Schwedischer Investor : EQT erhält Zuschlag für Start-up-Fonds der EU19.05.2026, 17:24Lesezeit: 3 Min.Jungunternehmen haben es schwer, Risikokapital zu finden – vor allem die reiferen auf dem Sprung zur Vermarktung. Die EU lässt fünf Milliarden Euro für sie einsammeln. Das schwedische Investmenthaus verwaltet den Fonds.EQT erhält von der Europäischen Kommission den Zuschlag zur Verwaltung des Wachstumsfonds „Scaleup Europe“. Der schwedische Finanzinvestor wird somit Anlageberater und Fondsmanager eines Geldtopfs, der mit angestrebten fünf Milliarden Euro reifere europäische Jungunternehmen in Hochtechnologie und Medizin fördern soll. EQT plane zudem, sich selbst „signifikant mit Kapitalzusagen zu beteiligen“, sagte Deutschlandchef Matthias Wittkowski der F.A.Z. am Dienstag. In welcher Höhe, ließ er offen.Die Nachricht ist aus drei Perspektiven bedeutend. Aus politischer Sicht steht sie für das Bemühen der EU, Hoffnungsträger unter den Start-ups auf dem Kontinent zu halten. Aus Sicht EQTs zahlt sich die lange Erfahrung im Technologiesektor aus; die EU verweist auch auf die europaweite Präsenz des Investors. Aus Branchenperspektive schließlich liefert die Entscheidung ein weiteres Indiz dafür, wie Finanzinvestoren ihre Geschäftsfelder ausweiten – und die Grenzen zwischen Beteiligungsgesellschaften und Vermögensverwaltern verschwimmen.Von Künstlicher Intelligenz bis MedizinDie EU hatte als Zielbranchen für den Fonds genannt: KI, Quanten- und Halbleitertechnologie, Robotik und autonome Systeme, Energie- und Raumfahrttechnik, Biotechnologie, Medizin, Hightechwerkstoffe und Agrotechnik. Als Gründungsinvestoren neben der EU haben mehrere institutionelle Anleger Kapital zugesagt, unter ihnen der größte europäische Pensionsfonds ABP aus den Niederlanden, die Allianz und die Wallenberg-Gruppe, die auch hinter EQT steht. Der Fonds richtet sich an Start-ups, welche die erste Gründerphase hinter sich haben und Kapital für den Sprung zur Vermarktung brauchen. Europäische Jungunternehmen, gerade auch deutsche, beklagen seit Langem die mangelnde Bereitschaft heimischer Investoren, in der späteren Wachstumsphase die dann nötigen höheren Beträge bereitzustellen. In den USA und Asien stehen dafür viel mehr Geldgeber parat. In den vergangenen 50 Jahren haben 241 Jungunternehmen in den USA jeweils mindestens zehn Milliarden Dollar Marktkapitalisierung erreicht, in Europa 14, wie Wittkowski sagte. Nach einer Analyse von EQT und der Beratungsgesellschaft McKinsey verließen 2014 bis 2025 Technologieunternehmen im Wert von zusammen mehr als 700 Milliarden Euro den Kontinent; sie seien heute mehr als 1,2 Billionen Euro wert.EQT ist in Deutschland vor allem bekannt für seine Unternehmensbeteiligungen, etwa jene am Prothesenhersteller Ottobock und am Aromenhersteller Symrise. Das Haus gehört aber zu jenen internationalen Finanzinvestoren, die stark in andere Geschäftsfelder diversifizieren: in Infrastruktur, Immobilien und ins Sekundärgeschäft, also Beteiligungen an bestehenden Private-Equity-Fonds. Die Schweden bauten unter anderem ihre Immobiliensparte 2021 mit dem Erwerb von Exeter Property aus und stiegen dieses Jahr in das Sekundärmarktsegment mit der Übernahme des Spezialisten Coller ein. „Das fügt sich nahtlos in die Konsolidierung der Branche ein, die wir als Haus aktiv vorantreiben“, sagte Wittkowski Anfang der Woche im F.A.Z.-Gespräch. Aus dem Geschäft mit Privatkrediten stiegen die Schweden allerdings vor Jahren gegen den Trend aus. Im klassischen Private-Equity-Geschäft kam in Deutschland nach dem viel beachteten Einstieg in die Steuerberatungskette WTS in den vergangenen zwölf Monaten kein Zukauf mehr zustande. Transaktionen ziehen sich nach den Worten Wittkowskis länger hin als gedacht, oder Verkäufer verschieben sie ganz. Für die nahe Zukunft erwartet er aber mehr Akquisitionen als Unternehmensverkäufe. „Ich glaube, die nächsten zwölf Monate werden verstärkt von Zukäufen geprägt sein.“