Michael Olise sollte schon Übung darin haben, Trophäen entgegenzunehmen. Die Auszeichnung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) für den besten Bundesligaspieler der Saison war nur eine von mehreren in den vergangenen Wochen. Der 24 Jahre alte französische Nationalspieler vom FC Bayern blieb am Samstag gelassen oder lächelte – wie so häufig – etwas scheu in die Kamera und versuchte danach, schnell aus dem Rampenlicht zu verschwinden.Er fühlt sich auf dem Platz mit Ball am Fuß wohler. Da weiß er, was zu tun ist. Olise ist schnell, dribbelstark, kann aber auch aus dem Stand beschleunigen und Gegenspieler deshalb wie unbewegliche Säulen erscheinen lassen. Elegant und geschmeidig wie eine Wildkatze schlängelt er sich um Verteidiger oder verschafft sich durch eine geschickte Täuschung einen Vorsprung – und hat fast immer auch den Blick für seine Mitspieler.Seine schönsten Tore erzielte Olise von der Strafraumgrenze, wie jenes am vorletzten Spieltag gegen den VfL Wolfsburg, als er wie einst Arjen Robben von der rechten Seite nach innen zog und den Ball unter die Latte zirkelte. Die Mitarbeit in der Defensive macht ihm zwar sichtlich weniger Spaß, aber wenn es darauf ankommt, dann mischt er auch hinten mit, und, ja, er kann auch grätschen.42 Tore erzieltDie Bayern verpflichteten Olise im Sommer 2024 für eine Ablösesumme in Höhe von rund 50 Millionen Euro von Crystal Palace. In zwei Jahren hat sich sein Marktwert nach Informationen des Portals Transfermarkt.de fast verdreifacht. Wettbewerbsübergreifend erzielte er seitdem 42 Tore und bereitete 48 vor, jeweils mehr als die Hälfte davon in dieser Saison. „Es ist eine Teamleistung. Ohne das Team hätte ich die Trophäe nicht gewonnen“, sagte er am Samstag nach der Auszeichnung.Es war eines seiner wenigen Interviews, die er in seiner Zeit beim FC Bayern gegeben hat. Olise inszeniert sich nicht als Superstar, verzichtet auf Ausrüsterverträge ebenso wie auf persönliche Sponsoren. Eine Art Freigeist – nicht nur auf dem Platz. Posts von ihm sieht man in den sozialen Medien eher selten. Und wenn, dann stehen sie im Kontext seines Berufes.Olise will keine Marke sein, sondern als Fußballspieler glänzen. Dafür arbeitet er hart. Nicht selten legt er Extraschichten nach dem Mannschaftstraining ein und feilt auch an freien Tagen an seiner Technik und Fitness. Einmal wurde er beim Einzeltraining auf einem Fußballplatz in einem Münchner Stadtteil gesichtet, in den sich Fußballprofis des FC Bayern sonst eher nicht verirren. Ein paar seiner Kollegen hatten an diesem Tag einen Besuch auf dem Oktoberfest vorgezogen.