den Weg gebracht.Zuvor hatte die Stadt schon Videokameras am Marktplatz, am Bahnhofsvorplatz und am Beginn der in Nachbarschaft zum Lindenplatz liegenden Walltorstraße anbringen lassen. Dort liegt das auch spätabends sehr belebte „Döner-Dreieck“. Zwischen diesem Quartier und dem Marktplatz trifft sich die Trinkerszene, zudem wird dort mit Drogen gehandelt.„Gegenwärtig haben wir einen Ausschlag nach oben“, sagte Krückemeier angesichts der aufsehenerregenden Straftaten in der Innenstadt. Im vergangenen Jahr konnte er noch auf einen merklichen Rückgang sowohl der Straßenkriminalität als auch der Gewalttaten verweisen. Die Polizei schickt nun mehr Einsatzkräfte in die Innenstadt. Zudem hat sie eine sogenannte Besondere Aufbauorganisation ins Leben gerufen.„Schöpfen alle rechtlichen Möglichkeiten aus“Die in dieser Gruppe tätigen Ermittler sollen sich für eine nicht näher bestimmte Zeitspanne genauer mit den Hintergründen der gehäuften Straftaten beschäftigen und sie aufklären helfen. „Wir schöpfen hierbei alle rechtlichen Möglichkeiten aus und gehen konsequent gegen festgestellte Verstöße vor“, so die leitende Polizeidirektorin Yvonne Kresse.Während eines größeren Einsatzes kontrollierten nach Angaben der Polizei 130 Einsatzkräfte innerhalb von gut vier Tagen in der ersten Mai-Hälfte in der Innenstadt 160 Menschen. „Fünf der überprüften Personen wurden per Aufenthaltsermittlung von Staatsanwaltschaften oder Gerichten gesucht. Eine Person wurde aufgrund eines vorliegenden Haftbefehls in eine Justizvollzugsanstalt überstellt“, meldete die Polizei. Wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, das Aufenthaltsgesetz und das Pflichtversicherungsgesetz habe es insgesamt sechs Strafanzeigen gegeben. Solche zusätzlichen Einsätze sollen nicht zuletzt dem Sicherheitsgefühl dienen, wie es heißt.Krückemeier spricht von etwa 60 Menschen, die wegen Körperverletzung, Raub und anderer Straftaten seit Längerem besonders auffallen. Der Umstand, dass die Delikte innerhalb der seit 1. November geltenden Waffenverbotszone verübt wurden, spricht nach seinen Worten nicht gegen diese Vorgabe der Stadt, die unter anderem das Tragen von Messern zu bestimmten Zeiten untersagt: „Wer davon ausgeht, dass in einer Waffenverbotszone keine Waffen geführt oder eingesetzt werden, geht auch davon aus, dass in der Tempo-30-Zone nicht schneller gefahren wird.“Eine Waffenverbotszone beuge Straftaten vor. Niemand müsse mit einem Messer in der Tasche durch die Innenstadt laufen. Und manche Täter fühlten sich durch ein Messer erst zu einem Streit ermuntert, hatte Krückemeier vor der Einführung der Verbotszone in einem Gespräch mit der F.A.Z. gesagt. Wenn aber Täter wie im Fall Lindenplatz bewusst loszögen und die Aufnahmen von Überwachungskameras in Kauf nähmen, sei dem nicht vorzubeugen, stellte er nun klar.
Gießen: Dank Video seit Januar 27 Straftaten in der Innenstadt aufgeklärt
Auffallend viele Fälle von Gewaltkriminalität in der Innenstadt von Gießen halten Polizei und Anlieger in Atem, mehrfach wurde auch geschossen. Doch moderne Technik hilft, Straftätern rasch auf die Spur zu kommen.








