An einem Tag mit Trauerrand erlaubte sich Frank Schmidt trotzdem eine fröhliche Bemerkung. „Schön war's“, sagte der Trainer des eben aus der Fußball-Bundesliga abgestiegenen 1. FC Heidenheim beim Blick zurück auf drei erstklassige Jahre des kleinsten Klubs in der deutschen Eliteklasse.Dass die seit Jahr und Tag in den Diensten dieses speziellen Vereins tätigen Vormänner des 1. FCH auch im schmerzlichsten Moment ihres dreijährigen Bestrebens, mit den Ligabesten nach besten Kräften mithalten zu können, selbstbewusst und stilsicher blieben, verkörperte am Samstag auch der Vorstandsvorsitzende Holger Sanwald, der nach der Abenteuerreise erster Klasse voller Stolz sagte: „Wir gehen erhobenen Hauptes.“Passend zu diesen Sätzen applaudierten die Fans ihrer Mannschaft, die sich noch einmal mit einer Stadionrunde von ihren treuen Anhängern verabschiedete. Dabei schritten die Spieler durch ein Spalier des applaudierenden Gegners am letzten Spieltag der Saison. Auch die Profis des 1. FSV Mainz 05, die ihren abschließenden Saisonauftritt auf dem Heidenheimer Schlossberg 2:0 durch die Treffer von Phillip Tietz (7. Minute) und Nadiem Amiri (43.) verdientermaßen gewonnen hatten, klatschten in die Hände ob eines Gegners, der allen, die beim Heidenheimer Schlussakkord dabei waren, noch einmal höchsten Respekt abnötigte.Stand Spalier: Die Mainzer Mannschaft applaudiert dem 1. FC Heidenheim.dpaWar das nun ein Trauertag oder doch eher ein Feiertag? Am Ende überwog schon die Enttäuschung beim Tabellenvorletzten, nach einer wochenlangen Aufholjagd mit zwölf Punkten aus sieben Spielen das vor ein paar Monaten schon fast aus den Augen verlorene Ziel Klassenverbleib letztlich verfehlt zu haben. Platz 17 und 26 Punkte waren zu wenig, um das greifbar nahe Wunder über die Relegation noch schaffen zu können.Sanwald über Schmidt: „Schließe nicht aus, dass er bleiben wird“Was fürs Erste folgt, ist eine betriebsinterne Inventur, nach der möglichst schnell mit den verbleibenden und neuen Profis eine Zweitliga-Mannschaft gebildet werden soll. Frank Schmidt, seit fast neunzehn Jahren der unumstrittene Cheftrainer des 1. FCH, wird auch in seinem letzten Vertragsjahr alles tun, um den nächsten Kampf mit dem Ziel Wiederaufstieg gewinnen zu können.Er hat unter anderem in einem Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ gesagt, dass die bevorstehende Saison seine „mutmaßlich“ letzte in Heidenheim sei. Aus der Vorbehaltsklausel „mutmaßlich“ leitete Schmidts Chef Sanwald am Samstag diese Folgerung ab: „Ich schließe nicht aus, dass er bleiben wird, solange er ‚mutmaßlich‘ sagt. Ich würde es mir wünschen, dass er bleibt. Es liegt aber an ihm.“„Abstiege können auch ein Teil der Entwicklung sein“, sagt Heidenheims Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald.dpaFürs Erste aber zählt für Schmidt und Sanwald die nahe Zukunft in der zweiten Liga. Auch deshalb soll schnell geklärt sein, welche Spieler bleiben wollen, gehen sollen oder ob einer Ausstiegsklausel gehen können. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagte Sanwald und fügte hinzu: „Wir wollen so viele Leistungsträger behalten wie möglich.“Der Heidenheimer Vorstandschef machte keinen Hehl daraus, dass in Sachen Personalmanagement zwischen der ersten und zweiten Bundesliga „der SC Freiburg unser Vorbild“ ist. Die Südbadener, die sich am Samstag für die kommende Conference-League-Saison qualifizierten und am Mittwoch ihren größten Vereinserfolg im Europa-League-Finale gegen Aston Villa bejubeln können, sind seit der Saison 2016/17 nicht mehr aus der ersten Bundesliga abgestiegen – was ihnen in den bewegten Jahren davor fünfmal widerfuhr. Im Jahr danach sind sie jeweils prompt wieder aufgestiegen.Davon träumen sie derzeit auch in Heidenheim, wohl wissend, wie stark und ausgeglichen die zweite Bundesliga besetzt ist. Optimistisch wie er ist, sagt Sanwald, der mit einem Gesamtetat von 40 statt zuvor 80 Millionen Euro die nächste Spielzeit plant, dass „Abstiege auch ein Teil der Entwicklung sein können. Deshalb war auch die Rückrunde dieser Spielzeit mit den vielen guten Spielen zum Schluss für uns extrem wichtig in dem Bewusstsein, dass wir auf einem guten Fundament aufbauen können.“Auf dieser Basis, glaubt er, „kann was funktionieren. Es ist klar, wer Trainer ist; es ist klar, dass der Verein funktioniert und ambitioniert ist; es ist auch klar, dass wir in der nächsten Saison angreifen werden. Ich sehe es als Vorteil, dass wir die zweite Liga – 2014/15 bis 2022/23 – sehr gut kennen.“ Mit anderen Worten: Mit den Heidenheimern ist auch in der nächsten Saison zu rechnen – dann aber mutmaßlich beim Kampf um die Aufstiegsplätze.