Bitburg/Lautzenhausen/Zweibrücken (dpa/lrs) - An etlichen Militärstandorten in Rheinland-Pfalz haben die US-Amerikaner in den vergangenen Jahrzehnten „bye, bye“ gesagt. Ob am Flughafen Hahn im Hunsrück oder der Bitburg Air Base in der Eifel: Für Land und Kommunen war der Abzug stets eine große Herausforderung. Die Reduzierung bot aber auch Chancen. Ob und wie Konversion gelungen ist? Ein Überblick über verschiedene Standorte.Flughafen HahnDer heutige Flughafen Frankfurt-Hahn geht auf einen früheren Militärflugplatz zurück. Nach Angaben einer Sprecherin des Flughafens begannen französische Streitkräfte 1951 mit dem Bau des Flugplatzes. Nach der Gründung der Nato übernahm die US Air Force den Standort und baute ihn aus; bereits im September 1952 wurde dort die erste Einheit der US-Luftwaffe stationiert. Endgültig zogen die amerikanischen Streitkräfte 1993 ab. Für Rheinland-Pfalz eröffnete sich damit der Sprecherin zufolge die Möglichkeit, einen Standort für internationalen Luftverkehr im Land zu entwickeln, da die regionalen Flugplätze bis dahin vor allem der Allgemeinen Luftfahrt dienten, also kleineren Maschinen außerhalb des Linien- und Charterverkehrs. Nach Angaben der Sprecherin konnte die zivile Anschlussnutzung vergleichsweise schnell umgesetzt werden.Im vergangenen Jahr verzeichnete der Flughafen nach eigenen Angaben ein Passagieraufkommen von knapp 2,2 Millionen Menschen und Luftfracht in Höhe von rund 107.000 Tonnen.Zweibrücken: Outlet statt KaserneDer Landkreis Südwestpfalz wurde in den 1990er Jahren durch den Rückzug der Streitkräfte stärker geprägt als andere Regionen in Deutschland. Für 59 Liegenschaften mit insgesamt 2.150 Hektar Fläche musste eine neue Verwendung gefunden werden. Auf dem Gelände des früheren US-Flugplatzes Zweibrücken, das teilweise zur Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land gehört, wurden mehr als 3.200 Arbeitsplätze in mehr als 90 Firmen im Fashion Outlet und im Bereich des Gewerbegebiets Flughafens geschaffen.Das Zweibrücken Fashion Outlet feiert 2026 sein 25-jähriges Bestehen. (Archivbild) Oliver Dietze/dpaDie ehemaligen US-Depots an der B427 zwischen Dahn und Hinterweidenthal wurden im Rahmen der Konversion zu Gewerbeparks ausgebaut. Das bisherige Gewerbegebiet in Münchweiler an der Rodalb, direkt an der B10, wurde um das Gewerbegebiet Gräfensteiner Park ergänzt.Bitburg Air BaseDer Abzug der US Air Force 1994 von der Bitburg Air Base stellte die Region vor große Herausforderungen. Das Aus kam nach mehr als 40 Jahren: Dort war das 36. Jagdgeschwader der Air Force stationiert – rund 13.000 Amerikaner lebten in Stadt und Umgebung. Die Amerikaner gaben jährlich rund 300 Millionen Mark aus und boten viele zivile Arbeitsplätze.Es folgte die Konversion: Das einstige Militärgelände des Flugplatzes Bitburg wurde schrittweise in ein Gewerbe-, Dienstleistungs- und Freizeitzentrum umgewandelt. „Mit aktuell rund 180 Unternehmen sowie 1.400 Arbeitsplätzen ist ein erfolgreiches Gewerbe- und Industriegebiet entstanden“, teilten der Eifelkreis Bitburg-Prüm und der Zweckverband Flugplatz Bitburg mit.Ex-US-Siedlung „Bitburg Housing“ gerade verkauftDie zivile Nutzung des Flugplatzes begann nach dem Abzug der US Air Force im Jahr 1994. Unterm Strich: Die Konversion des Flugplatzes Bitburg gilt als gelungen, weil Bund, Land und die Kommunen früh zusammenarbeiteten und ein gemeinsames Entwicklungskonzept erarbeiteten. Und: Die Umwandlung von einstigen Militärliegenschaften in Bitburg hält an. Die amerikanische Wohnsiedlung „Bitburg Housing“ wurde gerade von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben an kommunale Partner verkauft. Auf dem rund 57 Hektar großen Areal soll in den kommenden 15 Jahren ein neuer Stadtteil entstehen - mit einem Mix aus Wohnen, Gewerbe, Bildung und Freizeitangeboten. Baubeginn soll 2028 sein.Trier als einst zweitgrößte Garnisonstadt der Franzosen 1995 lebten noch 15.000 Franzosen in Trier. Damals war die Moselstadt eine der wichtigsten Garnisonen außerhalb Frankreichs. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden die Soldaten innerhalb weniger Jahren abgezogen und verließen mitsamt ihren Familien bis 1999 Trier. Sie hinterließen Kasernen, Übungsgelände und Verwaltungsgebäude.Ramstein ist eines der wichtigsten Drehkreuze des US-Militärs in Europa. (Archivbild) Boris Roessler/dpaAuch in Trier ist die Konversion gelungen. Früheres Kasernengelände wird von Handel, Dienstleistern und für Wohnungen genutzt. Und der einstige Standort Petrisberg, eine Anhöhe zwischen Stadt und Universität, vereint heute einen Wissenschaftspark, ein Wohn- und ein Freizeitgebiet.Zahl der im Land stationierten Soldaten schrumpft seit langemEinst beheimatete Rheinland-Pfalz mehr Militärstützpunkte und galt etwa wegen der Militär-Flugplätze als „Flugzeugträger der Nato“. In den vergangenen Jahrzehnten schrumpfte die Zahl der im Land stationierten ausländischen Soldaten erheblich. Waren 1986/87 noch 69.000 US-Soldaten im Land stationiert, reduzierte sich ihre Zahl bis 2011 auf rund 30.400 US-Soldaten und rund 18.500 heute. Gab es 1986/87 noch 17.300 französische Armeeangehörige in Rheinland-Pfalz, gibt es heute keine mehr.© dpa-infocom, dpa:260517-930-89326/1