ErklärtDie WHO ruft wegen Ebola den Gesundheitsnotstand aus. Ist auch Europa gefährdet? Wie tödlich ist der Erreger?Die afrikanische Gesundheitsbehörde meldete bis zum Montagmorgen 336 Verdachtsfälle und 88 Todesfälle. Es werden weitere Infizierte erwartet. Antworten auf die drängendsten Fragen zum Ebolavirus.18.05.2026, 15.59 Uhr6 LeseminutenMedizinisches Personal sollte nur gut geschützt Ebola-Infizierte versorgen.Jerome Delay / APIn Kongo-Kinshasa grassiert bereits seit einigen Wochen eine seltene Variante des Ebolavirus, das sogenannte Bundibugyo-Virus. Im benachbarten Uganda wurden ebenfalls erste Fälle gemeldet. Die Weltgesundheitsorganisation hat deshalb am 16. Mai eine internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen. So soll die Alarmbereitschaft erhöht und die Eindämmung der Krankheit verbessert werden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wie gefährlich ist das Ebolavirus?Im Schnitt verläuft die Infektion bei jedem zweiten Patienten tödlich, je nach Ausbruch und Erreger kann die sogenannte Case-Fatality-Rate – der Anteil der angesteckten Personen, die an der Krankheit sterben – zwischen 20 und 90 Prozent schwanken. Allerdings unterscheidet man unterschiedliche Virus-Subtypen, die das Leben der betroffenen Patienten mal mehr, mal weniger gefährden.Gegenwärtig in Kongo-Kinshasa aufgetreten ist das sogenannte Bundibugyo-Virus, es hat eine vergleichsweise niedrige Case-Fatality-Rate von um die 30 Prozent. Verantwortlich für die grosse Ebola-Epidemie 2014/15 in Westafrika war das besonders gefährliche Zaire-Ebolavirus, heute auch einfach Ebolavirus genannt. An solch einer Infektion sterben zwei von drei Infizierten. Zudem kennt die Medizin noch das Sudan- und das Tai-Forest-Virus. Zwei weitere Subtypen der Gattung Ebolaviren, das Reston-Virus und das Bombali-Virus, wurden bisher nur bei Affen und Fledermäusen aufgespürt und haben noch keine Menschen geschädigt.Entdeckt wurde der Erreger 1976 bei einem Ausbruch im Sudan und in Kongo-Kinshasa. Die Wissenschafter benannten damals das verhältnismässig grosse wurmförmige Virus nach einem Nebenfluss des Kongos, dem Ebola, in der Nähe. Es gehört zu einer Gruppe von Viren, die sich Filoviren nennen.Was sind die Symptome bei einer Ansteckung?Die hämorrha­gische Fieber­erkran­kung, die das Ebolavirus verursacht, macht sich zunächst bemerkbar mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Unwohlsein, Müdigkeit oder Glieder­schmerzen. Später leiden die Infizierten oft auch unter Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Viele bluten ausserdem aus Lunge, Magen und Darm. Schliesslich versagen die Organe, ein Stadium, das die Patienten häufig nicht überleben.Wie ansteckend ist der Erreger? Wie wird er übertragen?Es gibt zwei Ansteckungswege. Erstens: den Kontakt mit Körperflüssigkeiten von toten und lebenden symptomatischen Infizierten wie Blut, Speichel, Schweiss, Urin, Stuhl oder Erbrochenem. Und zweitens die Übertragung über kontaminierte Gegenstände wie Nadeln, Operations­besteck, Kleidung oder Bettwäsche. Im Sperma von überlebenden Infizierten ist das Virus manchmal sogar noch Monate nach der Erkrankung nachweisbar.In einer Studie bei einem Ausbruch in Uganda lag die Wahrscheinlichkeit, sich als Haushaltsmitglied eines Erkrankten anzustecken, bei 38 Prozent. Laut WHO bewegt sich das Risiko, sich bei einem ähnlichen Setting mit Grippe anzustecken, zwischen 13 und 32 Prozent. Dies gilt, obwohl Ebolaviren – soweit man weiss – nicht über die Luft oder Aerosole übertragen werden.Wie kann man sich vor Ebola schützen?Es gilt, jeden Kontakt mit sämtlichen Körperflüssigkeiten einer infizierten Person zu meiden. Da schon in kleinen Blutspritzern die Viren enthalten sein können, sollten alle, die Erkrankte pflegen oder untersuchen, einen Ganzkörperanzug oder zumindest eine Plastikschürze, Handschuhe und Schutzbrille tragen. Empfohlen wird auch das Nutzen einer Maske, damit keine Spritzer mit Viren in Nase oder Mund gelangen. Steht keine Schutzkleidung zur Verfügung, sollten Menschen Abstand zu Infizierten halten und sie nicht berühren. Nach jedem Kontakt mit einem Erkrankten ist es ratsam, die Hände gründlich mit Seife zu waschen.Woher stammt der Erreger?Ebola ist eine sogenannte Zoonose. Das heisst, am Anfang jeder Epidemie stand stets ein Ereignis, bei dem sich jemand bei einem Tier angesteckt hatte. Von dieser Person wurde der Erreger dann weiterverbreitet. Laut dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung ist der Mensch für das Virus nur ein Zwischenwirt, den es eher «zufällig» befällt. Eigentlich vermehrt es sich in Tieren, wobei dieses sogenannte natürliche Reservoir noch nicht zweifelsfrei identifiziert ist. Hauptverdächtige sind die mit Fledermäusen verwandten Flughunde. Aber auch Affen und Antilopen können sich anstecken. Auf den Menschen übertragen wird der Erreger, wenn beispielsweise ein Jäger engen Kontakt mit den Ausscheidungen von befallenen Tieren hat oder sich bei der Zubereitung oder dem Verzehr des Fleisches infiziert.Gibt es gegen den derzeitigen Erreger Medikamente oder eine Impfung?Es gibt gegen Ebolaviren zwar eine Impfung – nur wurde diese nach der verheerenden Epidemie vor zwölf Jahren in Westafrika gegen das damals aktive Zaire-Ebolavirus entwickelt. Vor dem gegenwärtigen Erreger, dem Bundibugyo-Virus, kann sie nicht schützen, dafür sind die beiden Subtypen zu verschieden.Gegen das Bundibugyo-Virus gibt es auch keine Medikamente. Es gibt zwar sogenannte monoklonale Antikörper, die gegen das Zaire-Ebolavirus entwickelt wurden, aber sie wirken nicht gegen den derzeit im Umlauf befindlichen Erreger. Denn diese Antikörper sind künstlich erzeugte Kopien von Eiweissmolekülen, die Abwehrzellen zur Bekämpfung von Eindringlingen produzieren. Und auch diese wirken so zielgerichtet, dass sie zwar den einen Subtyp attackieren, nicht aber das Bundibugyo-Virus. Solche Medikamente sind zudem bis jetzt nur in den USA zugelassen.Auch gegen die anderen Virus-Subtypen sind inzwischen monoklonale Antikörper in der Entwicklung. Bis diese auf den Markt kommen, können bei den Betroffenen des gegenwärtigen Ausbruchs ausschliesslich die Symptome behandelt werden. Beispielsweise durch Gabe von Flüssigkeit, Elektrolyten oder Glukose, um die Körperfunktionen zu stabilisieren.Reinigungspflicht: Vor dem Eingang des Spitals in Bunia im Osten von Kongo-Kinshasa wurde eine Station zum Händewaschen aufgebaut.Dirole Lotsima Dieudonne / APWie wird das Virus nachgewiesen?Die ersten Symptome einer Ebola-Infektion können schnell mit Malaria oder Typhus verwechselt werden, deshalb ist eine Überprüfung durch einen Labortest notwendig. In den ersten acht bis zehn Tagen nach der Infektion sind gar keine Symptome zu bemerken. Zum Nachweis wird in den Körperflüssigkeiten des Patienten mittels einer sogenannten PCR, einer Polymerase-Kettenreaktion, nach Erbgutspuren des Erregers gefahndet. Zur Bestätigung kann auch noch nach dem Virus selbst oder nach von den Abwehrzellen gebildeten entsprechenden Antikörpern gesucht werden.Ist eine Weiterverbreitung nach Europa möglich?Prinzipiell ja. Gerade während der Inkubationszeit, also der Phase vor den ersten Symptomen, könnte ein noch gesunder Virenträger mit dem Flugzeug einreisen. Aber Virologen und Mediziner halten es für unwahrscheinlich, dass dies häufiger passieren wird. Denn die Ebolaviren grassieren in einer abgelegenen Region. Bis jemand von dort einen internationalen Flughafen erreicht, dauert es einige Tage. In der Regel ist die Krankheit dann bereits sicht- und spürbar ausgebrochen. Mit hohem Fieber, Blutungen und starkem Durchfall reist dann niemand mehr.Sollte tatsächlich eine infizierte Person in Europa ankommen, würden die Symptome schnell entdeckt, die betroffene Person könnte isoliert werden, so versichern Mediziner wie Behörden. Somit könnte ein infizierter Reisender, wenn überhaupt, nur wenige Personen anstecken.Diese Einschätzung beruht auch auf den Erfahrungen mit früheren Ausbrüchen. Bei dem sehr grossen 2014/2015 in Westafrika mit mehr als 28 000 bekannten Infizierten und mehr als 11 000 Toten gelangten zwar einige Infizierte nach Europa oder in die USA. Aber es kam nur zu vereinzelten weiteren Ansteckungen. Diese betrafen Pflegepersonal, das Erkrankte in Spitälern behandelt hatte.Droht nun eine weltweite Pandemie?Nein. Ebolaviren gelten aus drei Gründen nicht als Pandemieviren. Erstens sind sie nicht via Luft, sondern nur durch direkten Kontakt mit virenkontaminierten Körperflüssigkeiten übertragbar. Zweitens sind Infizierte erst ansteckend, wenn Symptome auftreten. Dann sind sie drittens fast immer schon schwer krank. Sie sind somit nicht mehr mobil.Zwar kann keine Virologin und kein Genetiker vorhersagen, ob Ebolaviren und im Speziellen die derzeit in Kongo-Kinshasa zirkulierende Bundibugyo-Variante sich genetisch derart verändern werden, dass eine Übertragung via Luft doch möglich wird. Aber Experten halten es für sehr unwahrscheinlich, dass dieses Szenario Realität wird. Ebolaviren werden seit mehr als gut 50 Jahren analysiert. Bis jetzt gibt es keine Anzeichen dafür, dass sie sich derart stark verändern.Wie häufig kommt es zu grösseren Ausbrüchen?In Afrika regelmässig. Meist sind Zentral- und Ostafrika betroffen. Kongo-Kinshasa beispielsweise, das ehemalige Zaire, meldete im vergangenen Jahr den 16. Ausbruch seit 1976. In der Regel werden maximal einige hundert Infizierte und weniger als 100 Tote bekannt.Der bislang grösste Ausbruch war jener in Guinea, Sierra Leone und Liberia. Er startete Anfang 2014 und wurde erst 2016 für beendet erklärt. Der zweitgrösste Ausbruch ereignete sich 2018 bis 2020 in Kongo-Kinshasa und Uganda. Damals wurden gut 3400 Infizierte und 2200 Tote erfasst.Passend zum Artikel