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USA und China: „Zwei Giganten, die auf Augenhöhe im Gefecht stehen“ Der Direktor des Mercator-Instituts für Chinastudien sieht trotz warmer Worte und großer Gesten beim Trump-Besuch in Peking keine grundlegende Annäherung der beiden Großmächte.
Anis Mičijević 15.05.2026 - 19:02 Uhr Präsidenten Xi Jinping (l.) und Donald Trump: Unterschiedliche strategische Interessen. Foto: Maxim Shemetov/Pool Reuters/AP/dpaDüsseldorf. China-Kenner Mikko Huotari erwartet nach dem Peking-Besuch von US-Präsident Donald Trump eine weitere Verschärfung des strategischen Konflikts zwischen den USA und China. Zwar liege es im Interesse beider Seiten, dass die Großmächte miteinander auskämen, sagte der Direktor des Mercator-Instituts für Chinastudien im Podcast „Handelsblatt Today“. Eine echte Annäherung hält er aber angesichts der unterschiedlichen Prioritäten und strategischen Interessen beider Systeme für sehr unwahrscheinlich.Huotari rechnet etwa im Bereich der Sicherheits- und Technologiepolitik mit neuen Konfliktfeldern, beispielsweise bei Cyberattacken, kritischer Infrastruktur und Künstlicher Intelligenz (KI). Seit Trumps letztem China-Besuch im Jahr 2017 habe die Volksrepublik ihre Präsenz, Prominenz und Machtentfaltung rasant ausgebaut, sagt Huotari. Mittlerweile stünden sich zwei „Giganten“ auf Augenhöhe gegenüber. Peking beschreibe diese Entwicklung als Aufstieg des Ostens und Niedergang des Westens.Als zentrale Waffe Chinas im Handelskonflikt mit den USA bezeichnete Huotari Exportkontrollen bei seltenen Erden und anderen Rohstoffen. So wie Washington chinesische Abhängigkeiten bei Hochtechnologie ausnutzen könne, sei Peking in der Lage, Rohstoffabhängigkeiten der USA und anderer Staaten politisch einzusetzen.Lesen Sie hier das Interview mit Mikko Huotari:Herr Huotari, Donald Trumps erster China-Besuch in dieser Amtszeit war auch der erste eines US-Präsidenten seit 2017. Damals standen sich auch Trump und Xi Jinping gegenüber. Wie hat sich das globale Machtgefüge seitdem verändert?Es ist geprägt von einem rasanten Anstieg der Präsenz, der Prominenz und auch der Machtentfaltung Chinas. Peking beschreibt das als den Aufstieg des Ostens und den Niedergang des Westens. Ganz so ist es nicht. Aber es ist in der Tat der Fall, dass wir mittlerweile zwei Giganten sehen, die auf Augenhöhe miteinander heftig im Gefecht stehen.Sie sprechen von zwei Giganten auf Augenhöhe. Ist Trump also mit seinem Ziel gescheitert, den großen Rivalen kleinzuhalten?Bei ihm weiß man gar nicht, ob das überhaupt sein eigentliches Ziel ist. Ich glaube, das ist aus seiner Sicht ein Großmachtsspiel – durchaus mit Raum für beide und Chancen zur Zusammenarbeit. Andere in den USA sehen da wirklich diese zentrale strategische, sicherheitspolitische Herausforderung, den Aufstieg Chinas zu verhindern und zu bremsen. In Trumps Kopf kann da wahrscheinlich niemand reinschauen.Mikko Huotari: Der Merics-Experte glaubt, dass China eine verlorene Dekade bevorsteht. Foto: Merics/Marco UrbanBereits in seiner ersten Amtszeit verfolgte Trump eine sehr aggressive Handelspolitik gegenüber China. Sind die Exportkontrollen bei den seltenen Erden die Hauptlektion Chinas, dass man im Handelskonflikt mit den USA heute deutlich stärker auftreten kann?Das ist in der Tat die zentrale Waffe, die sie zum Einsatz bringen. Wie die Amerikaner in der Lage sind, Technologieabhängigkeiten Chinas auszunutzen, so sind die Chinesen in der Lage, die Rohstoffabhängigkeiten der USA und der ganzen Welt für eigene politische Zwecke auszunutzen. Jetzt ist ein Waffenstillstand erreicht, der auf verschiedenen Ebenen einsetzt: Bei China sind es eher die Grundstoffe, bei den USA Hightech.Xi hatte zu Beginn des Treffens betont, es gehe darum, ob China und die USA die sogenannte Thukydides-Falle überwinden können – also das Risiko eines Kriegs zwischen einer aufsteigenden und einer etablierten Weltmacht. Bezieht sich diese Warnung vor allem auf Taiwan, oder gibt es weitere Konfliktlinien?Xi nutzt da ein Bild, das aus dem amerikanischen Diskurs kommt. Die Thukydides-Falle ist gleichzeitig natürlich auch eine Art Beleidigung: Man sagt, ihr seid die Macht im Niedergang, wir sind die aufsteigende Macht. Gibt es mehr sicherheitspolitische Konfliktlinien? In der Tat. Auch der Konflikt mit Japan zählt dazu, Chinas ausgreifende Machtprojektionen in den Pazifikraum insgesamt.Today China-Experte Huotari über Donald Trumps Besuch in Peking vor 1 Std.












