Make it in Bavaria – mit diesem Spruch wirbt die Staatsregierung im Internet um internationale Talente. Auf ausländische Fachkräfte warteten in Bayern „vielfältige Karrierechancen“, liest man auf der Internetseite des Staatsministeriums für Wirtschaft. Was man dort nicht liest, ist, dass der Weg zur Arbeitserlaubnis mitunter lang ist. Und dass die Chance, dass sie erteilt wird, regional sehr unterschiedlich ausfällt.Letzteres belegt ein aktuelles Gutachten, das zwei Forscher der Universität Konstanz im Auftrag der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag erstellt haben.Die Forscher verglichen, wie häufig die Ausländerbehörden und Agenturen für Arbeit der bayerischen Landkreise in den Jahren 2018 bis 2024 Ausländern eine Arbeitserlaubnis erteilten. Das Ergebnis: Einige Landkreise lehnten deutlich häufiger ab als andere. So fiel im Landkreis Dingolfing-Landau jeder vierte Antrag durch, im Landkreis Ebersberg dagegen nur 7,9 Prozent. Der bayerische Durchschnitt lag bei 13,5 Prozent.Durch die wirtschaftliche Lage allein lasse sich das nicht erklären, sagte Gerald Schneider, Professor für Internationale Politik an der Universität Konstanz, bei der Präsentation der Ergebnisse am Montag im Bayerischen Landtag. Über andere Gründe könne man derzeit nur spekulieren. Von schlechten Anträgen über Schlendrian bis hin zu Diskriminierung sei alles möglich. Das unterschiedliche Entscheidungsverhalten einzelner Behörden über die Zeit und zwischen den Gruppen der Bewerber sei jedoch ein Indiz dafür, dass das politische Klima das Entscheidungsverhalten beeinflusse.Es spielten wohl auch ineffiziente Entscheidungsprozesse in den Behörden und „teilweise diskriminierendes Verhalten“ eine Rolle, mutmaßte auch Constantin Wohlfart, der als Masterstudent an der Studie beteiligt war. Aus Sicht von Gülseren Demirel, Sprecherin für Integration bei den Grünen, ein kleiner Skandal: „Wer arbeiten kann und arbeiten will, sollte in Bayern die Chance dazu bekommen. Wenn diese Menschen aber an bürokratischen Hürden scheitern, dann blockiert das einen der wichtigsten Hebel zur Integration.“ Sie wünsche sich im Tourismusland Bayern einen „wirtschaftsfreundlichen Vollzug“.Ein Lob für Bayern hatten die Forscher allerdings auch. Im deutschlandweiten Vergleich würden Arbeitsgesuche in Bayern häufiger bewilligt. Mit 13,5 Prozent wies der Freistaat die zweitniedrigste Ablehnungsquote auf. Die Studie schreibt dies der vergleichsweise günstigen Arbeitsmarktlage in Bayern zu.Denkmalschutz:Wie Ering sein Erbe verspieltIn dem Dorf am Inn verfallen seit Jahrzehnten historische Bauten. Ein Lehrstück vom Versagen des Denkmalschutzes – und von Menschen, die das nicht hinnehmen wollen.Das Gutachten untersucht auch den Umgang mit unterschiedlichen Gruppen von Antragstellern. Auffällig ist hier, dass Arbeitsgesuche von Geflüchteten mit 7,8 Prozent nur verhältnismäßig selten abgelehnt wurden. Mit einer Ablehnungsquote von 20,7 Prozent schnitten etwa osteuropäische Staatsangehörige von außerhalb der EU deutlich schlechter ab. Die häufigen Zusagen für Geflüchtete dürften den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder freuen, der seiner CSU vor zwei Jahren hier einen Kurswechsel verpasst hat. Das Motto sei „Weg von der Straße, hin zur Arbeit“, sagte Söder bei der Fraktionsklausur im oberfränkischen Kloster Banz 2024. „Alle Verwaltungsstrukturen“ würden darauf ausgerichtet.Bei der Ausrichtung der Verwaltung ist indes aus Sicht der Forscher noch Luft nach oben, zu unterschiedlich seien die Ergebnisse. „Wir empfehlen einheitliche Standards zu entwickeln, wie solche Verfahren ablaufen sollen“, so Schneider. Bei kritischen Fällen wäre ein Vier-Augen-Prinzip wünschenswert. Zudem sollten Sachbearbeiter immer wieder durchwechseln und Bias-Trainings erhalten, um zu verhindern, dass unbewusst diskriminierende Entscheidungen getroffen würden. Aus anderer Forschung wisse man, dass auch die regionale öffentliche Meinung Entscheidungsträger beeinflusse. Fallbearbeitern komme ein beträchtlicher Ermessensspielraum zu, der unter anderem zu inkonsistenten Entscheidungen führen könne.Auch die Grünen fordern eine Strukturreform der Verwaltung mit spezialisierten Teams für Erwerbsmigration. Die Ausländerbehörden sollten sich als Dienstleister verstehen, so Demirel. Gesetze dürften nicht zum Nachteil der Wirtschaft und der Betroffenen ausgelegt werden. „Wir verschwenden Potenziale“, sagte sie. Eine Arbeitserlaubnis nicht zu erteilen, hieße einen Menschen von Sozialhilfe abhängig zu machen, obwohl er selbst arbeiten wolle. Das Gegenteil wäre richtig: Es müsse etwa bei Geflüchteten darum gehen, sie sofort zu fördern, in die Pflicht zu nehmen und ihre Sprachkompetenzen zu erweitern.Mitten im Fachkräftemangel können wir es uns nicht leisten, arbeitswillige Menschen in einer Behörden-Lotterie festzuhalten.Eva Lettenbauer, grüne Arbeitsexpertin im Landtag„Mitten im Fachkräftemangel können wir es uns nicht leisten, arbeitswillige Menschen in einer Behörden-Lotterie festzuhalten“, sagte auch die Grünen-Landesvorsitzende und Arbeitsexpertin im Landtag, Eva Lettenbauer. „Wenn etwa in der Gastronomie fast jede fünfte Arbeitsanfrage scheitert, obwohl überall Personal gesucht wird, dann haben wir kein Arbeitsmarktproblem, sondern ein Behördenproblem.“ Sie spielte damit auf die unterschiedliche Anerkennungsquote je nach Berufsfeld an.Anträge auf eine Arbeitserlaubnis in einem Gesundheitsberuf erfuhren nach den Daten der Forscher mit 7,5 Prozent kaum Ablehnungen. In der Landwirtschaft fiel dagegen jeder fünfte Antrag durch. In der Gastronomie waren es immerhin 12,2 Prozent Ablehnungen. Und das, obwohl jeder wisse, dass die Gastro händeringend Mitarbeiter suche, beklagte Lettenbauer.Auch die beiden Forscher bewerteten die Ergebnisse kritisch: Die Daten legen nahe, dass vergleichbare Anträge nicht überall gleich bewertet würden und mancherorts sehr restriktiv entschieden werde, so Schneider. „Dies verschärft den Fachkräftemangel und die Wachstumsprobleme der gesamten Volkswirtschaft.“