Eine große Brauerei mit Hauptsitz in Frankfurt-Sachsenhausen ist seit drei Jahren der „offizielle Bierpartner“ von Eintracht Frankfurt. Deren Erzeugnis gehört seit Ewigkeiten zur Grundversorgung vieler Heimfans, ungewöhnlich war am Samstag aber, dass die grünen Kisten in die Gästekabine geschleppt werden. Doch beim VfB Stuttgart war nach dem letzten Bundesligaspiel (2:2) und dem damit verbundenen Einzug in die Champions League der Durst groß. Zumal Trainer Sebastian Hoeneß nicht die geringste Neigung verspürte, die Feier zu regulieren. Bloß, weil nächsten Samstag noch das DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern wartet? „Wer bin ich“, fragte Hoeneß, 44, rhetorisch, „dass ich die Jungs jetzt nicht feiern lasse? Sie dürfen machen, was sie wollen. Champions League ist was ganz Besonderes. Alle Leinen los.“Sein diesmal nicht glänzendes, aber hochkonzentriertes Ensemble hatte durch einen Kopfball von Chema (10.) und den von Deniz Undav glänzend bedienten Nikolas Nartey (45.+4) früh die Hausaufgaben abgearbeitet. Als sich herumgesprochen hatte, dass wegen der sich abzeichnenden Niederlage der TSG Hoffenheim in Gladbach (0:4) selbst eine eigene Niederlage den vierten Platz nicht mehr gefährden würde, glich Jonathan Burkardt zwar mit zwei Elfmetern (72. und 90.+2) noch aus, was bei den Schwaben aber niemanden ernsthaft störte. Hoeneß lobte seine Mannschaft, die es trotz des „mit Abstand schwersten Restprogramms“ wieder geschafft habe, „noch mal einen draufzusetzen“.MeinungPlatz vier in der Bundesliga:Der Wettbewerb um einen wettbewerbsverzerrenden PlatzMeisterschaftszweiter 2024, DFB-Pokalsieger 2025, Champions-League-Qualifikation und DFB-Pokalfinale 2026: Besser geht es für einen ambitionierten Traditionsverein kaum, der bei Amtsübernahme des Trainers Hoeneß im April 2023 noch Tabellenletzter war. Nach den Relegationsspielen gegen den Hamburger SV vor drei Jahren will die Erfolgsstory mit dem roten Brustring einfach nicht enden. „Diesen Hunger müssen wir uns fürs Endspiel in Berlin unbedingt behalten“, merkte der VfB-Coach noch mit Blick aufs Pokalfinale an.Sportvorstand Fabian Wohlgemuth wirkte nur äußerlich zurückhaltender. „Die Superlative gehen nicht aus“, erklärte er mit breitem Grinsen. Die zweite Zulassung binnen drei Jahren für die größte Geldvermehrungsmaschinerie im Klubfußball sei ein Glücksfall: „Sportlich und wirtschaftlich ergeben sich andere Möglichkeiten. Wir können ein paar Entwicklungsthemen beschleunigen.“ Es wird gerade für Wohlgemuth, 47, zur Herausforderung werden, nun nicht jedem Gehaltswunsch in Bad Cannstatt gleich nachzukommen.Nikolas Nartey erzielte das zwischenzeitliche 2:0 für den VfB. Kirill Kudryavtsev/AFPManager und Trainer machten aber gerne darauf aufmerksam, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann als Augenzeuge gesehen haben müsste, was die schwäbischen WM-Kandidaten unter Druck leisten können. Während sich Hoeneß durch die „VfB-Brille“ einfach einen „großen Block“ wünschte („jeder sieht, dass die Jungs in Form sind“), hielt Wohlgemuth explizit ein Plädoyer für die Nominierung von Außenspieler Chris Führich („ein Spielertyp, den es nicht so oft gibt“) und Torwart Alexander Nübel („gehört zu den Toptorhütern in der Bundesliga“).Die Eintracht aus Frankfurt lieferte dagegen ein fast schon peinliches Kontrastprogramm, was jenseits der Tagesaktualität durchaus auch als Mahnung an den VfB verstanden werden kann. Beide Klubs verbindet aktuell ja einiges, beide Traditionsklubs haben zuletzt mit vergleichbarer Personalpolitik wieder den Anschluss nach ganz oben geschafft. Eine Entwicklung, die, wie die uneinige Eintracht zeigt, aber kein Automatismus ist: Der Klub wirkt gerade zerrissen auf allen Ebenen. Der Klub verpasst auf Rang acht zum ersten Mal seit 2020/21 wieder das internationale Geschäft. Die explosive Gemengelage entlud sich fast mit Ansage. Die Ultras begannen ihre Machtdemonstration mit einem Spruchband gegen die verrutschte Vereinspolitik („Für keinen Spieler, für keinen Trainer, für keinen Funktionär – nur für unsere Stadt und unseren Verein“). Danach zischten Raketen unters Faltdach, explodierten Böller und brannten Bengalos, sodass Schiedsrichter Tobias Welz bei seinem letzten Einsatz erst mit sechs Minuten Verzögerung anpfiff.Der ungehemmte Einsatz von Pyrotechnik fast bis Spielende sorgte für zwei Verletzte im Heimbereich. Noch am frühen Abend versandte die Eintracht ein Statement von Vorstand Philipp Reschke, der die Auswüchse in der Nordwestkurve rügte: „Diese Aktion ist ein Wahnsinn, nicht nachzuvollziehen und vollkommen inakzeptabel.“ Die Szenen erinnerten an den bei der Eintracht bis heute als „Abstieg der Schande“ titulierten Absturz vor 15 Jahren, als die Anhängerschaft sich beim Gang in Liga zwei als „Randalemeister“ feierte. Reschke setzte das Chaos auf den Rängen schwer zu: „Wir reden vom Herz der Kurve, und dann werden die eigenen Leute dort in allergrößte Gefahr gebracht. Das ist irre. Das geht zu weit.“Mit Trainer Riera wird es demnächst zur Trennung kommenUnd wenn Grenzen überschritten werden, dann gleich überall: Auch Trainer Albert Riera bekam den Unmut zu spüren. Zu den gellenden Pfiffen gegen seine Person gesellte sich später noch ein spöttisches Plakat. „Nada de gracias, Alberto“, hieß es darauf in der Muttersprache des Spaniers: „Nichts zu danken, Alberto.“ Darauf angesprochen reagierte Riera, 44, erstaunlich gelassen: „Wenn man nicht gewinnt, ist man nicht gut genug. Und das ist mein Beruf. Ich akzeptiere die Kritik.“Seine Demission ist längst beschlossene Sache. Im Flüsterton deutete Sportvorstand Markus Krösche an, dass es demnächst zur Trennung kommen wird. „Wir werden wir uns in den nächsten Tagen sicherlich Gedanken machen, wie wir in der Zukunft weitermachen.“ Nicht mit dem erst vor dreieinhalb Monaten aus Slowenien geholten Exzentriker, so viel steht fest. Zu schlecht die Leistungen, zu konfliktreich die Kommunikation. Wobei Riera noch einen Rat geben wollte: „Ein Verein besteht aus vielen Menschen, und jeder muss Verantwortung tragen.“ Das Wort zum Sonntag nach einem Saisonende, dass sich in Frankfurt wie ein gewaltiger Kater nach übermäßigem Alkoholkonsum anfühlte.