Handel mit Bonsai-Bäumchen, Krabben und Poulet: Die Unterhändler der USA und Chinas ringen um kleinste DetailsNach dem spektakulären Gipfel von Peking beginnt die eigentliche Arbeit – auch weil die Vorbereitungen des Spitzentreffens mangelhaft waren.18.05.2026, 13.38 Uhr4 LeseminutenVor der Grossen Halle des Volkes bereitete Chinas Staatspräsident Xi Jinping seinem amerikanischen Amtskollegen am 14. Mai einen grossen Empfang.Alex Wong / GettyAn farbenfrohen Bildern und wohligen Klängen herrschte rund um das Gipfeltreffen von Donald Trump und Xi Jinping vergangene Woche in Peking kein Mangel. Am Freitag war zu sehen, wie Chinas Staats- und Parteichef seinem amerikanischen Amtskollegen die Bäume im Garten von Chinas Machtzentrale Zhongnanhai erklärte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Beim Staatsbankett am Vorabend liess Xi in der Grossen Halle des Volkes die Weltverbesserer-Schnulze «We are the World» und Trumps Lieblingssong «YMCA» spielen. Der US-Präsident war hingerissen.Konkrete Ergebnisse zu Fragen der Wirtschaft lieferte das mit Spannung erwartete Treffen der beiden mächtigsten Männer der Welt aber zunächst nicht. Lockert China die Exportbeschränkungen für seltene Erden dauerhaft? Man weiss es nicht. Werden die USA die Zölle auf chinesische Waren senken? Unklar. Kauft China mehr Soja in den USA? Eine verbindliche Zusage fehlt bislang.Die Antworten sollen während der kommenden Wochen die Unterhändler der beiden Länder finden. Das chinesische Handelsministerium sprach am Wochenende lediglich von «vorläufigen Ergebnissen».Verhandlungen in letzter MinuteNoch wenige Stunden vor Trumps Ankunft in Peking hatten sich die beiden Chefunterhändler, der US-Finanzminister Scott Bessent und der chinesische Vizeministerpräsident He Lifeng, in Seoul zu Verhandlungen getroffen. Das chinesische Handelsministerium bezeichnete den Austausch am Wochenende als «offen, tiefgründig und konstruktiv». Das sind Diplomaten-Floskeln, deren man sich bedient, wenn es nichts zu berichten gibt.Beide Seiten hatten das Treffen in Seoul in letzter Minute angesetzt, damit Xi und Trump der Weltöffentlichkeit am Gipfel zumindest ein paar Erfolge präsentieren können. Dass die beiden Spitzenpolitiker bei ihrem Treffen keine Ergebnisse liefern konnten, zeigt nun, wie schwierig eine Annäherung ist. «Das Fehlen von verbindlichen Zusagen deutet darauf hin, dass die bilaterale Diplomatie unter Druck steht», schreiben die Experten der Eurasia Group.Keine Einigung über Absenkung von ZöllenMit Blick auf eine mögliche Absenkung von Zöllen heisst es vonseiten der chinesischen Regierung lediglich, beide Seiten hätten einen «positiven Konsens bei relevanten Zoll-Arrangements» erreicht. Die USA und China wollten die Zölle auf einigen Warengruppen absenken, sagte ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums.Mit einer Einigung hat dies nichts zu tun. Die eigentlichen Verhandlungen sollen in einem noch zu schaffenden Handelsrat stattfinden. Doch bis dieser zusammentritt und Ergebnisse vorlegt, dürfte noch einige Zeit vergehen.Ausserdem wollen die USA und China einen Investitionsrat ins Leben rufen. Dieser soll in erster Linie darüber befinden, in welchen Branchen chinesische Firmen in den USA investieren können. Bislang blockieren die amerikanischen Behörden aus Gründen der nationalen Sicherheit Engagements chinesischer Unternehmen in Amerika.Schwierige Themen werden zunächst ausgespartEs sieht ganz so aus, als machten sich Washington und Peking zunächst daran, die einfach zu lösenden Probleme aus dem Weg zu räumen: nichttarifäre Handelshemmnisse für Agrarprodukte. So teilte das chinesische Handelsministerium mit, die USA würden die Einfuhr von Milchprodukten und Meeresfrüchten aus China erleichtern.Das Gleiche gelte für Bonsai-Bäume aus China, die in Gewächshäusern gezüchtet würden. Darüber hinaus hätten sich die USA bereit erklärt, die Provinz Shandong als frei von Influenza auf Geflügelfarmen anzuerkennen. Im Gegenzug will Peking die Einfuhr von Poulet und Rindfleisch aus den USA erleichtern.Dass sich beide Länder derzeit mit vergleichsweise irrelevanten Themen beschäftigen, zeigt, wie schwer es werden wird, bei den grossen Brocken eine Einigung zu erzielen. Von Lockerungen der chinesischen Ausfuhrbeschränkungen für seltene Erden ist bisher auf beiden Seiten nicht die Rede; ebenso nicht von Erleichterungen bei amerikanischen Chip-Lieferungen an China.Ausbau des Handels bei AgrarproduktenGanz generell hätten sich beide Seiten darauf verständigt, den bilateralen Handel auszubauen, bei «landwirtschaftlichen Produkten, aber auch in anderen Sektoren», wie es der Sprecher des chinesischen Handelsministeriums formulierte. Dies solle durch eine gegenseitige Absenkung von Zöllen geschehen.Die USA teilten am Wochenende mit, China habe sich bereit erklärt, bis 2028 chinesische Agrarprodukte mit einem Volumen von 17 Milliarden Dollar kaufen zu wollen. China bestätigte dies nicht. Trifft dies zu, dürften dazu auch Käufe von Soja in Amerika gehören.China ist der wichtigste Abnehmer von amerikanischem Soja. Sollte China seine Einfuhren tatsächlich substanziell hochfahren, würde dies das amerikanische Handelsbilanzdefizit zumindest ein Stück weit reduzieren. Trump hatte sich während der vergangenen Jahre immer wieder über Chinas grossen Überschuss im Handel mit den USA beklagt.China hat sich offenbar auch bereit erklärt, Flugzeuge des amerikanischen Herstellers Boeing zu kaufen. Die USA wollen im Gegenzug Lieferungen von amerikanischen Flugzeugtriebwerken an China genehmigen. Konkrete Zahlen fehlen allerdings auch hier.Schlechte VorbereitungDass die Gespräche über konkrete Punkte zur Entschärfung des Handelsstreits schleppend vorangehen, ist auch auf die schlechte Vorbereitung des Gipfels zurückzuführen. Beinahe die gesamte US-Administration war durch den Krieg im Nahen Osten voll in Anspruch genommen. Ein Treffen von He Lifeng und Scott Bessent in Paris Mitte März hatte keine Fortschritte gebracht.Immerhin haben die USA und China noch gut fünf Monate Zeit, die Detailfragen zu klären. Die im vergangenen Oktober im südkoreanischen Busan erzielte Waffenruhe im Zollstreit läuft Anfang November aus.Am Dienstag erwartet Xi Jinping schon den nächsten hochrangigen Gast: Wladimir Putin kommt zu einem Staatsbesuch nach China. Russlands Präsident will neben seinem chinesischen Amtskollegen auch den Ministerpräsidenten Li Qiang treffen. Ausserdem soll in Peking eine Reihe von bilateralen Abkommen unterschrieben werden.Zu den wichtigsten Programmpunkten dürfte gehören, dass Xi Jinping seinen Freund Putin über den Trump-Besuch informiert.Passend zum Artikel