Montagmorgen ist eine neue Waffenruhe zwischen Libanon und Israel in Kraft getreten. Sie soll 45 Tage gelten. Die von Iran gesteuerte schiitische Hisbollah-Miliz hatte am 2. März den Norden Israels mit Raketen angegriffen. Israel schlägt seitdem mit größter Härte zurück: Nach libanesischen Angaben wurden fast 3000 Menschen getötet, etwa eine Million Menschen vertrieben und 10 000 Häuser zerstört oder beschädigt.Hält die Waffenruhe?Bislang eher nicht. Am Montagmorgen rief die israelische Armee die Bewohner von drei Ortschaften auf, ihre Häuser zu verlassen, und kündigte neue Angriffe an. Die Ende vergangener Woche in Washington verhängte „Waffenruhe“ ist bereits die dritte seit März, viel gebracht haben die Vereinbarungen bisher nicht. Die Hisbollah, die gar nicht mit am Verhandlungstisch saß, feuert weiter Raketen auf Israel ab und greift israelische Soldaten an, etwa 20 sind bereits gestorben. Israel wiederum attackiert Hisbollah-Kämpfer, aber auch immer wieder zivile Ziele, mehr als 200 Rettungssanitäter sind seit März bei den Angriffen getötet worden. Israelische Bauunternehmer zerstören zudem gegen eine Tagesprämie in Südlibanon Häuser entlang der Grenze. Die libanesische Regierung versucht in diesen Tagen verzweifelt, wenigstens das Schlimmste zu verhindern: Sie bittet die US-Regierung, Druck auf Israel auszuüben, um wenigstens zu dem Zustand vor dem 2. März zurückzukehren. Damals zerstörte Israel zumindest keine Häuser und zielte nicht so oft auf Zivilisten.Was wollen die Libanesen?Die große Mehrheit der Libanesen macht die Hisbollah für den erneuten Krieg verantwortlich. Nach einer Umfrage der Friedrich-Naumann-Stiftung wollen knapp 70 Prozent der Libanesen eine Entwaffnung der Hisbollah. Nur 33 Prozent halten das aber auch für realistisch. Zumindest kurzfristig. Viele fürchten einen erneuten Bürgerkrieg. Die Hisbollah ist zwar extrem geschwächt, hat aber in den vergangenen Jahrzehnten oft mit Gewalt auf Versuche geantwortet, ihnen die Waffen und damit ihren Sonderstatus in der libanesischen Gesellschaft wegzunehmen. Zwischen 30 und 40 Prozent der Bevölkerung sind Schiiten, viele stehen der Hisbollah nahe. Manche fragen sich aber auch, warum die Miliz in einen Krieg für Iran ziehen musste, der Hunderttausende Schiiten aus ihrer Heimat im Süden Libanons vertrieben hat. Die Regierung in Beirut fordert die Entwaffnung der Hisbollah, im Gegenzug müsse sich Israel aus den besetzen Gebieten zurückziehen. Die Hisbollah sagt, nur das Regime in Iran sei in der Lage einen Frieden in Libanon zu erzwingen. Bisher hat Teherans Führung aber nicht einmal eine Waffenruhe in Libanon erreicht, wie sie es eigentlich versprochen hatte.Was will Israel?Die israelische Armee hat in Libanon das gleiche Problem wie in Gaza und Iran. Sie ist militärisch weit überlegen, sieht sich aber einem Gegner gegenüber, der sich nicht als Verlierer betrachtet. Israel hält etwa acht Prozent des libanesischen Territoriums besetzt, wahrscheinlich mehreren tausend getöteten Hisbollah-Kämpfern stehen etwa 20 gefallene israelische Soldaten gegenüber. Dennoch sieht sich die Hisbollah als Gewinner, jeder Tote wird als Märtyrer gefeiert. Die Terrormiliz feuert immer wieder Raketen auf den Norden Israels ab und benutzt Drohnen, die mit einem langen Kabel gesteuert werden, die für Israels Abwehr nicht zu erkennen sind. Das sorgt im Norden Israels für Angst und ist für die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor den Wahlen im Herbst ein großes Problem. Er verhandelt zwar mit der libanesischen Regierung, würde aber am liebsten sofort die militärische Offensive ausweiten. Das verhindern die Amerikaner bislang. Sie wollen versuchen, mit Libanon gemeinsam die Hisbollah zu entwaffnen.Wie kann man die Hisbollah überhaupt entwaffnen?Die Hisbollah wurde Anfang der Achtzigerjahre von Iran gegründet. Sie sollte den vor allem von Schiiten bewohnten Süden Libanons von israelischer Besatzung befreien. Aus der Miliz wurde über die Jahre eine Wohlfahrtsorganisation und eine Partei. Ihre Waffen hat sie aber auch nach innen gerichtet: Kritiker wurden ermordet, die Miliz droht regelmäßig mit Bürgerkrieg, wenn sie entwaffnet werden soll. Sie wird ihre Waffen wohl kaum ohne das Einverständnis des Regimes in Teheran abgeben. Und im Gegenzug etwas dafür verlangen. Mehr politische Repräsentation in Beirut, wo bisher Christen immer den Präsidenten stellen und Sunniten den Ministerpräsidenten. Zudem wollen die Schiiten Geld für den Wiederaufbau im Süden. Die Entwaffnung wäre ein langer Prozess, und der Versuch, sie in die Tat umzusetzen, nicht ganz chancenlos: Viele Schiiten sind kriegsmüde und wollen in ihre Dörfer zurück.
Libanon: Lässt sich die Hisbollah entwaffnen?
Die Waffenruhe in Libanon soll 45 Tage gelten. Die Mehrheit der Libanesen will die Entwaffnung der Hisbollah. Nur wie soll das gehen?














