Mehr Asche auf sein Haupt hätte Markus Krösche kaum streuen können, als es der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht am Dienstag bei seiner Saison-Abschlusspressekonferenz getan hat. „Wir müssen so ehrlich mit uns selber sein, wir haben am Ende keines unserer Ziele erreicht, und dafür trage ich die volle Verantwortung.“Der 45 Jahre alte Fußballmanager nahm alle Trainer in Schutz, die nach der Entlassung von Dino Toppmöller vergeblich versuchten, die Saison zu retten, an deren Ende in der Bundesliga Platz acht stand, was dazu führt, dass die Frankfurter erstmals nach fünf Jahren nicht für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert sind. Sowohl über das Interimsgespann Dennis Schmitt/Alexander Meier als auch über den neuen Chef Albert Riera sagte er: „Ich habe sie in eine Situation gebracht, in der sie nicht erfolgreich arbeiten konnten.“Im Fall der Eintracht-Nachwuchstrainer meinte Krösche vor allem den Zeitpunkt ihrer Berufung. „Bei einem Programm von zwei Champions-League-Spielen zwischen zwei Bundesligaspielen hatten sie nicht die Möglichkeit, mit der Mannschaft zu arbeiten.“ Die Folge – alle vier Begegnungen gingen verloren, wovon der Sportvorstand seine Angestellten explizit freisprach.Auch das Scheitern des Spaniers Albert Riera, der am 2. Februar seinen Dienst als Cheftrainer antrat und am Sonntag, einen Tag nach dem 2:2 gegen den VfB Stuttgart im letzten Saisonspiel, beurlaubt wurde, nahm Krösche auf seine Kappe. „Es war schwer für ihn, der die Sprache nicht spricht, die Liga nicht kennt und die Qualität der Gegner nicht richtig einschätzen kann.“Krösche täuscht sich nicht im Menschen Albert RieraDas allerdings wusste Krösche schon vor dessen Einstellung, genauso kannte er schon die exaltierte Persönlichkeit des Spaniers. Nach den Vertragsgesprächen kam der Sportvorstand zu der Meinung, dass der Spanier dennoch der Richtige wäre: „Ich habe mich nicht im Menschen Albert Riera getäuscht. Ich wollte einen starken Charakter, einen Leader, der mit Überzeugung und Stringenz vorangeht und auf Disziplin achtet.“ Die Warnungen aus der Branche und kritische Artikel zu Riera beeinflussten ihn nicht: „Was geschrieben wird, ist kein Kriterium für mich für eine Personalie.“Beim Trainer Riera hatte Krösche kein glückliches Händchen.dpaDie ersten Wochen schienen Krösche recht zu geben. Mit Riera punktete die Eintracht anfangs ordentlich und stabilisierte sich in der Defensive. „Aber wir konnten das nicht fortsetzen.“ Krösche ging nicht auf das Verhalten des Spaniers ein, der durch polarisierende Äußerungen und ungewöhnliche Mannschaftsaufstellungen einige Spieler und weite Teile des Publikums gegen sich aufbrachte. Der Eintracht-Vorstand sprach nur von seinen Fehleinschätzungen. „Ich habe mich ein bisschen verloren, ich habe meine eigenen Prinzipien missachtet.“ Ein Prinzip von ihm sei es immer gewesen, bei einem Trainerwechsel während der Saison niemals einen neuen Coach zu holen, der die Liga und die Sprache nicht kennt. Warum er dennoch gegen seine Maxime verstieß? „Das kann ich nicht sagen, es war so ein Gefühl.“Auch im Umgang mit dem Lizenzspielerkader räumte Krösche Führungsschwäche ein. Es gab viele Aussagen, auch vom Sportvorstand selbst, und viele Indizien, die darauf hindeuteten, dass das Innenleben bei der Eintracht nicht mehr stimmte, dass vom früher so prägnanten Teamgeist und Gemeinschaftssinn nicht mehr viel übrig war. Trainer, Teile des Staffs und des Kaders entfremdeten sich. „Es ist menschlich, wenn sich manche nach vielen negativen Erlebnissen wie in der Champions League wichtiger nehmen als das Team. Aber da wurden auch Fehler gemacht und Dinge versäumt, von mir, dem Sportdirektor und vom Staff.“Der Misserfolg hat etwas mit dem Sportvorstand gemachtNach vielen Jahren des Erfolges, mit viel Lob und Anerkennung, spürt Krösche nun den bitteren Geschmack des Misserfolgs im Mund. „Natürlich macht das etwas mit mir. Glauben Sie mir, in den vergangenen drei Monaten habe ich nicht wirklich gut geschlafen.“ Wenn Mitarbeiter Fehler begingen, damit könne er leben, wenn sie alles daran setzten, sie zu korrigieren und daraus zu lernen. „Meine eigenen Fehler beschäftigen mich sehr, ich bin Perfektionist.“ Der Lernprozess habe indes schon begonnen, er werde alles dafür tun, dass die Eintracht in der nächsten Saison ihr Ziel, international zu spielen, wieder erreiche. „Ich habe nie an Abschied gedacht, ich bin keiner, der wegläuft. Hinfallen ist kein Problem, nur Liegenbleiben.“Über den neuen Trainer mochte Krösche noch nicht viel sagen, nur Allgemeingültiges: Dass er möglichst zeitnah präsentiert werden solle und dass er zum Stil der Eintracht passe: Eine Mischung aus Ballbesitzfußball und Umschaltspiel solle er pflegen, Talente entwickeln können und vor allem eine hohe Intensität ins Spiel bringen.Konkreter wurde der Sportvorstand über die Kaderentwicklung und Kaderplanung. Die Stichworte lauten Verschlankung und Konzentration der Kräfte. „Wir werden es nicht in einer Transferperiode hinbekommen. Aber Ziel ist es, den Kader mit 17 Feldspielern auf Topniveau zu besetzten und die Positionen 18,19 und 20 aus dem eigenem Nachwuchs. Es ist einerseits ein Zeichen an das Nachwuchszentrum, aber auch eine Frage des Budgets. Wir müssen unsere Ressourcen konzentrieren, wir kämpfen gegen Konkurrenten, die mehr Geld haben.“ Der Kader sei zuletzt zu breit besetzt gewesen, was aber der Teilnahme an der Champions League geschuldet war.Auch bei Neuverpflichtungen sei eine Konzentration der Investitionen angesagt, so Krösche. Da internationale Nachwuchsstars wie Larsson und Amenda es waren, nicht mehr acht bis neun Millionen Euro kosten, sondern mindestens 20 Millionen, werde die Eintracht nicht mehr mehrere Talente dieses Kalibers in einer Transferperiode verpflichten, sondern höchstens noch einen. „Die Herausforderung für uns wird sein, andere Märkte zu erschließen, die noch nicht so hochpreisig sind, und vor allem unsere Spieler aus dem Nachwuchsleistungszentrum und der U21 zu entwickeln“, so Krösche.Der Sportvorstand der Eintracht steht wieder vor vielen wegweisenden Entscheidungen. Für den Verein wäre es wichtig, wenn die Erfolgsquote wieder die alte Qualität erreichte. Krösche wirkte am Dienstag motiviert: „Wichtig ist, dass ich die richtigen Lehren ziehe, bei mir bleibe und mich nicht beirren lassen. Es wird keine 180-Grad-Wendung geben.“
Eintracht Frankfurts Vorstand Markus Krösche: "Eigene Prinzipien missachtet"
Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche räumt offen ein, im abgelaufenen Spieljahr viele Fehler begangen zu haben. Eine 180-Grad-Wende wird es mit ihm dennoch nicht geben.







