Rekordjagd an der Wall Street: Der Boom der Technologieaktien steht auf brüchigem Fundament – dies zeigt ein Blick auf die CashflowsDer Börsenwert von Nvidia ist auf rekordhohe 5,7 Billionen Dollar gestiegen. Doch die Euphorie der Anleger basiert auf einem künstlichen Gewinnboom.17.05.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenJensen Huang, der CEO von Nvidia, konnte Donald Trump auf seiner Reise nach Peking begleiten. Dies bescherte der Aktie weitere Gewinne.Go Nakamura / EPADie Börse steckt im Rekordfieber. Die Kurse kennen derzeit nur eine Richtung: steil nach oben. Das grosse Zugpferd ist der Chipentwickler Nvidia, der von der KI-Euphorie profitiert. Überraschend gehörte der Firmenchef Jensen Huang ebenfalls zu der Delegation, die den amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf seinem China-Besuch begleitete. Die Aussicht auf neue Geschäfte hat die Nvidia-Aktie weiter in die Höhe getrieben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Seit Januar erreicht der Kursgewinn bereits 25 Prozent, innerhalb eines Jahres ist die Aktie um 75 Prozent emporgeschossen. Diese Woche hat Nvidia einen Börsenwert von 5,7 Billionen Dollar erreicht – das ist einsamer Rekord. Zum Vergleich: Auf die gleiche Marktkapitalisierung kommen sämtliche an der Börse kotierten Unternehmen in der Schweiz und Deutschland zusammen.Welche Dimension der Enthusiasmus erreicht hat, verdeutlicht auch der Börsengang des Chipherstellers Cerebras von dieser Woche. Obwohl der Ausgabekurs wegen der riesigen Nachfrage schon vor dem IPO um über die Hälfte erhöht worden war, erzielte die Aktie am ersten Börsentag einen Gewinn von 68 Prozent. Gemessen daran wirkt der Anstieg der Technologiebörse Nasdaq geradezu bescheiden. Innert Monatsfrist beträgt das Plus aber immerhin 13 Prozent sowie 39 Prozent über zwölf Monate.Interessant ist übrigens, dass auch der japanische Nikkei-Index überproportional vom Tech-Boom profitiert hat. Im letzten Jahr hat er um 63 Prozent zugelegt. Zu den Käufern zählen auch viele amerikanische Investoren, die in Japan nach Profiteuren der KI-Revolution suchen. Dazu gehört etwa Softbank, deren Aktienkurs sich in einem Jahr fast verdreifacht hat.Ist der überschäumende Optimismus wirklich gerechtfertigt? Vergessen geht etwa, dass der Iran-Krieg und die steigenden Energiepreise die Wirtschaft bremsen. Die Inflationsrate in den USA ist jüngst auf 3,8 Prozent geklettert. Und die Konsumenten halten sich zurück.Der Cashflow gibt ein besseres BildDie Aktienkäufer verweisen auf das starke Gewinnwachstum der grossen Tech-Konzerne. Das betrifft besonders die sogenannten Hyperscaler wie Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft oder Oracle. Als Anbieter von Cloud-Computing-Diensten profitieren sie von der höheren Nachfrage nach Rechenleistungen. Die Investitionen in die Infrastruktur dürften dieses Jahr enorme 700 Milliarden Dollar erreichen.Ob sich diese Investitionen aber auszahlen werden, steht in den Sternen. Umso mehr sollten die Anleger nicht nur den positiven Gewinntrend im Auge behalten, sondern ebenso den Cashflow. Die Gewinnzahlen zeigen nämlich ein verzerrtes Bild. Wenn Amazon 200 Milliarden in die KI-Infrastruktur investiert, kann der Konzern diesen Betrag über mehrere Jahre abschreiben.Somit wird der Gewinn erst in der Zukunft geschmälert. Der Cashflow dagegen fällt unmittelbar. Bei Amazon oder Oracle ist er wegen der grossen Belastungen bereits negativ geworden. Ein weiteres Warnsignal: Die Dividenden und die Aktienrückkäufe nehmen nur noch schwach zu. Anleger sind daher gut beraten, die scheinbar positiven Gewinnausweise kritisch zu hinterfragen.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel