Der Torwart Florian Kastenmeier weinte, der Trainer Alexander Ende hielt eine Art Grabrede auf den „stolzen Verein“ Fortuna Düsseldorf und die Lokalzeitung Rheinische Post kommentierte: „Diese Mannschaft hat ganz Düsseldorf im Stich gelassen.“In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt ist am Sonntag Schreckliches passiert – jedenfalls für Fußballfans: Fortuna Düsseldorf ist durch eine 0:3-Niederlage bei der Spielvereinigung Greuther Fürth in die dritte Liga abgestiegen. In der kommenden Saison heißen die Gegner nicht mehr Schalke 04, Hertha BSC oder 1. FC Kaiserslautern – sondern VfB Stuttgart II, TSG Hoffenheim II und SV Meppen.SV Elversberg:Der Ort ohne Bahnhof spielt jetzt wirklich BundesligaDie SV Elversberg wird in der kommenden Saison der 59. Klub in der Geschichte der Fußball-Bundesliga – und ihr bisher kleinster Standort. Dabei hatten vor der Saison nicht wenige mit dem Abstieg gerechnet.Geplant war das alles natürlich anders: In seiner fünften Zweitliga-Saison nacheinander hatte Düsseldorf eigentlich in die Bundesliga aufsteigen wollen. Wie jedes Jahr. Vor zwei Jahren verpasste man den Sprung nach oben bloß durch einen einzigen verschossenen Elfmeter im Relegationsspiel gegen den VfL Bochum. Jetzt ging dieser Fehlschuss mit zweijähriger Verspätung nach hinten los. Düsseldorf ist nur noch drittklassig.Dabei schien der im vergangenen Sommer vom damaligen Sportvorstand Klaus Allofs zusammengestellte und vom Trainer Daniel Thioune trainierte Kader durchaus aufstiegstauglich zu sein – doch dann kam, wie so oft im Fußball, einiges dazwischen. Von 34 Saisonspielen gewann die Fortuna nur elf, schoss mit 33 Toren die wenigsten der Liga und kam die ganze Saison lang nie in die Verfassung, konstant als Team zu funktionieren.Allerdings dürfte der Abstieg auch Folge einer panischen Personalpolitik sein. Im Oktober entließ der Klub Trainer Thioune auf Platz 13. Im April entließ man den Trainer Markus Anfang auf Platz 14. Jetzt heißt der Trainer Alexander Ende, die Saison ist vorbei und die Fortuna steht auf Platz 17. Im Dezember und im April stand man schon einmal für je einen Spieltag auf diesem vorletzten Platz. Jetzt zum dritten Mal. Doch nun kann man das nicht mehr korrigieren. Die Saison ist zu Ende.Viele in Düsseldorf machen Klaus Allofs für den Niedergang verantwortlichViele in Düsseldorf machen Allofs für den Niedergang verantwortlich, und beim unglücklichen Zusammenbau dieses dysfunktionalen Kaders hatte er natürlich maßgeblichen Anteil. Allerdings sitzen im Fortuna-Aufsichtsrat viele kluge Menschen, darunter mit dem DFB-Vizepräsidenten Peter Frymuth, dem ehemaligen Profitorwart Michael Rensing und der ehemaligen Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg auch welche mit Fußball-Expertise. Doch auch sie konnten den Absturz nicht verhindern.Dem erst im Dezember als Nachfolger von Allofs angetreten neuen Sportvorstand Sven Mislintat war nach dem Drama am Sonntag verständlicherweise wichtig zu betonen: „Der Abstieg ist nicht das Ergebnis eines Spiels, wahrscheinlich nicht mal einer Saison – sondern einer längeren Entwicklung.“Mislintat, 53, der in seinem Lebenslauf Referenzen wie FC Arsenal, Borussia Dortmund, VfB Stuttgart und Ajax Amsterdam stehen hat, war ganz zu Beginn seiner Karriere als freiberuflicher Gegner-Analyst schon mal für die Fortuna tätig. Damals war der Klub in einer vergleichbar trostlosen Lage wie jetzt: zu Beginn des Jahrtausends. Von 2002 bis 2004 hat Düsseldorf sogar nur in der vierten Liga gespielt. Velbert, Osterfeld und Ratingen hießen damals die Kontrahenten. Es dauerte Jahre und kostete Millionen, sich aus der Bedeutungslosigkeit wieder zu befreien. 2004 stieg Düsseldorf in die dritte Liga auf, 2009 in die zweite Liga und 2012 in die Bundesliga. Seither hat die Fortuna drei Spielzeiten in der Bundesliga gespielt und elf in der zweiten Liga. Jetzt geht es wieder abwärts.In der kommenden Saison wieder in der dritten Liga zu spielen, ist nicht nur ein Problem für den Stolz und das Image dieses regional identitätsstiftenden Traditionsvereins, es ist vor allem ein Problem für die Klubfinanzen. Weniger Ticketverkäufe, weniger Sponsoringeinnahmen und vor allem weniger Fernsehgeld belasten einen Verein bei dem finanziell aufwendigen Versuch, die dritte Liga so schnell wie möglich hinter sich zu lassen. Die Fortuna bekommt in der kommenden Saison voraussichtlich 1,8 Millionen Euro TV-Geld. In der zweiten Liga waren es ungefähr 17 Millionen. Von einer „riesigen Fallhöhe“ zwischen zweiter und dritter Liga spricht der Vorstandsvorsitzende Alexander Jobst. Man müsse nun „die Scherben zusammenkehren“ und wolle die Fortuna „irgendwann“ wieder dorthin zurückzubringen, „wo sie hingehört“.Nicht zu unterschätzen ist allerdings auch die mitschwingende Gefahr, die dritte Liga nicht nach oben, sondern nach unten zu verlassen. Dafür gibt es etliche Beispiele. Der Fortuna selbst ist das 2002 passiert. 2024 stieg der Nachbar MSV Duisburg erstmals in seiner großen Historie in die vierte Liga ab. Auch Arminia Bielefeld wäre 2024 um ein Haar in die Regionalliga West abgestürzt.Die Fortuna muss also aufpassen. Nur eine Handvoll Spieler aus dem aktuellen Kader haben einen Vertrag für die dritte Liga. Sportchef Mislintat und Trainer Ende wollen bleiben. Sie müssen einen radikalen Neuaufbau choreografieren. Mit allen Chancen. Aber auch allen Risiken.