Hypothek ab 50: Fünf Tipps, wie ältere Immobilienbesitzer attraktive Hypothekarzinsen bekommen – und wie ihre Liegenschaft finanziell tragbar bleibtGeht es auf den Ruhestand zu, berechnen Banken, ob man sich das Haus oder die Wohnung weiter leisten kann. Hypothekarnehmer sollten sich gut darauf vorbereiten. Es geht um viel Geld.17.05.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenWohneigentümer sollten die Anbieter von Hypotheken gut vergleichen.Maskot / GettyMit 50 oder spätestens 55 Jahren beginnt bei der Hypothek das entscheidende Alter. Schliesslich bringt der nahende Ruhestand bei den meisten Personen grosse finanzielle Veränderungen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nach der Pensionierung sinkt das Einkommen zumeist deutlich. Die Erwerbseinkünfte fallen weg, dafür finanziert man den Lebensunterhalt nun mit den Renten aus der AHV und der Pensionskasse sowie aus Ersparnissen. Allenfalls gibt es noch weitere Einkommensquellen wie eine vermietete Wohnung, Dividenden oder einen Teilzeitjob.Wichtige Wegmarke 50Die neue Situation führt dazu, dass Banken Hypothekarnehmer neu einstufen. Sie machen eine neue Tragbarkeitsrechnung – und diese zeigt auf, ob sich jemand eine Immobilie langfristig weiterhin leisten kann. Folglich haben Hypothekarnehmer, bei denen der Ruhestand langsam ins Blickfeld rückt, Handlungsbedarf. «Die Ausgangslage lässt sich mit einer rechtzeitigen und sauberen Planung wesentlich verbessern, daher finde ich das Alter 50 immer eine gute Wegmarke im Leben», sagt Uwe Scheunemann, Finanzplaner bei dem Unternehmen Progressive Finance.Er empfiehlt, die Tragbarkeit der Immobilie für das Rentenalter frühzeitig zu simulieren, und zwar unter Berücksichtigung individueller Charakteristika. Spätestens ab Mitte 50 sollte man mehrere Szenarien durchrechnen.Die Abschaffung des Eigenmietwerts werde zudem die Situation zugunsten der älteren Eigentümer verändern, sagt Scheunemann. Ab dem Alter von 55 werde die Laufzeitplanung wichtiger: «Sollte man mit 58 Jahren noch eine zehnjährige Festhypothek abschliessen, deren Verlängerung dann mitten im Ruhestand ansteht?» Eine pauschale Antwort gebe es hier nicht, sagt Scheunemann.Das Alter ist nicht immer ein NachteilÄltere Hypothekarnehmer sehen ihr Alter oft als Handicap. Sie gehen davon aus, dass sie im Alter aufgrund ihres niedrigeren Einkommens eine schlechtere Ausgangslage auf dem Hypothekarmarkt haben.«Doch dies ist nicht immer der Fall», sagt Florian Schubiger, Mitgründer des Online-Hypothekenportals Hypotheke.ch. Als Beispiel nennt er einen fiktiven Hypothekarnehmer, der vor zwanzig Jahren eine Immobilie mit einer Belehnung von 80 Prozent kaufte und diese bis auf 65 Prozent reduziert hat. Gleichzeitig hat sich der Wert der Liegenschaft im Zeitraum seit dem Kauf verdoppelt, die Belehnung der Immobilie liegt folglich nur noch bei etwas mehr als 30 Prozent. «Aus Sicht der Bank ist das ein sehr geringes Risiko», sagt Schubiger.Auch Scheunemann findet, man solle die Situation älterer Hypothekarnehmer differenziert ansehen. «Manchmal ist die Hypothek schon stark amortisiert, das Vermögen höher und die Belehnung irgendwo zwischen 50 und 60 Prozent.»Hypothekarnehmer ab 50 sollten in der entscheidenden Phase der Finanzierung ihrer Immobilie fünf Tipps beachten:1. Über die Hypothekarzinsen verhandelnJe nach Situation haben Hypothekarnehmer in den Verhandlungen mit der Bank durchaus Trümpfe in der Hand und sollten diese ausspielen. Dies tun sie aber nicht immer. «Viele wissen gar nicht, dass sie mit dem Kreditgeber über die Hypothekarzinsen verhandeln sollten, und vergeben sich die Chance auf niedrigere Zinsen», sagt Schubiger.Laut Scheunemann liegen gerade beim Ablösen einer bestehenden Hypothek, noch dazu bei der Hausbank, schnell ein paar tausend Franken Einsparung über eine Zeit von zehn Jahren hinweg drin.2. Viele Anbieter vergleichen – denn diese rechnen unterschiedlichDer Vergleichsaufwand sei dank digitalen Plattformen vertretbar, sagt der Finanzplaner Scheunemann. Mit professioneller Hilfe könne man zudem die Absicherung der Liegenschaft bei den Risiken Invalidität und Tod sauber gestalten.Verschiedene Anbieter zu vergleichen, ist auch deshalb wichtig, weil Banken oftmals unterschiedliche Kriterien bei der Bewertung von Hypothekarschuldnern anlegen. «Viele Banken rechnen bei der Tragbarkeit im Alter extrem unterschiedlich», sagt Schubiger. Die grössten Unterschiede bei den Bankberechnungen gebe es bei den kalkulatorischen Zinsen, den Unterhaltskosten und vor allem bei der Anrechnung des freien Vermögens bei der Tragbarkeit. Auch wenn man im Rentenalter verschiedene Einkommen hat – beispielsweise aus einem Teilzeitjob, einem Verwaltungsratsposten oder aus einer Rente bei einer Versicherung –, könne dies zu grossen Unterschieden in den Berechnungen der Banken führen.Dies hat Folgen für die Höhe der Hypothekarzinsen und kann ausschlaggebend dafür sein, ob man bei dem entsprechenden Finanzinstitut überhaupt eine Hypothek bekommt.«Vielen Hypothekarnehmern in der Schweiz ist nicht bewusst, wie gross die Unterschiede zwischen den Banken sein können», sagt Scheunemann. Nach aussen wirkten die Regeln oft starr. In der Praxis hätten die Institute jedoch beträchtlichen Ermessensspielraum.3. Optionen rechtzeitig prüfen«Zwei Banken können bei derselben Person zu komplett unterschiedlichen Resultaten bei der Tragbarkeitsrechnung kommen», sagt Schubiger. Bei älteren Hypothekarnehmern machten sie oft noch grössere Unterschiede als bei jungen. Er empfiehlt Hypothekarnehmern, herauszufinden, welche Anbieter flexibler seien beziehungsweise welche die eigene finanzielle Situation eher wohlwollend betrachteten.4. Auf flexible Anbieter setzenManche Hypothekarnehmer denken, es sei ein schlauer Schachzug, die Hypothek kurz vor der Pensionierung zu verlängern, weil sie dann noch ein höheres Einkommen hätten. Laut Schubiger bringt dies aber nichts, denn viele Kreditgeber würden die finanzielle Situation der Hypothekarnehmer bereits viel früher überprüfen.Hier gibt es zwischen den Banken aber deutliche Unterschiede. Die meisten von ihnen prüfen laut Schubiger die Finanzsituation der Hypothekarnehmer, wenn diese das Alter von 55 Jahren erreichen, manche schon beim Alter von 50. Manche Banken würden die Situation aber auch erst dann evaluieren, wenn der Hypothekarnehmer 60 werde.Wenn ein Finanzinstitut die Tragbarkeit erst ab dem Alter von 60 Jahren anschaut, ist dies beispielsweise ein Vorteil für Hypothekarnehmer in den Fünfzigern, die bei der Finanzierung der Immobilie etwas knapp dran sind. Wollen sie beispielsweise ihre Hypothek verlängern, stuft die Bank sie noch mit ihrer «alten» finanziellen Situation ein und nicht mit derjenigen nach der Pensionierung.5. Auch die Angebote von Versicherungen und Pensionskassen prüfenHypothekarnehmer sollten zudem nicht nur auf die Angebote der Hausbank und anderer Banken schauen, sondern auch solche von Versicherungen, Pensionskassen und Anlagestiftungen in Betracht ziehen. «Versicherungen agieren oft langfristiger und konservativer, daher passen lang laufende Festhypotheken oft gut zu ihrem Geschäftsmodell», sagt Scheunemann. Für sicherheitsorientierte Kunden könne so ein attraktiver, langfristiger Zinssatz herausschauen. Ein breiter Marktvergleich sei heute deutlich wichtiger als früher – besonders für ältere Hypothekarnehmer, vermögende Kunden und Eigentümer mit langfristigem Planungshorizont.Passend zum Artikel