Beat Jans sagt, nur Zuwanderung helfe gegen den Personalmangel im Spital. Doch die tragenden Säulen sind Schweizer und GrenzgängerDas Gesundheitswesen ist auf Ausländerinnen und Ausländer angewiesen. Allein mit mehr Einwanderung wird aber kein Problem gelöst.18.05.2026, 12.16 Uhr3 LeseminutenTingelt durchs Land: Beat Jans besucht ein Spital in der Waadt.Jean-Christophe Bott / KeystoneBei der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Frage, welche Folgen ein Ja zur 10-Millionen-Schweiz-Initiative der SVP hätte, steht vor allem das Gesundheitswesen im Fokus. Die Gegner, angeführt vom SP-Bundesrat Beat Jans, haben die Branche als das bedeutsamste Beispiel auserkoren, um die Gefährlichkeit der Vorlage zu unterstreichen. Gewarnt wird mit drastischen Worten: «Diese Initiative kann Ihre Gesundheit gefährden.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am vergangenen Mittwoch machte Jans in der «Arena» des Schweizer Fernsehens nochmals deutlich, warum er sich so stark gegen die SVP-Initiative engagiert: «Ich tingle durchs Land, damit Ihre Mutter auch in Zukunft gepflegt wird.»Zahlen, die die NZZ in der vergangenen Woche veröffentlicht hat, lassen diese Kernbotschaft aber weniger kraftvoll wirken: Der Anteil des Pflegepersonals an der Zahl der neu eingewanderten Erwerbstätigen lag 2024 bei 1,1 Prozent, der Anteil der Ärzte bei 1,8 Prozent. Zusammengerechnet sind das rund 3000 von über 90 000 Personen. Diese Grössenverhältnisse gelten auch für die anderen Jahre.Das Staatssekretariat für Migration (SEM) wies auf eigene Zahlen hin, wonach 2025 knapp 6000 ausländische Personen in die Branche Medizin und Gesundheitswesen eingewandert seien. In diese Kategorie fallen aber nicht nur Pflegepersonal und Ärzte, sondern auch weitere Tätigkeiten, etwa jene des Technikers, der in einem Spital arbeitet.Das Gegenargument der Befürworter: Auch wenn man die Kenngrössen für dringend benötigte Fachkräfte des SEM nehme, hätten diese in der Gruppe der 37 000 Personen, die bei Annahme der SVP-Initiative weiterhin einwandern könnten, genügend Platz.Muss ein Spital «sofort» schliessen?Jedoch müsste sich auch die Gesundheitsbranche dem Verteilkampf stellen, welche Arbeitskräfte denn künftig kommen dürften – und welche nicht. Das macht der Branche grosse Sorgen. Im «Sonntags-Blick» sagte etwa die Ärztegesellschaft FMH, dass bei einem Ja neuerlich Kontingente drohten. Auch der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) machte klar, dass der Personalbedarf bereits heute nicht mit inländischen Fachkräften gedeckt werden könne. Die Lücken in der Pflege würden aufgrund des demografischen Wandels sogar weiter deutlich grösser. Der SBK geht bis 2030 von rund 30 000 fehlenden Pflegefachkräften aus.Unbestritten ist die Schweiz auf Gesundheitspersonal aus anderen Ländern angewiesen. Gemäss Erhebungen der Verbände stammen 40 Prozent der Ärzte aus dem Ausland und hat ein Viertel der Pflegerinnen die Ausbildung nicht in der Schweiz absolviert.Die Gegner der 10-Millionen-Schweiz-Initiative warnen deswegen vor einem Kollaps: Beat Jans sagte beispielsweise, dass das Basler Unispital bei einem Ja «sofort» schliessen müsse, da das Personal zur Hälfte aus Ausländern bestünde.Das stimmt. Die Aussage beantwortet aber nicht die Frage, ob allein die Zuwanderung den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen lösen kann. Um bei Jans’ Beispiel in Basel, einem Grenzkanton, zu bleiben: Im Unispital arbeiteten per Ende April 8230 Mitarbeiter. Davon sind 52 Prozent Schweizer und 21,5 Prozent Grenzgänger. 26,5 Prozent sind im Land wohnhafte Ausländer. Nicht wenige von ihnen dürften in der Schweiz geboren sein (andere dafür wurden eingebürgert).Der Mangel hat sich akzentuiertIn anderen Grenzkantonen sieht es nicht anders aus. In Schaffhausen machen Zuwanderer, die in der Schweiz wohnen, rund 23 Prozent des Gesamtbestands der Spitäler Schaffhausen aus. In Genf sind es gar nur 17 Prozent der fast 13 500 Mitarbeiter, die für die universitären Spitäler arbeiten. Dazu kommt: Der Ausländeranteil in den drei Kantonen liegt wesentlich höher als jener in den Spitälern (ohne Grenzgänger): 42 Prozent in Genf, 39 in Basel-Stadt, 30 in Schaffhausen.Dass nur die Zuwanderung in die Schweiz das Gesundheitswesen am Leben erhält, erscheint auch aufgrund einer anderen Zahl fraglich: Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) weist eine «Pflegedichte» von 7,4 Vollzeitstellen pro 1000 Einwohner auf. Auf eine Million Menschen macht das 7400 Vollzeit-Pflegekräfte.In dem Zeitraum, in dem die Schweiz letztmals um eine Million Personen gewachsen ist, konnten knapp über 7000 Vollzeitstellen in der Pflege von Ausländern besetzt werden. Das zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik.Der steigende Bedarf an Pflegekräften durch die Zuwanderung konnte also nicht einmal ausgeglichen werden. Der Mangel hat sich sogar noch akzentuiert. Dazu kommt noch die steigende Arbeitslosigkeit in der Schweiz. Sogar in Branchen mit Fachkräftemangel ist die Zahl der Erwerbslosen in letzter Zeit gestiegen. Auch im Gesundheitswesen.Passend zum Artikel
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Das Gesundheitswesen ist auf Ausländerinnen und Ausländer angewiesen. Allein mit mehr Einwanderung wird aber kein Problem gelöst.








