Die Sorge schwang schon vor Jahren beim Drehen mit. Alexander Held war in der Rolle des Hauptkommissars Ludwig Schaller in der ZDF-Krimireihe „München Mord“ gefordert. „Ich kann nicht einfach krank werden und eine Produktion behindern. Das ist das Opfer, das man dem Beruf bringt. Am Ende ist aber alles gut, wenn die Anstrengung auch noch Freude bereitet. Und das ist bei mir ja so.“Eine weitere lohnende Anstrengung hätte in diesem Herbst auf Alexander Held gewartet. Zwei weitere Filme für die Krimireihe hätte der Münchner an der Seite von Bernadette Heerwagen und Marcus Mittermeier drehen sollen. Dazu wird es nun leider nicht mehr kommen. Denn vor einer Woche, am 12. Mai, ist Alexander Held 67jährig nach kurzer Krankheit unerwartet verstorben, wie das ZDF mitteilte.Damit verlässt ein Schauspieler die Bühne, der in Projekten wie „Tannbach“ oder „Unterleuten“ präsent war und schon früh internationales Renommee sammelte. Etwa 1993 unter der Regie von Steven Spielberg in „Schindlers Liste“. Oder später 2010 an der Seite von Franco Nero in Nordafrika als Titelheld in Christian Duguays „Augustinus“.Ein Münchner mit preußischer DisziplinDie Disziplin internationaler Topstars war ihm selbst auch Antrieb, bestmöglich vorbereitet bei den Dreharbeiten zu jeder seiner Produktionen anzureisen. Er überzeugte in Komödien wie „Der Schuh des Manitu“ ebenso wie in „Der Untergang“, in „Anatomie“ wie auch als Gestapo-Mann in „Sophie Scholl“. Doch Ausruhen auf Lorbeeren wie dem Bayerischen Filmpreis 2014 oder dem Ehrenpreis beim Deutschen Fernseh-Krimi-Festival 2023 für seinen Ludwig Schaller in „München Mord“ war nicht seine Sache. „Schaller würde wohl Oscar Wide zitieren: ,Der einzige Reiz der Vergangenheit ist, dass sie vergangen ist'“, schrieb er einmal.Alexander Held wuchs in Giesing auf, in der Schubertstraße. Damit war klar, dass die Münchner Löwen, die den Stadtteil als ihr Revier ansehen, seinen sportlichen Werdegang prägten. Und tatsächlich trug ihn sein Torwarttalent zu fünf deutschen Jugendmeisterschaften, bevor ihn eine Verletzung dauerhaft stoppte. Nun zog es den Regensburger Domspatzen auf die Bühne. Ausgebildet an der Otto Falckenberg-Schule, reihten sich Hauptrollen auf großen Bühnen in München, Berlin, Hannover, Basel und Salzburg aneinander, bevor Held vom Film und Fernsehen entdeckt wurde. Es war keine Eroberung im Sturm, eher ein Herantasten. Daher rührte auch die Demut, die Held Stress aushalten ließ, „weil ich mich noch an die Zeiten erinnere, wo ich froh über jeden einzelnen Drehtag war, den ich mal irgendwo bekam.“Damals hielt er sich als Barkeeper in der Hans Sachs-Straße über Wasser, der auch mal Freddie Mercury die Drinks mixte. Daran war in den letzten Jahrzehnten nicht mehr zu denken. Es mehrten sich die Momente, in denen „ich denke, dass ich vielleicht ein wenig weniger machen müsste. Nicht weil ich mal einen Gang zurückschalten möchte. Sondern weil ich Angst habe, bei dem Pensum der Qualität nicht mehr gerecht werden zu können.“ Und auch wenn er am Drehen ungeheuren Spaß habe: „Meine einzige Sorge ist es, meinem Anspruch nicht mehr gerecht werden zu können. Diese Angst hat man aber immer – auch mit viel Zeit für die Vorbereitung.“Er liebte das Leben auf dem LandDer größte Luxus für ihn sei, „Zeit zu haben“, sagte Held nach dem Tod seiner Frau Patricia 2014. Zum Beispiel, um seine Kochkünste in den Dienst seiner zahlreichen Freunde zu stellen. Aber wo andere einen Fetisch aus ihrem Wirken in der Küche machen, ließ Held nur knapp verlauten, dass er die asiatische Küche bevorzuge oder eben das Wiener Schnitzel mit Erdäpfel im Gasthaus „Blaue Quelle“ in seinem Domizil in Erl in den Tiroler Alpen, wo den Klassikfan der kurze Weg zum Festspielhaus ebenso begeisterte wie Motorradtouren mit Freunden im Sommer oder Eisstockschießen im Winter.Held liebte das Leben auf dem Land, auch weil man hier „verbindlicher“ sei und nicht so „schnellebig wie in der Stadt“. Der Regisseur Matthias Kiefersauer, der einige „München Mord“-Abenteuer mit Held drehte, unter anderem auch das fantastische „Nix für Angsthasen“ mit Sebastian Bezzel, berichtet, wie Held auf eine fast schon metaphysische Weise in die Figur Schaller gekrochen sei und den Charakter regelrecht übernommen habe. Er habe sich am Set auf jeden Tag mit Held gefreut und sei sich sicher, dass der in künftigen „München-Mord“-Folgen „irgendwie anwesend“ sein werde.Der Münchner Produzent Sven Burgemeister, der mit Held über 30 Filme drehte und ihn so gut kannte wie niemand sonst, sagt: „Als Freund und Produzent war Alexander Held ein Geschenk. Ein Mensch, ein Gentleman, ein Herr mit Feinsinn, Witz und großer Zuwendung – und ein Schauspieler voller Überraschungen und unbeirrbarer Haltung, der allem, was er gespielt hat, Tiefe gegeben hat. Er wird uns allen unglaublich fehlen. Alexander bleibt für immer ein Held für mich.“Held hat wiederum nie einen Hehl daraus gemacht, dass er genau wie sein Filmkommissar Schaller „niemals aufgebe. Egal wie aussichtslos die Situation auch ist. Wir sind Kämpfer.“ Seinen letzten Kampf hat Alexander Held am Dienstag vergangener Woche verloren. Freunde berichten, dass er doch geschwächter gewesen sei, als er es wahrhaben wollte. Sogar in Gemeinschaft gesungen haben soll er noch wenige Stunden vor seinem Tod. Eines seiner Lieblingslieder von Charles Aznavour tat ihm immer besonders gut: „Als es mir beschissen ging“.
Schauspieler Alexander Held mit 67 gestorben
Alexander Held war ein Schauspieler für verwickelte Fälle. Als schräger Kommissar in der ZDF-Reihe „München Mord“ glänzte er besonders. Wie jetzt bekannt wurde, ist er am 12. Mai im Alter von 67 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben.










