willkommen bei unserem Blog „Kipppunkt“. Hier werden Sie viele aktuellen Informationen und Fakten rund um das Thema Klima finden. Wir informieren über neueste Entwicklungen und Studien, erklären wissenschaftliche Erkenntnisse und Klimaphänomene.KapitelTrumps falsches Lob an den Weltklimarat Ein historischer Super El NiñoIndizien für den Golfstrom-KollapsEin Sonnenschirm fürs Klima - und danach?Klimawandel in den BergenAnalyse der Klimapläne zur COP30KlimapsychologieAusfall der WetterdatenGletscher verschwinden früherSchimmelpilz-Ausbreitung nach Norden25 kritische Vitalparameter des Patienten Erde Überdurchschnittliche Sommervorhersage und Hurrikan-PrognoseHitzewelle in Westafrika ohne Klimawandel nicht möglichCO₂-Filter und KlimaschutzEntwaldung in den Tropen: weniger, aber noch zu vielStraßen und Schienen schlecht auf Klimarisiken vorbereitetWeltmeere könnten mehr CO₂ speichern als angenommenDie Erde erwärmt sich in noch nie dagewesenem TempoTrumps falsches Lob an den Weltklimarat"Ein Glück, dass ich das los bin!" Mit dem Stoßseufzer, den Donald Trump zuletzt allen Kanälen inklusive seinem @WhiteHouse-Konot auf X abgesetzt hat, geht der US-Präsident in eine neue, etwas überraschende klimapolitische Offensive. Statt den menschengemachten Klimawandel wie bisher totzuschweigen oder geradeheraus zu leugnen, glaubt er nun, der Beweis sei wissenschaftlich erbracht, dass der Alarmismus angesichts der Klimakrise überzogen gewesen sei: "Nach 15 Jahren, in denen die Demokraten versprochen haben, der 'Klimawandel' würde den Planeten zerstören, hat jetzt das TOP Klimakomitee der Vereinten Nationen zugegeben, dass seine eigenen Projektionen (RCP8.5) FALSCH waren! FALSCH! FALSCH! FALSCH!" Allzu lange seien die Amerikaner verängstigt worden. Was Trump nicht in den Sinn kommt in seiner nicht endenden Tirade, ist die Möglichkeit, dass er damit endgültig den Weltklimarat IPCC und die ihn beratenden Forscher ungewollt reahabilitiert. Denn die Diskussion um das Worst-case-Emissionsszenario - SSP5-8.5 (die Basis für das Klimaszenario RSP8.5) - in den Klimamodellen wird seit Jahren intensiv diskutiert. Nicht, weil es von Anfang unrealistisch war, sondern weil sich die Voraussetzungen dafür in den vergangenen zwanzig Jahren realpolitisch und realökonomisch deutlich geändert haben. Kurz gesagt: Die globale Energiewende mit den gewaltigen Fortschritten bei den erneuerbaren Energiequellen haben die Kalkulationen für künftige Emissionen sukzessive gedrückt. Die IPCC-Gremien haben diese Einschätzungen in ihren jüngsten Festlegungen der möglichen Emissionesszenarien für den siebten Sachstandsbericht berücksichtigt. Die Klimamodelle werden mit dem ganzen Spektrum der möglichen Treibhausgas-Emissionen - von niederigen bis hohen Emissionen - quantitativ gefüttert. Was am Ende allerdings eben genau das nicht bedeutet: dass die verbleibenden Klimawandelolgen und Katastrophen ausbleiben. Im Gegenteil: Die jüngsten Expertendiskussionen um die Klimawirkung der CO2-Emissionen sprechen eher dafür, dass Atmosphäre, Eisschilder und Ozeane sogar etwas sensibler als erwartet auf weitere Emissionen reagieren. Was die Emissionsszenarien und das alte Worst-case-Szenario angeht, hat der US-Klimaforscher Zeke Hausfather vom Berkeley Earth Lab schon vor vier Jahren in "Nature" und noch einmal zwei Jahre später (hier) ausführlich begründet, wieso die Entwicklung inzwischen gegen ein RCP5-8-5-Szenario spricht. Kurz gesagt: Hätte die Welt klimapolitisch einen Stillstand erlebt, wie es sich Trump und die neuen Klima-Delayer wünschen, wäre es auch beim RCP8.5-Szenario geblieben. Zeke Hausfather auf der Social-Plattform X äußert sich ironisch zu Trumps Der-Klimawandel-ist-abgeblasen-Deutung: "So kann man das sicher auch sehen." Die US-Klimaforschungsszene ist nach wie vor sichtbar eingeschüchtert. Angehängt an seinen Post hat Hausfather die jüngste wissenschaftliche Veröffentlichung vom 7. April im Journal der European Geosciences Union, in der die zuständigen IPCC-Experten ihre neuen Emissionsszenarien begründen - auch eine Richtigstellung. Zitat: "Für das 21. Jahrhundert fällt die Bandbreite der Emissionen schmaler aus als früher: am oberen Ende ist das Hochemissionsszenario (SSP5-8.5) angesichts des Trends bei den Kosten für Erneuerbaren, den klimapolitischen Maßnahmen und den jüngsten Emissionstrends unplausibel gerworden." Ein historischer Super El Niño "Code Red", höchste Alarmstufe! So sprechen internationale Wetter- und Klimafachleute inzwischen über die Klimaanomalie El Niño, die sich im tropischen Pazifik aufbaut. Sowohl das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen ECMWF als auch die US-Wetterbehörde NOAA wie die australische Klima- und Wetteragentur BOM haben Vorhersagen veröffentlicht, die auf einen historischen El Niño im Laufe dieses und Anfang nächsten Jahres hindeuten. Im Laufe der kommenden Monate werden demnach mit großer Sicherheit die gewaltigen tropischen Warmwassermassen für einen "Super El Niño" sorgen, die sich derzeit mit einer "monströsen" Kelvin-Welle unter der Oberfläche des größten Ozeans von Asien her über die Galapagos-Inseln bis nach Südamerika bewegen. Die enorme Energie, die dabei an die Oberfläche und in die Atmosphäre gelangt, wird vor allem in Süd- und Nordamerika, in Afrika und in Asien in den Herbst- und Wintermonaten bis weit ins Jahr 2027 zu folgenschweren Änderungen der Luftzirkulation und der Niederschlagsmuster führen. Europa ist in der Regel weniger stark betoffen, allerdings wird auch eine massive Verschiebung der hochatmosphärischen Strömungen (Jet Streams) vermutet. Sie dürften das Wetter zumindest in Teilen Europas beeinflussen. Vor allem aber ist spätestens 2027 mit einer globalen Rekorderwärmung zu rechnen.Die jüngsten Modellrechnungen haben fast alle Zweifel über die Folgen der sich ungewöhnlich schnell ausbreitenden Kelvin-Welle im Zentralpazifik zerstreut. Der mittlere Temperaturanstieg in diesem Bereich (Niño3.4) gilt als entscheidender Indikator für die El-Niño-Ausprägung. Das Warmwasserphänomen El Niño ist nicht ungewöhnlich, alle paar Jahre macht es sich wettertechnisch, oft auch im Wechsel mit der entgegengesetzten Kälteanomalie - La Niña - spätestens zur Weihnachtszeit bemerkbar. Beide Phänomene, die Wettersysteme werden unter dem meteorologischen Begriff ENSO ( El Niño Southern Oscillation) zusammengefasst. Super El Niños werden inzwischen alle zehn Jahre erwartet. Der jüngste Super El Niño trat 2016/17 auf, davor sorgte der El Niño 1997/98 für globale Rekordtemperaturen und extreme Dürren, ebenso wie für folgenschwere Überflutungen. Die globale Erwärmung hat bereits für eine generelle Beschleunigung der ENSO-Zyklen gesorgt. Außerdem gibt es Hinweise, dass extrem starke El Niños die Wettermuster nachhaltig verändern können.Ob der Klimawandel den aufziehenden Super El Niño 2026/27 verstärkt, ist noch nicht geklärt. Die ersten Messwerte, die auf eine neue Wärmeanomalie hindeuteten, wurden im Januar diesen Jahres gemessen. Im April hat auch der Deutsche Wetterdienst "einen ungewöhnlich starken El Niño" prognostiziert (Wtter und Klima - Deutscher Wetterdienst - Thema des Tages - Hinweise auf ungewöhnlich starken El-Niño im Laufe des Jahres)Nach Auswertung der jüngsten Daten und Ensemble-Modellierungen scheint es fast unausweichlich, dass sich die Anomalie zu einem der stärksten El Niños seit mindestens 155 Jahren entwickelt. Bereits im Sommer dürfte in der Nino3.4-Region die Schwelle von +2,0 Grad hin zu einem Super El Niño überschritten werden. In einigen Modellläufen wurden Anomaliespitzen von deutlich über 3 Grad, in Einzelfällen von mehr als 4 Grad erreicht. Die Temperaturanstiege in diesem Jahr übertreffen jedenfalls, was die Geschwindigkeit der Entststehung angeht, die schon extrem starken El Niños der Jahre 2015 und 1997. Als starker Hinweis für eine ungewöhnliche Intensivierung lassen sich auch die bisherigen Modellergebnisse deuten. Bis jetzt jedenfalls musste jede der bisher veröffentlichten Prognosen für dieses Jahr nach oben korrigiert werden.Indizien für den Golfstrom-KollapsAn Indizien für eine Abschwächung und einen möglichen Kollaps des Golfstroms im Zuge des Klimawandels fehlt es inzwischen nicht mehr. Soeben sind zwei Studien dazu erschienen: In „Science Advances“ ist eine Messreihe ausgewertet und publiziert worden, die das Zeug hat, die Befürchtungen über eine „The-Day-After-Tomorrow“-Zukunft weiter zu nähren. US-Forscher der University of Miami veröffentlichten mit kanadischen Kollegen die Aufzeichnungen mit tiefreichenden Bojensensoren an vier Stellen des Westatlantiks. Fazit: Der Wasserdruck in der Tiefe, der Auskunft über die nach Norden transportierten Wassermassen liefert, zeigt über einen Zeitraum von etwa zwanzig Jahren eine klaren Trend in Richtung Abschwächung. Mit anderen Worten: Das globale Förderband AMOC, das gerne auch als ein Teil der Heizung Europas beschrieben wird, weil es dauernd riesige Energiemengen aus dem Golf von Mexiko nach West- und Zentraleuropa transportiert, schwächelt schon jetzt sicht- und messbar – nicht erst in der fernen Zukunft, wie solche Kippelemente des Weltklimas politisch oft diskutiert werden. AMOC-Experte Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) bezeichnet die Messanlagen vor der nordamerikanischen Ostküste deshalb als „Kanarienvogel in der Mine“ – ideal, um die weitere Entwicklung der Golfstrom- und Nordatlantikströmung zu überwachen.Schon in den nächsten Jahrzehnten dürften gravierende Folgen der AMOC-Abschwächung infolge der Erderwärmung sichtbar werden, nicht zuletzt eine weitere Beschleunigung der globalen Erwärmung. Während in Europa und der Arktis eine geringere Wärmezufuhr erwartet wird – das „Eiszeit“-Szenario im Kino-Blockbuster von Roland Emmerich – hat der Planet insgesamt viel umfassendere Konsequenzen zu tragen. Der globale Kohlenstoffkreislauf ist eine dieser „Stellschrauben“. PIK-Direktor Johan Rockström hat zusammen mit Kollegen der Goethe-Universität in Frankfurt das Erdsystem-Modell „Climber-X“ mit unterschiedlichen Zukunftsszenarien gefüttert – und in der Analyse in „Communications, Earth & Environment“ zu ermitteln versucht, wie sich die Kohlendioxidquellen und -senken sich bei einer Abschwächung des AMOC verhalten. Ergebnis: Gelangt so viel Süßwasser durch die polare Eisschmelze in den Nordatlantik, dass Golf- und Nordatlantikstrom kollabieren und es zu einem Zusammenbruch des globalen ozeanischen Förderbands kommt, gelangen 47 bis 83 ppm klimaschädliches Kohlendioxid zusätzlich in die Atmosphäre. Der Klimawandel wird also angeheizt. Allerdings global gesehen „lediglich“ um 0,2 Grad. Viel drastischer und begreiflicher wird einem dieser Vorgang vor Augen geführt, wenn man nicht den Durschnittswert, sondern die beiden klimatischen Extremausschläge betrachtet: In der Arktis kommt es demnach nach dem Kollaps zu einer abrupten mittleren Abkühlung der Jahrestemperatur um sieben Grad. In der Antarktis rund um den Südpol dagegen wird soviel Treibhausgas in die Luft freigesetzt, dass sich dort die Temperaturen um sechs Grad im Schnitt erhöhen. Ein Sonnenschirm fürs Klima - und danach?Es ist das Drehbuch der Möglichkeiten, die nach einem globalen Klimanotstand bleiben: Ein internationales Forscherteam hat fünf klimapolitische Szenarien für eine gezielte Abkühlung der Erdatmosphäre mittels „solarem Schutzschirm“ entworfen. Tatsächlich sind die Erdsystemmodelle in dieser Hinsicht bisher blank. Zwar wird öffentlich seit einigen Jahren immer wieder über „Plan B“ diskutiert – den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass das Abbremsen des Klimawandels misslingt, weil Klimaziele und -maßnahmen zu langsam greifen, und deshalb entsprechende Notfallmaßnahmen zur Stabilisierung des Erdklimas eingeleitet würden. Erster Kandidat für ein solches Geoengineering und breit diskutiert ist das solare Strahlenmanagement (CDR). Es sieht vor, dass reflektierende (möglicherweise schwefelhaltige) Partikeln großflächig in die Atmosphäre eingebracht werden, die einen Teil der einfallenden Sonnenstrahlung ins All zurückwerfen und damit für kühlere Luftschichten darunter sorgen. Bisher gibt es dazu Konzepte, auch schon Start-ups. Allerdings ist bislang weder klar, wer befugt sein soll, eine solche Maßnahme anzuordnen oder wer es bezahlt, noch sind die vielen möglichen Folgen dieses Eingriffs modelliert worden. In einem Preprint bei „EGUsphere“ haben nun Benjamin Sanderson vom internationalen Klimawandelzentrum Cicero in Oslo und zahlreiche europäische Kollegen erstmals fünf mögliche „Solar Radiation Modification Pathways“ präsentiert, die in den Klimamodellen künftig mitberücksichtigt werden können. Darin sind einige sozioökonomische und politische Reaktionen beschrieben, die freilich auch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sind. Klar scheint bisher nur so viel: Funktioniert die Installation eines solchen Schutzschirms in der oberen Atmosphäre, würden sich die Temperaturen – inklusive der Wetterextreme – innerhalb kürzester Zeit ändern (unter anderem „Termination Shock“)und insbesondere die natürlichen Ökosysteme extrem unter Stress gesetzt. Die Folgen könnten jahre- oder jahrzehntelang zu spüren sein. Ob unter den in dem Paper beschriebenen Klimapfaden tatsächlich von einem erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel gesprochen werden könnte, lassen die Wissenschaftler offen. Sie nehmen für sich vor allem in Anspruch, einige klimapolitische Lücken aufzuzeigen. Bis heute werden nämlich unter dem Stichwort Geoengineering und Strahlenmanagement lediglich die „Best Cases“ durchgespielt – die unbewiesene Annahme, dass man so ohne schwerwiegende globale Folgen die Kontrolle über das Weltklima wieder gewinnen könnte. Klimawandel in den BergenIn den Bergen ist der globale Klimawandel noch stärker ausgeprägt als im Tiefland, und er „hat sich auch stärker beschleunigt als vorhergesagt“. Das ist das Ergebnis einer Bestandsaufnahme der Wetterdaten zwischen 1980 und 2020, die soeben in „Nature Reviews Earth & Environment“ veröffentlicht worden ist. Die Gruppe um Nick Pepin von der University of Portsmouth hat eine schon vor zehn Jahren publizierte Studie ergänzt, in der sie bereits den Nachweis erbrachte, dass es sich in den Gebirgen umso schneller erwärmt, je höher man steigt. Trotz erheblicher Datenlücken in zahlreichen Gebirgsregionen der Welt haben die Wissenschaftler nun versucht, die meteorologischen Trends mithilfe der vorliegenden Wetterstations- und Satellitenmessungen zu ermitteln. Besonders genau hingesehen hat man im Himalaja-Gebirge, den Alpen, den Anden und den Rocky Mountains. Ihr Fazit: Die Temperaturanstiege in allen alpinen Regionen sind – von regionalen Besonderheiten abgesehen – ähnlich. Was zeigt, dass die globale Erwärmung jeden Winkel, auch die höchstgelegenen, längst erreicht hat. Im globalen Mittel erwärmen sich die Gebirge um 0,21 Grad pro Jahrhundert schneller als die Tieflandgebiete, die sie umgeben. Und, durchaus erwartbar: Die Niederschläge ändern sich sehr deutlich – von Schneefall zu mehr Regen. Häufiger als noch vor vierzig Jahren würde das auch zu Extremregenfällen führen, die gefährlich große Wassermengen in die Täler entlassen. In Pakistan waren jüngst rund tausend Bergbewohner von ungewöhnlich starken Fluten getötet worden. Auf der anderen Seite kommt es offenbar immer ausgeprägter auch zu einer Art „Gebirgsdürre“ – die geringeren Schneemengen und schwindenden Gletscher sorgen dafür, dass die Wasserreservoire in höheren Regionen schrumpfen. Eine Milliarde Menschen, die sich weltweit vom abfließenden Wasser aus den Bergen mit Trinkwasser versorgen, seien unmittelbar von diesen Veränderungen betroffen. Analyse der Klimapläne zur COP30René NagelDie in Belém verhandelten Nationalen Klimapläne der Länder (NDC) sind mit Blick auf eine CO₂-freundlichere Landnutzung mangelhaft. Zu diesem Ergebnis kommt der am Donnerstag erschienene „Land Gap 2025“. In dem Bericht bewertete ein internationales Team aus Wissenschaftlern und Experten alle Klimapläne, die die Vertragsstaaten zur gerade stattfindenden COP30-Konferenz bis Ende Oktober eingereicht hatten. Im Zentrum stehen dabei die jeweiligen Bestrebungen für eine bessere Emissionsbilanz durch natürlichen Klimaschutz, sprich: die Länder wollen sich damit Begrünungsmaßnahmen im weitesten Sinne anrechnen lassen. Insgesamt haben weniger als 40 Prozent der Länder, die dem Pariser Klimaabkommen zugestimmt hatten, überhaupt erst neue,Natzionale Klimapläne eingereicht. Für Kate Dooley, Umweltwissenschaftlerin und Hauptautorin des Berichts, sei dies äußerst enttäuschend. Das zeige, dass die Länder nicht ambitioniert genug seien, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. An den eingereichten Plänen übt der Bericht scharfe Kritik. Besonders an den angekündigten Maßnahmen gegen den weltweiten Waldschwund. Diese seien bei Weitem nicht ausreichend.Es fehle an Maßnahmen, die jährlich 20 Millionen Hektar Verlustfläche kompensieren – herbeigeführt durch Rodungen, Zerstückelung von Waldflächen und Baumsterben. Die sogenannte Waldlücke benennt den Unterschied jedes Landes zwischen den gesetzten Zielen und den tatsächlichen Politik-Maßnahmen, die das Ziel haben, den Rückgang des Waldes zu stoppen. Weltweit gesehen geht demnach bis 2030 jedes Jahr eine Fläche verloren, die knapp zehnmal so groß ist wie Hessen.Anstelle konkreter Anstrengungen, die Lücke zu schließen, verlassen sich die Länder vermehrt auf Verpflichtungserklärungen. Dabei geht es um Landflächen, die künftig zur Verfügung gestellt - meistens aufgeforstet - werden sollen, um Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre zu entfernen. In der Summe belaufen sich die für den Klimaschutz vorgesehenen Landabschnitte auf eine Milliarde Hektar– eine Fläche größer als China. Abgesehen davon, dass die Umsetzung Jahrzehnte dauere und solche Zusagen die Problematik lediglich verschöben, seien Flächen in dieser Größenordnung nicht realisierbar, so die Forscher.Den Kern des Problems sieht der Bericht auf einer tieferen Ebene: Das globale System spiele wirtschaftliche Entwicklungen und Naturschutz gegeneinander aus. „Viele Länder werden aufgrund ihrer hohen Staatsverschuldung und einer globalen industriefreundlichen Politik praktisch dazu gezwungen, Wälder auszubeuten, um einen Zusammenbruch ihrer eigenen Wirtschaft zu verhindern“, sagt Dooley.Der Bericht skizziert für diesen grundlegenden Konflikt eine Reihe von Lösungen in Form von Steuer- und Handelsreformen. Dazu wird mehr finanzielle Transparenz eingefordert sowie mehr internationale Zusammenarbeit in der Steuerpolitik und eine wirtschaftliche Entwicklung auf Basis von Nahrungsmittelversorgung und Naturschutz.KlimapsychologieRené NagelWie bewegt man Menschen zu mehr Klimaschutz? Britische Psychologen wollten dieser Frage, die viele Klimaaktivisten, aber auch Politiker bewegt, mit psychologischen Experimenten am Computer genauer auf den Grund gehen. In „Communications Psychology“ präsentieren sie zwei Ansätze, die sie für besonders effektiv halten: Zum einen lohne es sich, die eigene, psychologische Distanz zum Thema zu reduzieren. Also das noch immer weit verbreitete Gefühl, dass der Klimawandel nicht die eigene Person betrifft. Zum anderen könne aber auch eine systemische Rechtfertigung motivierend sein. Dieser Ansatz ist mit dem Gedanken verbunden, dass der bisher eingeschlagene Weg der richtige sei. Die Psychologen befragten in einer als "Pro-Environmental Effort Task" virtuelle Aufgabe jeweils mehrere hundert Erwachsene aus insgesamt sechs Ländern: Bulgarien, Griechenland, Nigeria, Schweden, aus den USA sowie UK. Nach einem Eingangstest, bei dem die Probanden über ihre Haltung zum Klimawandel befragt wurden, mussten sie eine Wahl treffen: Sie sollten aktiv werden, um entweder Geld gegen den Klimawandel zu sammeln oder gegen den weltweiten Hunger – einem allgemein akzeptierten Problem. Dann ging es darum herauszufinden, was sie dazu bewegt, (virtuell) für den Klimaschutz aktiv zu werden. Am effektivsten erwiesen sich Interventionen in Form von Texten und Bildern - und zwar dann, wenn der Klimaschutz als etwas Patriotisches dargestellt wurde und der Klimawandel als akute Bedrohung auf die eigene Lebensart "verkauft" wurde. Auch Präsentationen, in denen der Klimawandel als eine unmittelbare, lokale Gefahr behandelt wurde, wirkten. Die Probanden sollten daraufhin reflektieren und mitteilen, wie er ihr Leben beeinflusst. Am wenigsten effektiv dagegen waren Appelle im Namen des wissenschaftlichen Konsenses oder auch Briefe an künftige Verwandte, die die Probanden selbst verfassen sollten. Darin sollten sie über ihren Beitrag zum Klimaschutz berichten und dazu schreiben, wie man sich an sie erinnern soll. Diese beiden Interventionen trugen nur wenig dazu bei, die Zurückhaltung im Klimaschutz zu überwinden. Ausfall der WetterdatenMehr ladenTickarooLive Blog Software