Die Geschichte der Sportfreunde Stiller begann vor 30 Jahren in Germering, und genau dort sollte sie vor 30 Jahren zu Ende gehen. Motto: „Einmal auftreten und dann Servus!“ Die Band hieß damals noch Endkrass, an der Seite von Peter Brugger und Flo Weber spielte Andi Erhard, der Vorgänger von Rüdiger Linhof. „Hi, wir sind Endkrass!“ Diesen Satz wollte Peter Brugger ins Publikum rufen, bevor sich die Gruppe live auf der Bühne auflösen würde. Das war der Plan, von dem Münchens liebste Lieblingsband im neuen Dokumentarfilm „Mit dem Herz in der Hand“ erzählt.Aus dem Plan wurde bekanntlich nichts. Denn die zwei Sportstudenten und ihr erster Bassist haben die Rechnung ohne Marc Liebscher gemacht. Ihr Manager in spe, der noch heute ihr Manager ist, beziehungsweise der vierte Sportfreund, stand 1996 im „Knast“ in Germering im Publikum – und war begeistert von der wilden, ungestümen und unterhaltsamen Gruppe. Er hatte keinerlei Zweifel: Dies würde nicht ihr letzter Auftritt sein.Von Endkrass zu Stiller zu Sportfreunde Stiller. Von drei jungen Musikern, die „auf die Pauke hauen“ wollten, bis zu „Wunderbaren Jahren“ mit Fernsehauftritten, Sommermärchen und Echo-Musikpreisen. Eine einzigartige popmusikalische Heldenreise. „Wir sind immer noch hier“, sagt das Trio zum 30-jährigen Bestehen. Nach rauschhaften Episoden mit Hits wie „Ein Kompliment“, „Ich, Roque“ und „Applaus, Applaus“, nach Rückschlägen und „Game-Over-Gefühl“ wollen es die Sportis 2026 noch einmal wissen: mit fetter Tour und neuem Album („Happy Birthday!“ erscheint im Juni).Mitten rein in den Geburtstagsrausch drängt der Dokumentarfilm von Thorsten Berrar („Die Viva Story“). Ein Rausch ist auch der Film selbst, ein Bilderrausch (Montage: Christopher Kaps). Kinder- und Jugendfotos ziehen vorbei, die Band klebt Panini-Fußballbildchen, immer wieder gibt es Live-Momente, alte Presseartikel und Gedanken zu Karriere und Kritik an den musikalischen Fähigkeiten. Die Entstehung von „’54, ’74, ’90, 2006“, der Hymne zur Heim-WM 2006, bekommt viel Raum. Rüdiger Linhof spricht von den „wahnsinnigsten Wochen meines Lebens“.Die Wahrheit liegt auf der Bühne: Live-Szenen (hier mit Peter Brugger) gehören zum Dokumentarfilm über die Sportis unbedingt dazu. Sybille Koller/BR/Berlin Producers Media GmbHEbenso der stressbedingte „Not-Stopp“ und das „tiefe Loch des Schweigens“ mit ehrlicher Reflexion über unterschiedliche Lebenspläne, Seitenprojekte und Entfremdung der Freunde. „Wir haben komplett missachtet, dass er keine Kraft mehr hatte“, sagt Flo Weber über Peter Brugger und entschuldigt sich dafür. Peter sagt: „Die Pause war existenziell wichtig für uns.“Fans der Band erfahren nicht viel Neues, vom frischen Blick zurück und den Proben und Studioaufnahmen zum neuen Album in Spanien einmal abgesehen. Stört aber nicht. Denn wer die Anekdoten etwa zum Namenspatron Hans Stiller oder zu den Schlagzeug-Bemühungen eines Bastian Schweinsteiger bereits kennt, erfreut sich am pulsierenden Schnelldurchlauf der Karriere der Herzensburschen. Lieblingssongs inklusive.Was die Dokumentation überzieht wie eine unsichtbare Folie, ist die Haltung, die die Sportis seit 30 Jahren vermitteln. Dieses Wir-sind-wie-ihr-Gefühl, rockig arrangiert mit Witz, Esprit und ein bisschen Kitsch. Kitsch im schönsten Sinne freilich. Chill-out-Area für immer. Und wer kein Fan ist, aber zumindest musikinteressiert, der bekommt Inspiration und Motivation, sich kreativ auszutoben. Und andere mitzureißen. Auf die gute Seite.Thorsten Berrars Dokumentarfilm zeigt Rüdiger Linhoff, Flo Weber und Peter Brugger (von links) in Spanien. Dort ist das neue Sportis-Album entstanden, das am 12. Juni 2026 erscheint. Ingo Pertramer/BR/Berlin Producers Media GmbHBereichernd sind die Interview-Partner und ihr Blick auf die Gruppe: Roland Schunk erinnert an den wegweisenden Neunzigerjahre-Spirit des Atomic Cafés in München, Jan Müller von Tocotronic verortet den Sportis-Sound als „Musik der Mitte“, Produzent und Musiker Tobi Kuhn sagt: „Das ist eine Band, die konstant unterschätzt wird.“ Und: „Bei all ihrer Lautstärke sind sie doch sehr leise.“ Die österreichische Kollegin Christina Stürmer wiederum plaudert aus, dass sie „ein bisschen verknallt in den Flo“ war. Schauspieler Harald Krassnitzer und SZ-Kulturredakteur Michael Zirnstein sagen schlaue Sätze über das Phänomen und die Texte.Und dann wäre da noch Joko Winterscheidt, dessen steile TV-Karriere ohne die Sportis womöglich anders verlaufen wäre. Kleiner Teaser: Er war Praktikant bei einer Produktionsfirma und belaberte beim München-Konzert der Band den gefeierten Markus Kavka, der ihn schließlich zu MTV brachte. „The rest is history.“ Der Wahl-Münchner Winterscheidt offenbart übrigens noch mehr, nämlich das Geheimnis des Pop-Trios schlechthin. Er tut das mit wenigen Worten, indem er aus dem Bandnamen die Wörter „Sport“ und „Stiller“ herausstreicht.„Sportfreunde Stiller – Mit dem Herz in der Hand“, Buch und Regie: Thorsten Berrar, Weltpremiere beim Dok-Fest am Montag, 18. Mai, 19.30 Uhr, City (Film und Gespräch mit der Band), von Donnerstag, 28. Mai, an in der ARD Mediathek, Freitag, 12. Juni, 23.30 Uhr, im Ersten