Die sportpolitische Aufwertung Wladimir Putins im fünften Jahr des von ihm entfesselten Angriffskriegs gegen die Ukraine nimmt weiter Fahrt auf. Die Exekutive des Internationalen Turnverbands FIG beschloss bei ihrer Sitzung am vergangenen Wochenende die sofortige Aufhebung sämtlicher Beschränkungen russischer und belarussischer Turnerinnen und Turner.Die FIG-Exekutive hatte sich im ägyptischen Badeort Scharm el-Scheich getroffen, nachdem Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew in der vergangenen Woche mit der bislang heftigsten Drohnen-und-Raketen-Angriffswelle überzogen hatte, bei der mindestens 24 Menschen ums Leben kamen. Turnenden Sportsoldatinnen und Sportsoldaten stehen damit ab sofort Tür und Tor zu allen internationalen Wettkämpfen offen.Die Mitteilung dazu auf der Website des Verbandes könnte knapper kaum sein: „Update - Russische und Belarussische Athleten“ lautet die Überschrift. Und dann: „Das EC (Exekutivkomitee, d. Red.) hat entschieden, mit sofortiger Wirkung alle Sanktionen aufzuheben, die russische und belarussische Athleten seit Februar 2022 betroffen haben. Die FIG-Ad-hoc-Regeln sind nicht mehr gültig.“Die 2023 beschlossenen Ad-hoc-Regeln hatten, ähnlich wie in anderen Sportarten auch, die Teilnahme russischer Sportler als sogenannte „individuelle neutrale Athleten“ geregelt und verfügt, dass diese eben nicht unter russischer Flagge und mit russischer Hymne antreten. Beides soll nun wieder Alltag werden.European-Aquatics-Präsident reist in die UkraineNach der Entfesselung des Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 waren auch Turnerinnen, Turner und Gymnastinnen Teil der russischen Kriegspropaganda. Bei der sogenannten „Z-Feier“ am achten Jahrestag der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim im Moskauer Luschniki-Stadion traten unter anderem die Weltmeisterinnen Dina und Arina Awerina auf. Der Turner Iwan Kuljak, der zuvor bei einer Weltcup-Veranstaltung ein „Z“-Symbol als Ausdruck seiner Unterstützung des Angriffskriegs getragen hatte, erschien im Stadion mit einer Olympiamedaille, die er nicht selbst gewonnen hatte.Die FIG folgt mit ihrer Entscheidung dem internationalen Schwimmverband World Aquatics, der im April bereits die Rückkehr Russlands in allen Ehren beschlossen hatte. Damit haben nun zwei von drei olympischen Kernsportarten russischen und belarussischen Sportlern die Bühne bereitet, in der Leichtathletik bleiben sie weiterhin sanktioniert. Das Internationale Olympische Komitee hatte am 9. Mai Einschränkungen gegen Belarus, nicht aber gegen Russland aufgehoben.Die Rückkehr russischer Schwimmer hatte beim europäischen Verband Unmut ausgelöst. European Aquatics drängt World Aquatics, die Entscheidung frühestens ab 1. September umzusetzen. Hintergrund sind die Europameisterschaften, die in den ersten beiden Augustwochen in Paris ausgetragen werden sollen.In erheblichem Kontrast zu den Entscheidungen der Weltverbände steht der Besuch von European-Aquatics-Präsident António Silva in Kiew, Lemberg und Odessa in der vergangenen Woche, bei dem er unter anderem die ukrainischen Schwimm-Meisterschaften besuchte. Mit dem Besuch, heißt es in einer langen Pressemitteilung des europäischen Verbandes, solle „die Solidarität mit Athleten, Trainern und Offiziellen des Landes demonstriert“ werden.Man habe „aus erster Hand die Realitäten des ukrainischen Sports während der außergewöhnlich schwierigen Zeit für die Nation“ begriffen. Die Pressemitteilung nennt Auslöser und Grund für die außergewöhnlichen Schwierigkeiten nicht, weder der Krieg noch das kriegsverantwortliche Russland werden genannt. Allerdings: „Die ukrainische Wassersportgemeinschaft zeigt weiter immense Kraft und Würde. European Aquatics wird weiter an ihrer Seite stehen.“
Turn-Weltverband hebt Sanktionen gegen russische Athleten auf
Während die Ukraine weiter mit Angriffen überzogen wird, schreitet Russlands Rückkehr in den Weltsport voran: Nach World Aquatics hebt auch der Turn-Weltverband seine Sanktionen für russische und belarussische Athleten auf.














