In Zehdenick wurde erstmals in Brandenburg ein AfD-Mann zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt. Eine Erkundung in der Stadt nach der Wahl.
R ehe springen über sattgrüne Felder, die Rapsfelder blühen in voller Pracht. Gegenüber des Backsteinbahnhofs in Zehdenick ragt auf einem Pfahl ein Storchennest in den Himmel, zwei Störche picken darin. Im 13.000-Einwohner-Städtchen im Kreis Oberhavel scheint die Welt noch in Ordnung. Schien sie – bis zum vergangenen Sonntag.
Bei den Bürgermeisterwahlen in der Stadt 60 Kilometer nördlich von Berlin gewann der AfD-Politiker René Stadtkewitz im ersten Wahlgang mit 58,4 Prozent der Stimmen. Damit wurde erstmals ein AfD-Kandidat zum hauptamtlichen Bürgermeister einer Stadt in Brandenburg gewählt.
In der Havelstadt ist der AfD-Politiker nicht zu übersehen: Auf Wahlplakaten lächelt Stadtkewitz freundlich, wenn auch steif, in Hemd und Jacke. „Für Euch bereits im Einsatz“ steht daneben, und: „Zehdenick verdient Verlässlichkeit“. Das zieht: „Ich find es ganz toll, dass er es geworden ist!“, sagt eine Rentnerin mit blonder Kurzhaarfrisur und bonbonpinker Brille. „Der alte Bürgermeister lebt wie die Made im Speck, und die Altparteien haben als Argumente gegen die AfD nur ‚Nazi‘ und ‚braun‘.“ Jetzt könne die AfD zeigen, ob sie wirklich etwas verändere. Eine Seniorin mit Rollator winkt ab: „Ich war nicht wählen. Die machen sowieso, was sie wollen.“







