Spätestens seit 2011 waren und sind ausreichend viele Parteifreund:innen bereit, diese Haltung zu akzeptieren oder sogar zu übernehmen. "Das hat mit zu unserem Erfolg geführt", sagt Schwelling. Und zur anhaltenden Mitgestaltung einer veränderten bürgerlichen Gesellschaft in der Mitte, denn wer 30 Prozent einfahre, "der gehört genau dazu und zu nichts anderem". Zum dritten Mal in Folge wurden die Grünen 2026 stärkste Kraft, zum dritten Mal seit Kretschmann den Landesverband als neue Baden-Württemberg-Partei, als Volkspartei und endgültig als Vollsortimenter präsentierte.

Das seither gewachsene Interesse der Koalitionspartner an der Mitte lässt sich in den einschlägigen Passagen von Arbeitsübereinkünften nachlesen. 2016 lautete das Versprechen, "im Bündnis mit der CDU die bürgerliche Gesellschaft in ihrer ganzen Breite abzubilden". Fünf Jahre später kündigten die beiden Parteien an, "nicht trennen zu wollen, was zusammengehört, wir wollen versöhnen, verzahnen und verbinden". Und sie beschreiben sich als "am tiefsten und breitesten in der Gesellschaft verankert". Diesmal wollen Özdemir und Hagel die Koalition auf "eine moderne bürgerliche Politik" festlegen, "die die Orientierung am Gemeinwohl und die Verantwortung fürs Land in den Mittelpunkt stellt". Beide Partner hätten "eine unterschiedliche Geschichte und kulturelle Prägung, doch diese Verschiedenheit wollen wir in einer Koalition gemeinsam zur Stärke machen".