An diesem Wochenende hat das Standesamt in Warschau erstmals eine Urkunde über eine im EU-Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehe übertragen. „Wie ich angekündigt habe, ohne Verzögerung, sofort“, sagte der Warschauer Bürgermeister Rafał Trzaskowski. Für Polens Lesben und Schwule ist das ein Fortschritt, allerdings kein Mauerfall. Und nicht wenige von ihnen sind sogar sauer auf Trzaskowski. Denn er setzte erst jetzt um, was der Europäische Gerichtshof (EuGH) schon im November 2025 entschieden hatte: In einem EU-Land geschlossene Ehen müssen EU-weit gelten.Geklagt hatten zwei polnische Männer, die 2018 in Deutschland geheiratet hatten und nach ihrer Rückkehr nach Polen einen Antrag auf Eintragung ihrer Ehe stellten. Die Behörden lehnten das mit der Begründung ab, dass es in Polen keine gleichgeschlechtliche Ehe gibt.Gebrochenes WahlversprechenAls Warschauer Stadtpräsident, wie Bürgermeister in Polen heißen, zeigt sich Trzaskowski jedoch stets offen für die Belange von Minderheiten, ist Schirmherr der jährlichen Pride-Paraden und nimmt an deren Spitze teil. Seine Partei, die von Ministerpräsident Donald Tusk geführte Bürgerkoalition, versprach im Wahlkampf 2023, die „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ als einen von 100 Punkten in den ersten hundert Tagen ihrer Regierung umzusetzen. Das scheiterte, weil sich unter den Regierungsparteien selbst keine Mehrheit dafür fand. Vor den polnischen Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr versprach dann Trzaskowski, dass mit ihm die eingetragene Partnerschaft „so schnell wie möglich“ kommen werde.Doch der 54 Jahre alte Politiker verlor die Wahl – zum zweiten Mal nach 2020. Dazu trug ein Ereignis bei, das bis heute vielen Polen in Erinnerung ist. In einer TV-Debatte im Wahlkampf stellte Trzaskowskis Konkurrent, der nationalkonservative Karol Nawrocki, demonstrativ eine polnische Flagge vor sich und eine Regenbogenfahne vor Trzaskowski auf. Der ließ die bunte Fahne verschämt unter seinem Pult verschwinden – offensichtlich aus Angst, im konservativen Lager Stimmen zu verlieren.Homophobe Angstmacherei verliert an KraftTatsächlich verlor er damit bis dahin treue Anhänger, was ihn mutmaßlich den Wahlsieg kostete. Dabei lehnt Umfragen zufolge nur ein Drittel der Polen die gleichgeschlechtliche Ehe ab. Auf Homophobie basierende Angstmacherei verliert an Kraft. Doch statt eine automatische Umsetzung des EuGH-Urteils zu ermöglichen, lässt Trzaskowski in Warschau gleichgeschlechtliche Ehen nur auf Antrag umschreiben. Aktivisten werfen ihm „Pinkwashing“ vor, also sich verbal als Unterstützer zu geben, aber nicht danach zu handeln.Der Kritisierte verteidigte sich, „keinen Ermessensspielraum“ zu besitzen, weil eine Verordnung zur automatischen Übertragung dieser Ehen noch fehle. Regierungschef Tusk versichert jedoch, eine solche zu erlassen. Zudem sind technische Hürden zu überwinden: In der digitalen polnischen Verwaltung meldet das System „Fehler“, wenn in der Eheurkunde unter „Frau“ ein männlicher Name eingetragen wird und umgekehrt. Das sollte zu beheben sein, doch Trzaskowskis Image ist angekratzt. Bis 2029 ist der verheiratete Katholik und Vater zweier Kinder noch als Bürgermeister seiner Heimatstadt gewählt. Für höhere, landesweite Ämter aber wird der erst 54 Jahre alte Mann momentan nicht mehr gehandelt.
Polen: Trzaskowski wegen Homo-Ehe in der Kritik
Der Warschauer Bürgermeister erwies sich oft als Unterstützer der Belange von Lesben und Schwulen. Eine Entscheidung des EuGH zur Homo-Ehe setzte er jetzt aber nur zögerlich um.












