Brände gelöscht, Kriege geführt, Ozeane durchquert: Jetzt kehrt die «Gerald R. Ford» heimAmerikas modernster Flugzeugträger kreuzte monatelang in Europa, der Karibik und im Nahen Osten. Der Rekordeinsatz trieb Schiff, Besatzung und ihre Familien ans Limit. Die Folgen werden der Navy noch lange zu schaffen machen.Julia Monn (Text), Cian Jochem (Grafik)17.05.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenDa war sie noch frisch für den Einsatz fertig gemacht: die «Ford» am 24. Juni 2025 beim Auslaufen für ihre Mission. 326 Tage später ist sie im Hafen von Norfolk angekommen.John Clark / APDie «Gerald R. Ford» ist zurück – endlich. Der amerikanische Flugzeugträger ist am Samstag in den Heimathafen in Norfolk im Staat Virginia eingelaufen. Dort hat das Schiff vor über 320 Tagen abgelegt. Eigentlich hätte es eine Routinemission in europäischen Gewässern werden sollen. Stattdessen wurde daraus der längste Einsatz eines amerikanischen Flugzeugträgers seit dem Vietnamkrieg.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Abzug der «Ford» löste auf iranischen Kanälen Jubel aus. Denn kaum ein anderes Schiff steht so sehr für amerikanische Militärmacht wie dieser Flugzeugträger.13 Milliarden Dollar teuer, 337 Meter lang und mit 25 Decks so hoch wie ein Hochhaus: Die «Gerald R. Ford» ist das grösste und teuerste Kriegsschiff der Welt. Der Flugzeugträger dient als schwimmender Flughafen und als Militärstützpunkt zugleich. Kampfjets schiessen vom Deck, beschleunigt von elektromagnetischen Katapulten. Tief im Innern liefern zwei Kernreaktoren genug Energie für Antrieb, Radar und Waffensysteme. Bis zu 90 Flugzeuge kann die «Ford» aufnehmen – darunter F-35-Kampfjets, Helikopter und Drohnen.Trotz den gewaltigen Dimensionen läuft vieles automatisiert. Deshalb ist die Crew kleiner als auf älteren amerikanischen Flugzeugträgern. Dennoch leben und arbeiten etwa 4600 Menschen an Bord.Das Symbol ist ramponiert und ein PropagandageschenkDer Dauereinsatz hat die «Ford» gezeichnet. Nach elf Monaten auf See wirkt selbst das modernste Kriegsschiff der Welt nicht mehr unverwundbar.Nicht von aussen. Denn trotz anderslautenden Berichten proiranischer Kanäle wurde keine einzige direkte Attacke auf die «Ford» gemeldet – weder während des Einsatzes vor Venezuela noch später im Konflikt mit Iran. Dabei absolvierte der Trägerverband laut dem Pentagon fast 12 000 Flugoperationen und war insgesamt mehr als 5500 Stunden im Kampfeinsatz.Sondern von innen. Denn der Stahlkoloss kämpft seit Jahren mit Toilettenproblemen. Auf der «Ford» kommt ein Vakuumsystem zum Einsatz, wie man es von Kreuzfahrtschiffen kennt. Es spart Wasser, arbeitet aber mit deutlich schmaleren Rohren. Genau das sorgt regelmässig für Probleme. Das System verstopft häufig und ist anfällig für Rost, was Lecks verursacht.Die Schwierigkeiten sind bekannt. Dokumente, die dem amerikanischen Radiosender NPR zugespielt wurden, sollen zeigen, dass bereits im ersten Monat des Rekordeinsatzes ein Dutzend Mal externe Hilfe angefordert werden musste, um verstopfte Toiletten zu reparieren. Schon zuvor war das System immer wieder kollabiert. Im März 2025 fielen Toiletten innerhalb von nur vier Tagen 205 Mal aus. Die Mutter eines Matrosen beklagte gegenüber NPR die schlechten hygienischen Bedingungen an Bord.Zeitweise erinnerte das Schiff laut dem Radiosender eher an ein schwimmendes Studentenwohnheim als an das modernste Kriegsschiff der Welt. Immer wieder mussten Techniker T-Shirts, Stoffreste oder sogar ein mehr als einen Meter langes Seil aus den Leitungen entfernen.Eine breitere Öffentlichkeit erfuhr schliesslich im Februar 2026 von den Zuständen an Bord. Damals tauchten auf Social Media mehrere Videos auf, die aus dem Innern der «Ford» stammen sollen. Zu sehen waren überlaufene Toiletten, mit Fäkalwasser geflutete Gänge und dazu die Bildunterschrift: «Join the Navy, they said . . .»Zwar stellte sich später heraus, dass die Bilder gar nicht von der «Ford» stammten. Doch nachdem sich weitere Angehörige von Seeleuten via «Wall Street Journal» über sinkende Moral und miserable sanitäre Bedingungen beklagt hatten, sah sich die Navy zu einer Stellungnahme gezwungen: Seit Beginn des Einsatzes habe das Schiff rund sechs Millionen Spülungen hinter sich, Verstopfungen seien dabei normal, erklärte die Navy am 26. Februar. Die Probleme würden rasch behoben und beeinträchtigten die Einsatzfähigkeit der «Ford» in keiner Weise.Trotz Internet und Therapiehund Sabotagepotenzial?Gleichzeitig erklärte die Navy, was sie alles dafür unternehme, dass die Moral der Mannschaft intakt bleibe. Die Internetversorgung an Bord sei ausgebaut worden, inklusive Starlink-Zugang, damit die Seeleute selbst mitten auf See mit ihren Familien in Kontakt bleiben könnten. In der Freizeit stünden «ausgewählte Streamingdienste und vertrauenswürdige Nachrichtenportale» zur Verfügung.Der Träger verfügt ausserdem über Fitnessräume und eine riesige Leinwand im Hangar, auf der Footballspiele und Kinofilme gezeigt werden. Seit 2023 gehört auch der Therapiehund Sage zur Crew der «Ford». Der Labrador soll mit seiner blossen Anwesenheit den Stresspegel an Bord senken.Für amerikanische Flugzeugträger sind das massive Verbesserungen. Früher blieb auf langen Einsätzen oft nur der Briefkontakt nach Hause, wenn überhaupt. Doch auch das Unterhaltungsprogramm änderte nichts daran, dass aus der ursprünglich auf sechs Monate angesetzten Mission längst ein Dauereinsatz geworden war – ohne klares Rückkehrdatum.Eine Rückkehr schien näher zu rücken, als am 12. März ein Feuer in der Waschküche des Flugzeugträgers ausbrach. Der Brand wütete fast dreissig Stunden, verletzte drei Seeleute und zerstörte rund hundert Kojen. Etwa 600 Seeleute mussten zum Schlafen vorübergehend auf Böden und Tische ausweichen.Dass so viele betroffen waren, liegt an den engen Verhältnissen an Bord. Die Schlafkojen werden im 24-Stunden-Betrieb geteilt: Während die einen arbeiten, schlafen die anderen. Privatsphäre gibt es kaum, persönliche Gegenstände nur wenige. Ein Teil davon sei beim Brand ebenfalls zerstört worden, berichtete ein erfahrener Seemann gegenüber NPR. Ersatz von zu Hause kam oft erst Wochen später an – wenn überhaupt. Die ständigen Verlegungen des Trägers verzögerten Paketlieferungen laut Angehörigen zusätzlich.Nach dem Brand musste sich die «Ford» nach Kreta und später in den kroatischen Hafen Split zurückziehen. Dort wurden Schäden repariert, die Mannschaft erhielt eine kurze Verschnaufpause. Gleichzeitig gingen Ermittler an Bord. Bis heute ist unklar, was den Brand ausgelöst hat – und ob womöglich Sabotage dahintersteckt. Die Untersuchungen dauern laut der Navy weiterhin an.Der Aufenthalt an der kroatischen Küste war erst der sechste Landgang der «Ford» während ihres elfmonatigen Einsatzes. Die meiste Zeit blieb der Flugzeugträger auf hoher See. Versorgungsschiffe dockten unterwegs längsseits an und hievten tonnenweise Lebensmittel und sonstigen Nachschub an Bord.Fünf Tage lang konnte sich die Mannschaft der «Ford» in Split von den Strapazen des Iran-Krieges erholen bevor es wieder zurück in die Konfliktregion ging.ImagoDie Erholung dürfte dauernNur zwei Wochen nach dem Feuer lief die «Ford» erneut ins Rote Meer aus. Ihre designierte Ablösung, die «George H. W. Bush», war noch immer nicht einsatzbereit. Ein vorzeitiger Abzug hätte die USA in der Region militärisch geschwächt. Denn von den elf amerikanischen Flugzeugträgern stehen derzeit nur fünf im Einsatz. Der Rest liegt im Hafen oder ist in der Wartung.Für viele Familien zu Hause verlängerte sich damit die Zeit, in der Arbeit, Kinder und Alltag allein bewältigt werden mussten – mit finanziellen Folgen. Gerade Familien von niedrigrangigen Seeleuten geraten durch verlängerte Einsätze unter Druck. Das Grundgehalt vieler Matrosen liegt nur zwischen 2600 und 2800 Dollar im Monat. Sind Kinder da, wird ein ungeplanter Dauereinsatz rasch zur finanziellen Belastung. Hilfsorganisationen rund um den Heimathafen Norfolk meldeten amerikanischen Medien deshalb deutlich mehr Anfragen für Lebensmittelhilfen, finanzielle Unterstützung und kostenlose Kinderbetreuung.Am 1. Mai kam dann endlich die Nachricht: Das Central Command gab bekannt, dass die «Ford» Kurs auf Norfolk nehme. Dort angekommen, wandert der Flugzeugträger nun direkt in die Werft – für geplante, aber auch ungeplante Reparaturen nach fast elf Monaten Dauereinsatz. Bereits wird spekuliert, dass er sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr nicht mehr auslaufen wird. Der Rekordeinsatz hat Wartungspläne, Ausbildung und Einsatzzyklen der gesamten Flotte durcheinandergebracht.In den USA hat die Debatte über die Folgen gerade erst begonnen. Der demokratische Senator Tim Kaine aus Virginia veröffentlichte eine Anfrage an das Pentagon. Er will wissen, wie sich die Überlastung der Flotte auf die Einsatzbereitschaft auswirkt und ob deshalb mehr Seeleute den Dienst quittieren. Eine Antwort steht bis jetzt aus.Währenddessen überschreitet mit der «Abraham Lincoln» bereits der nächste amerikanische Flugzeugträger die Marke von 200 Tagen im Einsatz. Er ist derzeit im Golf von Oman im Einsatz.Passend zum Artikel
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