Soll noch mal jemand sagen, die Europäische Union würde keine Gefühle auslösen! Kaum war am vergangenen Samstag am ungarischen Parlament die EU-Fahne gehisst worden, zum ersten Mal seit vielen Jahren, schon begann die neue Regierung, ausgelassen zu tanzen. Zsolt Hegedűs vorweg, schon am Abend der Wahl hatte sich der künftige Gesundheitsminister als Vortänzer hervorgetan. Budapest hüpft und lacht – wann hat man jemals eine Regierung gesehen, die ihr Amt mit so viel Hüftschwung antritt?
Nun wäre es verwegen, zu behaupten, Hegedűs und seine Kollegen hätten vor allem wegen der EU getanzt. Péter Magyar, der neue, konservative Ministerpräsident, ist im Wahlkampf als Patriot aufgetreten, mit der ungarischen, nicht mit der europäischen Fahne in der Hand. Auch am Samstag vor dem Parlament, zur Feier seiner Amtseinführung, dominierten die ungarischen Landesfarben Rot, Weiß und Grün.
Doch die Rückwendung zu Europa ist ein Teil des Aufbruchs, der in Budapest gefeiert wird. Und das Symbol hierfür ist Europas Fahne – die goldenen Sterne auf blauem Grund sind ein Signal und ein Bekenntnis.
Das gilt auch umgekehrt, in Carcassonne zum Beispiel. In der südfranzösischen Stadt, bekannt ist sie für ihre mittelalterlichen Burgfeste, hat der Rassemblement National (RN) im März die Kommunalwahl gewonnen. Seitdem stellt die rechtsnationale Partei den Bürgermeister, er heißt Christophe Barthès. Als eine seiner ersten Amtshandlungen stieg Barthès auf den Balkon des historischen Rathauses, um demonstrativ die EU-Fahne einzurollen. »Platz für die französische Flagge 🇫🇷«, postete er dazu auf X. Bislang hatte die Trikolore am Rathaus friedlich neben der EU-Fahne geweht. Auch dieses Bekenntnis hat viele Emotionen ausgelöst, Begeisterung bei den einen, Entsetzen bei den anderen.











