Der neue Europachef von Ford, Jim Baumbick, will mit einer in kürzester Zeit entwickelten Palette an Modellen jedem Verdacht entgegentreten, dass der amerikanische Konzern das Interesse am europäischen Markt verloren hätte. Für einige Zeit war darüber spekuliert worden, dass Ford eventuell nur das sehr erfolgreiche Nutzfahrzeuggeschäft behalten wolle, nachdem zuletzt die Modelle Fiesta und Focus ersatzlos eingestellt worden waren und für das etwas ältere Mittelklasse-SUV Kuga die Informationen über die Nachfolge vage bleiben.Der neue Ford-Chef für Europa will nun mit aller Kraft davon überzeugen, dass Ford nicht nur im Pkw-Geschäft bleibt, sondern auch noch faszinierende Autos liefern wird. Diese Perspektive ist nicht nur wichtig für potentielle Autokunden, sie soll auch traditionelle Händler bei der Stange halten, die nach der Halbierung des Ford-Marktanteils in der EU von 6,2 Prozent für 2019 auf 2,8 Prozent für 2025 Zweifel an der europäischen Präsenz auf dem europäischen Pkw-Markt bekommen haben. Denn aus den Reihen der Händler kam das Signal, dass das Ford-Nutzfahrzeuggeschäft nur überlebensfähig sei, wenn es auch eine überzeugende Palette an Personenwagen gäbe.Ein „Car Guy“ als neuer EuropachefMit dem Ingenieur Jim Baumbick hat Ford nun wieder eine Galionsfigur für die europäischen Aktivitäten installiert, nachdem für mehr als ein Jahr keine Führungsfigur in der europäischen Öffentlichkeit wahrnehmbar gewesen war. „Ich bin ein ‚Car Guy‘, ein Produktmann, und ich liebe den europäischen Automarkt“ – mit diesen Worten stellte sich Baumbick auf einer aufwendigen Veranstaltung für Medien und vor allem Händler am Salzburgring vor. Damit distanzierte er sich hörbar von denen, die zuletzt für Ford nur Finanzexperten aus Detroit für Kostensenkungen und Personalkürzungen erwarteten oder immer mehr amerikanische Produkte jenseits europäischer Käuferinteressen.„Europa war immer der anspruchsvollste Test für Autohersteller, allein schon wegen der besonders breiten Anforderungen an die Autos“, sagt Baumbick. Ford werde dabei in Europa Emotionen bieten, nicht einfach nur langweilige Gebrauchsobjekte, die nach den Worten von Baumbick „Toaster mit Rädern“ darstellen würden. Das Markenimage soll künftig gefüllt werden mit dem Begriff „Abenteuer“ rund um Ford-Geländewagen auch aus den USA und jüngsten Erfolgen auf der Rallye Dakar, daneben mit dem Begriff „Thrill“ oder „Nervenkitzel“ in Anknüpfung an die Motorsportaktivitäten von Ford.Fünf neue Modelle aus Europa für Europa schon bis 2029Bis zum Jahr 2029 verspricht Baumbick nun fünf neue Ford-Modelle, die in Europa entwickelt und produziert werden sollen. Dabei soll die Zusammenarbeit mit anderen Herstellern die Nutzung von deren technischen Plattformen ermöglichen. Damit will Ford zum einen schneller entwickeln, zum anderen durch größere Stückzahlen zusammen mit anderen Herstellern Kosten sparen. Die Zusammenarbeit soll aber nur Teile betreffen, die von den Kunden nicht wahrgenommen werden, Design oder Straßenlage sollen typisch Ford bleiben.Für zwei der angekündigten Modelle, einen elektrischen Kleinwagen und ein kleines SUV, wurde schon eine Kooperation mit Renault angekündigt, mit der Produktion von Autos auf der Basis des aktuellen R5 und R4 und Produktion in Frankreich. Versprochen werden darüber hinaus noch zwei „Crossover-Modelle mit Rallye-Genen“, die auf den Markt der SUV der Kompakt- oder Mittelklasse treffen sollen. Vom amerikanischen Geländewagen Bronco soll es zudem eine kleinere europäische Version geben, die in Spanien gebaut werden soll. Zu Spekulationen, dass den beiden angekündigten Crossover-Modellen eine Plattform des chinesischen Herstellers Geely zugrunde liegen soll, wollte Baumbick vorerst keine Aussage machen.
Neue Modelle: So will Ford in Europa wieder angreifen
Lange Zeit ist spekuliert worden, ob sich Ford ganz aus Europas Pkw-Markt zurückziehen werde. Nun präsentiert der amerikanische Konzern für Europa einen Autofreak, der viele neue Modelle und Abenteuergeist bringen will.













