PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:Meinung„Wer sind wir?“In Joschka Fischers Buch findet sich kein einziger origineller GedankeStand: 07:32 UhrLesedauer: 2 MinutenSpät, aber nicht zu spät: Joseph Martin „Joschka“ FischerQuelle: Getty Images/Michele TantussiDas neue Buch von Joschka Fischer zeigt: Der blitzgescheite Autodidakt hat in seiner radikalen Jugend zwar viel gelesen, aber das Falsche.Joschka Fischer reist durch die Republik und stellt sein neues Buch vor. Darin fragt sich der ehemalige Außenminister: „Wer sind wir?“ (so der Titel seines Werkes). Wer es zur Hand nimmt, dem fällt Golo Mann ein. Der Historiker schrieb schon vor Jahrzehnten: „Warum in aller Welt soll ein Deutscher, der heute das Centre Pompidou in Paris besucht, sich fragen: ‚Wer bin ich? Was ist meine nationale Identität?‘ Das ist doch alles im Ernst gar nicht wahr. Überhaupt mag ich das Wort ‚Deutsche Frage‘ auf den Tod nicht leiden. So etwas kann man nicht 200 Jahre lang machen, alles was Recht ist.“ Und damit sind wir schon beim Hauptproblem von Joschka Fischer. Er, der blitzgescheite Autodidakt, hat in seiner radikalen Jugend zwar viel gelesen, aber das Falsche: Marx anstelle von Mann, Bakunin anstelle von Karl Dietrich Bracher, Lenin anstelle von Richard Löwenthal. So entdeckte Fischer erst dann die Vorzüge der Westbindung und den Wert der Nato, als er längst das Kap der Reife umschifft hatte.Lesen Sie auchFischer, mit 78 noch immer von blasierter, schnoddriger Halbwüchsigkeit, wäre nicht Fischer, wenn er diese seit Jahrzehnten offenen Erkenntnisse nicht als Erweckungserlebnisse feiern würde, von denen allein er weiß und die er nun allen Deutschen mitteilen muss.So jedenfalls liest sich sein neuester Erguss, mit dem er in aller Munde ist. Nun gut, Fischer schwamm schon immer auf einer Welle selbstgerechten Adrenalins. Immerhin ist es erfreulich, dass er spät, aber nicht zu spät die tragenden Säulen der Bundesrepublik preist. Schade nur: In seinem Buch findet sich kein einziger origineller Gedanke. Wenigstens vertreibt der Rentner sich nicht die Zeit mit dem Wiederkäuen alter Abenteuer.