Schaden soziale Medien den Kindern? Machen sie süchtig? Oder ist das alles Panik von Erwachsenen, die ihre Kinder – mal wieder – nicht verstehen? In der Diskussion um ein Verbot sozialer Medien für Minderjährige sind viele Menschen dafür, unter 14-Jährige von Tiktok & Co. fernzuhalten – auch wenn sie skeptisch sind, dass das überhaupt geht.Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (Bidt). Das Bidt hat 2500 Menschen in Deutschland befragt und die Ergebnisse nach Geschlecht, Alter, Bildung und Bundesland gewichtet.Klar wird, dass das Alter der Teenager für die Befragten entscheidend ist. Zwei Drittel sprechen sich „sehr dafür“ oder „eher dafür“ aus, Jugendlichen unter 14 Jahren zu verbieten, soziale Medien zu nutzen. Für ein Verbot für unter 16-Jährige sind noch 46 Prozent, für unter 18-Jährige 24 Prozent.Auch nach konkreten negativen Erlebnissen in sozialen Medien wurde gefragt. „Mir wurden unangemessene Inhalte angezeigt“ bejahten 29 Prozent. Sie hätten „unerwünschte sexuelle Nachrichten oder Bilder“ erhalten, 25 Prozent. Je 18 Prozent seien zudem „Mobbing und Ausgrenzung“ oder „Stress und Leistungsdruck durch den Vergleich mit anderen“ ausgesetzt gewesen.Anhänger von Grünen und CSU (je 78 Prozent) sind am häufigsten für ein U14-Verbot, die der AfD (56 Prozent) am seltensten. Kein Wunder, ist die AfD doch insbesondere durch ihre Präsenz in sozialen Medien relevant geworden.Allerdings sind die Befragten skeptisch, dass ein Verbot wirkungsvoll wäre. Die Forscher schreiben: „Selbst unter Befürworterinnen und Befürwortern eines Verbots für Kinder unter 14 Jahren glauben 55 Prozent nicht daran, dass ein Verbot die Nutzung verhindern kann.“Derzeit können in der EU Dienste wie Instagram, Snapchat oder Tiktok den Geschäftsbedingungen der Anbieter zufolge ab 13 Jahren genutzt werden. Die EU-Kommission hat jedoch erklärt, dass die Alterskontrollen der Anbieter nicht funktionierten, und arbeitet an strengeren Regeln. Die Bundesregierung erwägt ein Verbot für Kinder unter 14 Jahren, sie will nach dem Sommer entscheiden. Befeuert wird die Diskussion über ein Verbot für unter 16-Jährige in Australien, das im Dezember in Kraft getreten ist.Auch der Deutsche Ärztetag forderte vergangene Woche ein Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Allerdings ist die Fachwelt weit von Einigkeit entfernt, wie schädlich soziale Medien wirklich sind. Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, ob die Vorteile – Kommunikation, Vernetzung, Gemeinschaft – nicht gerade für junge Menschen die Nachteile überwiegen. Auch die Umfrage des Bidt zeigt nicht nur Schatten, sondern auch Licht. 36 Prozent der Befragten nannten „Erleben von Gruppenzugehörigkeit“ als positiven Effekt ihrer Social-Media-Nutzung, 33 Prozent „Horizonterweiterung“ und 31 Prozent „Erhalt von Unterstützung oder Rat von anderen“.Deshalb warnen Forscher vor vorschnellen Verboten. Josephine B. Schmitt ist Wissenschaftliche Koordinatorin am Center for Advanced Internet Studies, einem Forschungszentrum für Digitalisierung in Bochum. An diesem Montag diskutierte Schmitt auf der Berliner Digitalkonferenz Republica die Ergebnisse der Bidt-Umfrage und die ersten Effekte des australischen Verbots. In einem Statement zur Umfrage sagte sie: „Pauschale Social-Media-Verbote ersetzen oft die Debatte über wirksame Plattformregulierung. Sie suggerieren politische Handlungsfähigkeit, verschieben die Verantwortung aber auf junge Menschen, statt Plattformen konsequent zu regulieren.“Kritiker wenden sich auch gegen die Mechanismen zur Altersverifikation. Die seien faktisch Überwachungsdatenbanken, die zudem gehackt werden könnten. Der deutsche Kinderschutzbund verwies vor Kurzem darauf, dass Kinder Altersgrenzen im Netz schon heute massenhaft umgehen würden: „Im schlimmsten Fall weichen Kinder auf weniger regulierte Plattformen aus, in denen Schutzmechanismen noch schwächer sind.“
Soziale Medien: Umfrage zu Verboten für Kinder in Deutschland
Umfrage zeigt Zustimmung zu Social-Media-Verboten für unter 14-Jährige in Deutschland. Diskussion über Nutzen und Risiken sozialer Medien für Kinder und Jugendliche bleibt kontrovers.






