PfadnavigationHomeICONISTTrendsArtikeltyp:MeinungGastgeberGrößte Verlierer des ESC sind die beiden österreichischen ModeratorenStand: 16:43 UhrLesedauer: 4 MinutenModeratorenpaar aus der Hölle: Victoria Swarovski und Michael Ostrowski harmonierten so gar nicht beim Finale des Eurovision Song Contest 2026 in der Wiener StadthalleQuelle: AFP/TOBIAS SCHWARZDer größte Verlierer des ESC war nicht der arme 1-Punkte-Tropf aus Großbritannien, nicht Sarah Engels aus Deutschland, sondern, in allen Belangen, Gastgeber Österreich. Hauptverantwortlich: die Moderatoren des Abends.Aus großen Niederlagen können Sieger der Herzen geboren werden. Das weiß Schalke 04 seit fast auf den Tag genau 25 Jahren, als der Verein sich im Mai 2001 ein paar Minuten als Deutscher Meister glaubte (bevor Bayern München es dann doch wieder wurde). Und es weiß seit gestern Abend auch Sam Battle, der sich als Sänger Look Mum No Computer nennt. Direkt nach seinem Auftritt und lange, bevor das Debakel (1 Punkt insgesamt von den Jurys; 0 Punkte vom Publikum, letzter Platz) seinen Lauf nahm, saß er mutterseelenallein auf dem halbrunden Sofa, das jeder Nation als Box auf einem „Green Room“ genannten Wartebereich zur Verfügung stand – und bei allen anderen pickepackevoll mit Sängern, Tänzern, Musikern, Produzenten war. Das sah so traurig aus, Sam Battle und ganz United Kingdom von allen verlassen. Ein Däne aus der Nachbarbox erbarmte sich schließlich und bat den armen UK-Tropf mit aufs dänische Sofa. Mochte die britische Presse, eh nie zimperlich, auch noch so ätzen – und viele britische Kommentatoren in den sozialen Medien angesichts der Schande von Wien fordern, endlich diese „gaye Quatschveranstaltung“ für immer zu verlassen und für alle Ewigkeit zu ignorieren: Die kurze Sequenz, Sam Battle allein auf dem Sofa, gerettet von den europäischen Nachbarn, wurde zu einer der zigfach geteilten und gelikten Sequenzen des ESC 2026. Und Battle, der Verlierer, zu einem Gewinner der Herzen. Das kann man vom Gastgeber des diesjährigen ESC nicht sagen. Lesen Sie auchÖsterreich war der große Verlierer des Abends – und das lag nicht an dem „Tanzschein“ des Kandidaten Cosmo, den keiner erwerben wollte (vorletzter Platz, sogar noch eins hinter Deutschland). Es lag auch nicht an Wien, das sich wirklich alle Mühe gab, als Stadt eine gute Gastgeberin zu sein. Es lag in erster Linie an einem Moderatorenduo, an Victoria Swarovski und Michael Ostrowski, die absolut nie den richtigen Ton oder gar Worte für das fanden, was um sie herum passierte. Zu sehen war ein Paar, das roboterhaft Emotionen nur simulierte, auswendig gelernte Gags uninspiriert vortrug – und insgesamt so hölzern sein Programm abspulte, dass selbst der beste Freund der beiden, ihr Teleprompter, vor Langeweile einzuschlafen drohte. Während Ostrowski wirklich durch keinen einzigen Satz in den mehr als vier Stunden Show im Gedächtnis blieb und nur – eher unangenehm – durch seine mal lila, mal blassblauen Dschingis-Khan-Gedächtnis-Kostüme mit seltsamen Halsketten auffiel (statt des bei männlichen ESC-Moderatoren sonst bevorzugten Smokings), war es bei Swarovski umgekehrt. Passende Kleiderwahl, gute Figur, makelloses Englisch, alles okay. Hilft aber nicht, wenn jeder Satz emotionslos aus dem Mund und Gesicht fällt – in einer Temperatur, die so gar nicht zum Anlass passt. Wie schon bei ihrem Hauptjob, der RTL-Tanz-Show „Let’s Dance“, fällt es der Frau aus der österreichischen Kristalldynastie sehr schwer, glaubhaft Begeisterung oder gar Mitgefühl für ihre Umgebung (Menschen!) zu vermitteln. Geschweige denn Spontanität oder gar Lockerheit. Wie das deutlich besser geht, zeigte bei RTL am Freitag Laura Wontorra, die „Steinchen“, wie Swarowski von der großen „Let’s Dance“-Community spöttisch-kritsch genannt wird, vertrat.Dass ausgerechnet Swarovski in Einspielern als gestrenge Dozentin in einem Hörsaal vor erstarrten Studenten immer mal wieder eine Art Proseminar „70 Jahre ESC“ hielt, trug auch nicht gerade zur Belebung der Show und Verbreitung guter Stimmung bei. Der ESC-Moderatorenjob ist groß, eine Ehre, aber nicht sonderlich dankbar. Er fordert, zwischen förmlich und locker souverän zu pendeln – und all dem disparaten Wahnsinn, der sich da auf der Bühne austobt, eine angemessene Form zu geben. Die Stimmung, die in der Halle herrscht, auf all die Menschen, die vor was auch immer für Endgeräten hocken, zu übertragen. Sein Land bestens zu repräsentieren – und wie nebenbei ein wenig Werbung für es zu machen. Das ist fast noch schwerer als einst „Wetten dass…?“ unfallfrei zu überstehen. Es ist also nicht weniger als eine Kunstform für sich. Hazel Brugger, ob man sie als Comedian nun mag oder nicht, hat das im Zusammenspiel mit Michelle Hunziker im vergangenen Jahr in Basel sehr gut gemacht, Anke Engelke im Jahr nach dem Lena-Triumph 2011 zusammen mit Judith Rakers und Stefan Raab für Deutschland ebenfalls.Lesen Sie auchDa aber in Wien auch Emily Busvine, die aus den Boxen der Interpreten Stimmen und vor allem Emotionen einsammeln sollte, auch nicht viel Erinnerenswertes zustande brachte, kam von der besonderen ESC-Stimmung im Saal wenig rüber. Österreich beim ESC 2026: musikalisch vorletzter Platz. UK letzter. Beide Interpreten aber zeigten sicher nicht die schlechteste Leistung an diesem Abend.