Islamisten werben auf Social Media verstärkt um Jugendliche. Warum und wie das funktioniert, erklärt die Berliner Bildungsexpertin Canan Korucu.

taz: Frau Korucu, eine Erkenntnis des kürzlich erschienenen ersten Islamismus-Monitors der Berliner Verwaltung ist, dass sich islamistische Propaganda zunehmend an Kinder und Jugendliche richtet, und zwar über Social Media. Teilen Sie die Beobachtung?

Canan Korucu: Ja, das tue ich. Aber bevor ich auf Einzelheiten eingehe, möchte ich kurz einen Schritt zurück machen. Es gibt allgemein einen deutlichen Anstieg von extremistischen Inhalten auf Social Media – und das betrifft nicht nur islamistische, sondern genauso rechtsextremistische, rassistische, antisemitische oder sexistische. Nach einer Studie vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest sagten 42 Prozent der befragten jungen Menschen zwischen 12 und 19 Jahren im Jahr 2023, dass ihnen im letzten Monat extreme politische Ansichten auf Social Media begegnet seien. Zwei Jahre später waren das bereits 59 Prozent! Das betrifft alle möglichen Extremismen, aber auch Themen wie Fake News, Beleidigungen, Kommentare, Verschwörungstheorien, Hate Speech.

taz: Wie läuft das beim Thema Islamismus?