Zack Polanski und die britischen Grünen gehören zu den Gewinnern der Kommunalwahlen. Warum sind die Reaktionen in Deutschland darauf so verhalten?

J üdisch, schwul, bekennender Veganer und mit einer auffälligen Zahnlücke ausgestattet: Der britische Grünen-Parteichef Zack Polanski wirkt wie ein unwahrscheinlicher Wahlsieger. Doch er und seine Partei, die Grünen, sind die großen Gewinner der jüngsten Kommunal- und Regionalwahlen in Großbritannien. Während fast alle anderen Parteien im Vergleich zur letzten Kommunalwahl-Runde vor einem Jahr an Stimmen verloren, haben die Grünen um sieben Prozent zugelegt und sich damit fast verdoppelt.

Der größte Wahlgewinner sind zwar die Rechtspopulisten von Reform UK: Sie konnten landesweit eine Rekordzahl von über 1.300 neuen Sitzen in Stadt- und Gemeinderäten erobern, während die regierende Labour-Partei nahezu die gleiche Anzahl verlor. Auf der anderen Seite machten Labour aber die Grünen erfolgreich von links Konkurrenz.

Das klassische Zweiparteiensystem in Großbritannien scheint am Ende. Zwar benachteiligt das britische Mehrheitswahlrecht mit seinem The-winner-takes-it-all-Prinzip traditionell die kleineren Parteien. Aber wie überall in Europa, werden inzwischen auch in Großbritannien die etablierten Parteien zwischen den linken und rechten Polen zerrieben. Denn neben Labour haben auch die Konservativen wieder ein Debakel erlitten.