Das Setting passt schon mal. Es ist Dienstagnachmittag, der Saal S401 des bayerischen Landtags platzt aus allen Nähten. Presseteams, Besucherinnen und Abgeordnete konkurrieren um die freien Plätze, mehrere Stühle werden zusätzlich in den Konferenzraum getragen. Am Ende müssen trotzdem manche stehen. Aber genau darum soll es in dieser Sitzung des Bauausschusses ja gehen: um knappe Plätze. Und zwar in der Damentoilette.„Frauen müssen übrigens auch mal“, haben die Grünen ihren Antrag zur Änderung der Versammlungsstättenverordnung (VStättV) genannt, der in der Öffentlichkeit auf viel Interesse stößt. Sie kritisieren, dass Frauen in Stadien, Konzerthallen, Clubs oder Kinos oft in einer langen Warteschlange stehen müssten, „während Männer meist schnell wieder aus der Toilette kommen“. Ein Problem, das viele Menschen aus ihrem Alltag kennen.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Als Ursache hat die Fraktion Paragraf zwölf der VStättV ausgemacht. Dieser regelt, wie viele Klos für Frauen und Männer in unterschiedlich großen Veranstaltungsorten vorhanden sein müssen. Bei Veranstaltungen mit 1000 Besuchern braucht es für Frauen demnach zwölf Toiletten und für Männer acht Toiletten und zwölf Pissoirs. Womit Männer rein rechnerisch mehr Möglichkeiten haben, sich zu erleichtern als Frauen.„Wir reden hier über ein menschliches Grundbedürfnis“, sagte Julia Post, frauenpolitische Sprecherin der Grünen, im Bauausschuss. Sie forderte die gleiche Toilettenzahl für beide Geschlechter bei Neubauten oder Sanierungen. Das Thema betreffe Millionen Frauen und deren männliche Begleiter, die ja ebenfalls vom langen Warten der Frauen betroffen seien. Zudem müssten Frauen aufgrund von Schwangerschaft und Menstruation häufiger und länger zur Toilette, sagte Post.Aus der CSU heißt es: „Es wird Zeit, dass das geändert wird“Danach herrschte im Ausschuss relativ schnell Einigkeit, was bei Initiativen der Opposition eher selten ist. „Das Problem ist wirklich ein Problem“, sagte der CSU-Abgeordnete Josef Schmid. „Es wird Zeit, dass das geändert wird.“ Er gab an, dass das bayerische Bauministerium bereits Teil einer bundesweiten Projektgruppe sei, die an einer Musterverordnung arbeite. Darin solle das Ungleichgewicht zwischen Damen- und Herrenklos aufgehoben werden.Ein Ministeriumsbeamter bestätigte das Vorhaben, das noch innerhalb der Bauministerkonferenz abgestimmt werden müsse. Durch die neue Musterverordnung sollen ihm zufolge „auch geschlechtsneutrale Toiletten möglich“ werden, also Unisex-Klos. Diese hatte die CSU vor einigen Jahren noch als „Genderwahn“ abgetan.Im Ausschuss einigten sich die Fraktionen einstimmig auf den Kompromiss, die Ausarbeitung der bundesweiten Musterverordnung zu unterstützen und diese dann in Bayern umzusetzen. Nicht einmal von der AfD kamen Widerworte. Wann es so weit sein soll, stand nicht fest. Sie freue sich, sagte die Grünen-Abgeordnete Post, dass die Fraktionen „ganz zügig und gemeinsam auch Probleme lösen können“.Einen kleinen Wermutstropfen für Frauen gibt es allerdings: Sollte die neue Regelung kommen, wird diese nicht für fliegende Bauten gelten. Bei Volksfesten wie der Wiesn heißt es vor den WCs also bis auf Weiteres: bitte warten.