Darina Yotova startete ihre Karriere mit bulgarischer Folklore-Musik. Inzwischen ist sie in ihrer Heimat ein Pop-Star. Mit ihrem rohen Tanz-Track «Bangaranga» will sie innere Dämonen austreiben.17.05.2026, 09.05 Uhr3 Leseminuten«Wir wollten einen Song, der die Leute körperlich trifft, bevor er sie intellektuell erreicht»: Dara am Samstagabend beim ESC-Finale in Wien.Hannibal Hanschke / EPADie bulgarische Pop-Diva Dara hat für ihr Land den ersten Sieg in der Geschichte des Eurovision Song Contest geholt. «Bangaranga», ein heftiger Party-Track mit Elementen aus Pop- und Balkan-Beats, war schon vor dem Finale ein vieldiskutierter Beitrag des diesjährigen ESC. Trotzdem war Dara bis zuletzt nicht als Favoritin gehandelt worden. Bis kurz vor Schluss hatten die Hochrechnungen das finnische Duo mit dem Sänger Pete Parkkonen und der Geigerin Linda Lampenius auf dem ersten Platz gesehen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Abend des grossen Finales wurde Dara überraschend zum Liebling sowohl der Jury (204 Punkte) als auch des Publikums (312) und erzielte 516 Punkte. Auf Platz zwei landete Israels Noam Bettan mit 343 Punkten. Platz drei belegte Rumänien mit Alexandra Căpitănescus umstrittenem düster-erotischem Song «Choke Me». Die Schweizer Anwärterin Veronica Fusaro war bereits im Halbfinale gescheitert. Die deutsche Finalistin Sarah Engels landete mit ihrem Track «Fire» auf Platz 23.Auch Dara selbst war von ihrem Sieg überwältigt: «Ich fühle mich wundervoll. Ich kann nicht verstehen, was passiert. Meine Arbeit ist, auf der Bühne zu sein, das Lied vorzutragen, mein Herz zu öffnen, Licht und Liebe auszustrahlen», sagte sie dem bulgarischen Fernsehen.«Bangaranga» ist ein derber Pop-Track, in dem Dara eine Art inneren Ausbruch besingt. Das Wort «Bangaranga» stammt laut der Künstlerin aus dem jamaicanischen Slang und bedeutet Tumult, Aufruhr, Chaos. Der Track, geschrieben von Anne Judith Stokke Wik, Darina Yotova, Dimitris Kontopoulos und Monoir, spiegelt diesen Exzess musikalisch. Melodische Sequenzen folgen auf exzessive Party-Beats. «Wir wollten einen Song, der die Leute körperlich trifft, bevor er sie intellektuell erreicht», sagte Dara in einem Interview mit der britischen Zeitung «The Independent».Die Tradition der KukeriDarina Yotova, 27, wuchs in der bulgarischen Hafenstadt Warna am Schwarzen Meer auf. Sie absolvierte die National School of Arts, wo sie sich auf traditionelle bulgarische Folklore spezialisierte. «Die Ausbildung in traditioneller bulgarischer Gesangstechnik mit all ihren Mikrotönen und ihrer emotionalen Ungeschliffenheit liegt absolut in meiner DNA», sagt sie.Auch in ihrem ESC-Track «Bangaranga» nimmt Dara auf bulgarische Folklore Bezug. In Interviews spricht sie über das alte Ritual der Kukeri – traditionelle bulgarische Maskentänzer, die zu Jahresbeginn mit Fellen und Glocken verkleidet durch die Dörfer ziehen, um die bösen Geister zu vertreiben. «Die Energie ist überwältigend, fast beängstigend – und doch ist sie durch und durch fröhlich, durch und durch gemeinschaftlich, durch und durch lebendig. Das ist Bangaranga», sagte Dara dem «Independent». In Anlehnung an die Kukeri trug Dara zur ESC-Gala ein Kleid aus hellem und dunklem Haar. Inspiration sei der Fotograf lvo Danchev gewesen, der in seiner Arbeit Kukeri porträtiert.ADHS-AlbumDaras Karriere verlief rasant. Mit 16 nahm sie an der bulgarischen Version der Fernseh-Castingshow «X Factor» teil und erreichte den dritten Platz. Daraufhin unterschrieb sie einen Plattenvertrag und brachte mit «K’vo ne chu» (englische Version: «Onto You») ihre Debütsingle heraus, die in den bulgarischen Charts landete. Sie nahm an mehreren TV-Musikshows teil, trat als Coach in «The Voice of Bulgaria» auf und wurde mit mehreren bulgarischen Musikpreisen ausgezeichnet. 2025 war sie Vor-Act bei Robbie Williams’ Konzert in Sofia.2022 brachte sie mit «Rodena takava» (übersetzt: «So geboren») ihr erstes Album heraus. 2025 folgte «Adhdara», in dem sie ihre späte ADHS-Diagnose besingt. «In diesem Album ging es darum, jeden widersprüchlichen Teil von sich selbst anzunehmen: Chaos, Sensibilität, Feuer. Es war gleichermassen beängstigend und befreiend», sagte sie. Beängstigend und befreiend: zwei Attribute, die auch für Daras ESC-Gewinnertrack «Bangaranga» gelten.Passend zum Artikel