Kürzlich war ich eingeladen, eine Rede zu halten in Gleisdorf, einer Kleinstadt in der östlichen Steiermark. Anlass war der 5. Mai, der österreichische Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. An diesem Tag 1945 befreiten die Alliierten das KZ Mauthausen. Durch Gleisdorf hatte im April zuvor einer der sogenannten Todesmärsche ungarischer Jüdinnen und Juden geführt, die Zwangsarbeit beim Bau des Südostwalls geleistet hatten. Als die Rote Armee näher rückte, trieben die Nazis sie zu Tausenden größtenteils zu Fuß durch die Steiermark Richtung Mauthausen. Wer stehen blieb, um aus einem Brunnen zu trinken oder die Notdurft zu verrichten, wurde erschossen. In einigen Orten massakrierten die Nazis Hunderte, die ihnen zu schwach erschienen, das KZ zu erreichen.