Russland setzt seine Angriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung fort. In der Nacht zum Montag schlugen russische Drohnen und Raketen vor allem in der Zentral- und Südukraine ein, wobei mehr als 40 Menschen verletzt wurden, berichteten örtliche Behörden. Besonders schwer traf es abermals die zentralukrainische Großstadt Dnipro, wo mindestens 26 Menschen verletzt wurden, unter ihnen ein zwei Jahre altes Mädchen und ein zehn Jahre alter Junge, teilte der Gouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Olexander Hanzha, mit. Eine Rakete habe ein 24 Stockwerke großes Wohnhochhaus getroffen und dabei zahlreiche Wohnungen in Brand gesetzt.In der Hafenstadt Odessa schlugen mehrere Drohnen in Wohngebäude ein, wobei ein elf Jahre alter Junge und ein 59 Jahre alter Mann verletzt wurden, berichtete der Leiter der örtlichen Militärverwaltung, Serhij Lysak. Darüber hinaus seien eine Schule und ein Kindergarten beschädigt worden.Zudem schlug eine russische Drohne auf einem chinesischen Frachtschiff ein, das sich im Schwarzen Meer auf dem Weg in den ukrainischen Hafen Piwdenne befand, um dort Eisenerz zu laden. Es sei niemand verletzt worden und es habe keine größeren Schäden gegeben, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf eine mit dem Vorfall vertraute Person. Die Besatzung habe das ausgebrochene Feuer schnell löschen können.Die ukrainische Luftwaffe zählte bis zum Montagmorgen insgesamt 524 russische Drohnen und 22 Raketen, darunter 14 Iskander-M, eine bodengestützte, ballistische Kurzstreckenrakete. Vier davon habe man abschießen können, ebenso wie 503 Drohnen, teilte die ukrainische Luftverteidigung mit. 18 der Raketen und mindestens 16 Drohnen seien jedoch an 34 Orten eingeschlagen oder niedergegangen.Drei Tote bei ukrainischen Angriffen auf und um MoskauDas Verteidigungsministerium in Moskau stellte die eigenen Angriffe der Nacht auf Montag als „Antwort auf terroristische Attacken der Ukraine auf zivile Objekte“ in Russland dar. Gemeint waren offenbar Angriffe aus der Nacht auf Sonntag, in der die russischen Flugabwehrkräfte dem Ministerium zufolge insgesamt 556 Drohnen über mehreren russischen Regionen sowie der besetzten ukrainischen Halbinsel Krim abgefangen hatten. Vermutlich handelte es sich um die bisher größte ukrainische Angriffswelle; für die Nacht auf den 25. März hatte Moskau 389 abgefangene Drohnen gemeldet.Auch die russische Hauptstadt und ihr Umland waren dabei zum Ziel geworden. Drei Personen wurden laut Behörden getötet: eine Frau, in deren Wohnung in einem Wohnblock in Chimki am nordwestlichen Stadtrand von Moskau eine Drohne eingeschlagen sei, sowie eine Frau und ein Mann, als eine weitere Drohne in einem Dorf nahe Mytischtschi nördlich der Hauptstadt ein im Bau befindliches Haus getroffen habe.Trümmer von Drohnen stürzten in ein Einkaufszentrum in Chimki, das daraufhin „aus technischen Gründen“ schloss, und führten auf dem Gelände des nahe gelegenen Hauptstadtflughafens Scheremetjewo zu einem Brand, wie in sozialen Medien kursierende Videoaufnahmen zeigen. Auch auf dem Gelände einer Moskauer Raffinerie schlug eine Drohne ein.Die Verwundbarkeit wird zu einem immer größeren ProblemDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stellte diese Angriffe auf Telegram als „völlig gerechtfertigte“ Reaktion darauf dar, dass Russland den Krieg in die Länge ziehe und Städte und Gemeinden seines Landes angreife. Mittlerweile bezeichnet Selenskyj die Angriffe der ukrainischen Verteidiger mit ihren verbesserten Drohnen als „weitreichende Sanktionen“. Diese, so Selenskyj, hätten die Region Moskau erreicht, „und wir sagen den Russen ganz klar: Ihr Staat muss diesen Krieg beenden.“In der vergangenen Woche waren zunächst durch einen russischen Angriff auf Kiew in der Nacht auf Donnerstag 24 Menschen getötet worden. Daraufhin hatte Selenskyj mitgeteilt, er habe den Streitkräften befohlen, eine mögliche Antwort auszuarbeiten. In der darauffolgenden Nacht wurden im westrussischen Rjasan vier Menschen durch einen ukrainischen Drohnenangriff getötet, und in der Raffinerie der Stadt brach ein Brand aus.Für den Kreml wird die wachsende Verwundbarkeit auch tief im Landesinneren zusehends problematisch. Die Stadt Moskau verbot vorige Woche, „Text-, Foto- und Videomaterialien“ zu „Folgen von Terrorhandlungen“ zu veröffentlichen, als die auch die Drohnenangriffe gelten. Daran hielten sich die meisten Medien, die der Zensur unterliegen, und beschränkten sich auf Bilder, welche die Behörden selbst verbreitet hatten. Das Staatsfernsehen behandelte die Angriffe nur knapp.Zugleich wirkt der Kreml bemüht, wieder mehr auf nukleare Einschüchterung zu setzen. Am vergangenen Dienstag hat Präsident Wladimir Putin demonstrativ in einer Videoschalte angekündigt, die Interkontinentalrakete Sarmat zum Ende dieses Jahres in Dienst zu nehmen. Allerdings hat Putin dasselbe seit 2021 schon mindestens zehn Mal in Aussicht gestellt, wie das Portal Astra zählte.