Die Wahrheit: Sangesgewaltige Leckerbissen

Die lustige Tierwelt und ihre ernste Erforschung (242): Lerchen sind selten geworden, singen aber immer noch auf offenen Feldern.

Eine seltene Haubenlerche auf einem Schutzzaun

Jetzt müssten sie wieder jauchzen. „Welch ein Schwirren, welch ein Flug? / Sei willkommen, Lerchenzug! / Manche schwingt sich himmelan, / Jauchzend auf der lichten Bahn; / Eine, voll von Liedeslust, / Flattert hier in meiner Brust.“ So besang Ludwig Uhland „Die Lerchen“. Goethe sah diesen Vogel pragmatischer: „Es gibt nichts Schöneres auf Erden, als morgens eine Lerche zu hören und mittags eine zu essen“, meinte er zu Eckermann, der diese Einstellung als großer Vogelfreund missbilligte, aber nichts dazu sagte. Anlässlich eines Osterspaziergangs, auf dem Goethe wieder einmal einen Vogelruf falsch identifiziert hatte, konnte er sich jedoch nicht zurückhalten: „So ein großer Dichter und keine Ahnung von Vögeln“, schrieb er.

Auf dem Tempelhofer Flugfeld, wo sich in Berlin die hiesige Öko-Jeunesse doree mit allerhand Sportgeräten trifft, sollen trotz dieser Amüsiermassen noch etliche Lerchen jubilieren. Der Tagesspiegel, immer vorneweg, wenn es gilt, die „Poweracquisitions“ der Metropole herauszustreichen, meint sogar, dass „25 Prozent aller Berliner Feldlerchen auf dem ehemaligen Flughafengelände leben“.