Hamburg. Grüne Terrassen schrauben sich spektakulär die 314 Meter hohe Glasfassade empor. Die Etagenvorsprünge am Büroturm The Spiral, der auch dem Konzern Pfizer
als Hauptquartier dient, sorgen für mehr Luft, Licht und Grün – mitten in Manhattan.Das Innere ist voll mit Sensoren und automatischen Steuerungen. Licht- und Luftqualität sowie Raumbelegung werden permanent überwacht, um mit Lüftung, Verschattung oder Kühlung auf Veränderungen zu reagieren. Tritt etwa jemand raus auf eine Terrasse und verändert so das Raumklima, steuert das Gebäude-Gehirn automatisch nach.Schöne neue Bürowelt: Ob The Spiral, The Edge in Amsterdam oder The Cube in Berlin – moderne Gebäude entwickeln sich zu digital gesteuerten Organismen, die mit Sensoren, Automatisierung und vernetzter Haustechnik die Nutzung optimieren.Bequemlichkeit steigt, Betriebskosten sinkenEin smartes Haus weiß heute anhand der eintretenden Mitarbeiter, wie viele Mittagessen in der Kantine zubereitet werden müssen. Wetterdaten und Energiepreise können einfließen, um die Verbrauchsbilanz zu verbessern.So steigt die Bequemlichkeit und die Betriebskosten sinken, sagt Sebastian Treptow, Bereichsleiter Gebäude im Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI). „Die automatische Steuerung von Gebäuden kann in Kombination mit Effizienzsystemen den Energieverbrauch deutlich reduzieren.“Eine ZVEI-Studie errechnet 74 bis 92 Prozent weniger Endenergiebedarf, wenn etwa mehr Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen zum Eigenverbrauch genutzt werden, auf LED-Beleuchtung umgestellt wird und intelligente Steuerung hinzukommt.Künstliche Intelligenz wertet Daten ausAnbieter wie Bosch Building Technologies stehen mit smarten Gebäudelösungen bereit. Beim Vernetzen helfe auch Künstliche Intelligenz (KI), sagt Brian Hallowell, der das Geschäft der Bosch-Einheit in New York und New Jersey leitet. „Smarte Gebäude müssen die Informationen aller vorhandenen Systeme sammeln und mithilfe von KI auswerten können, um optimal operieren und Veränderungen oder Gefahren berücksichtigen zu können.“Zum Hightech-Puzzle zählen auch Kamerasysteme, die die Zahl der Menschen in Gebäudeabschnitten registrieren. Diese Daten fließen ebenso ein wie Innentemperatur oder Partikeldichte in der Luft. Das digitale Gehirn regelt so die Klima- und Lüftungsanlage.Ähnlich arbeitet der futuristische Bürobau The Cube direkt am Berliner Hauptbahnhof. Rund 3800 Sensoren dienen als eine Art inneres GPS zum Finden von Räumen, Gegenständen oder Kollegen. Per App lassen sich Fahrstühle anfordern und Parkplätze reservieren.Humanoide Roboter: Hilfe beim Reinigen von Immobilien. Foto: Christof Rührmair/dpa„Die Systeme studieren die Verhaltensweisen der Nutzer, können deren Komfort optimieren und gleichzeitig den Verbrauch des Gebäudes senken“, sagt Bosch-Experte Hallowell. Geregelt wird stets bedarfsgerecht.Das gilt nicht nur beim Sonnenschutz, auch Reinigungszyklen können verringert werden, wenn gesammelte Daten das nahelegen. Werden selten genutzte Toiletten nur am Abend geputzt, spart dies Geld. „Was wir von smarten Gebäuden heute wirklich erwarten können, sind schnelle und effiziente Reaktionen auf Veränderungen“, so Hallowell.Roboter warten, reinigen und transportierenDas Beratungsunternehmen Drees & Sommer, das The Cube mitgestaltet hat, arbeitet schon am nächsten Level der Gebäudeplanung: Smarte Robotik soll Einzug halten.„Die Möglichkeiten gerade in öffentlichen Gebäuden sind riesig“, sagt Veit Thurm, Partner und Managing Director bei Drees & Sommer. In die Gebäudesteuerung integrierte kognitive Roboter können wiederkehrende Abläufe wie Wartungen, Reinigungen und Transport effizienter machen.







