Die neuesten EntwicklungenWaffenruhe im Gazastreifen: Israel will die «New York Times» verklagenDie Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas ist brüchig. Bis zu einem nachhaltigen Frieden im Nahen Osten ist es ein weiter Weg. Die wichtigsten Fragen und Antworten.NZZ-Redaktion14.05.2026, 22.05 Uhr7 LeseminutenIsraelische Soldaten schauen vom Kibbuz Nir Am aus zur zerstörten Stadt Jabalia im Gazastreifen.Erik Marmor / Getty Images EuropeDie neusten Entwicklungen:Israel plant, die «New York Times» sowie einen ihrer Journalisten wegen Verleumdung zu verklagen. Das teilt die Regierung am Donnerstag (14. 5.) mit. Grund ist ein Artikel, in dem behauptet wird, israelische Soldaten, Gefängniswärter und Siedler hätten in grossem Umfang sexuelle Gewalt an palästinensischen Gefangenen verübt. Der israelische Präsident Benjamin Netanyahu erklärte, er habe seine Rechtsberater angewiesen, «die strengsten rechtlichen Schritte» einzuleiten. Er sprach von Diffamierung und Verleumdung.Israelische Angriffe haben am Sonntag (10. 5.) mindestens drei Palästinenser in Gaza getötet. Wie das von der Hamas geführte Innenministerium mitteilte, kamen in Khan Yunis zwei Mitglieder der Polizei ums Leben. Eine weitere Person fiel einem Luftangriff aufs Flüchtlingslager Maghazi zum Opfer. Reuters hatte zuvor berichtet, dass Israel seine Angriffe auf die von der Hamas geführte Polizei in Gaza verstärkt hat. Die militante Gruppe setzt diese ein, um die Regierungsgewalt in den von ihr kontrollierten Gebieten wiederherzustellen. Das israelische Militär äusserte sich zunächst nicht zu den beiden Vorfällen.Israel hat zwei Aktivisten ausgeschafft, die nach dem Stopp der Gaza-Hilfsflotte nach Israel gebracht worden waren. Dies sei geschehen, nachdem die Ermittlungen gegen den Spanier Saif Abu Keshek und den Brasilianer Thiago Ávila abgeschlossen worden seien. Das teilte ein Sprecher des israelischen Aussenministeriums am Sonntag (10. 5.) auf der Plattform X mit. Ihnen wurde Provokation vorgeworfen. Israel werde «keinen Verstoss gegen die rechtmässige Seeblockade des Gazastreifens zulassen». Weitere Details zur Ausschaffung sind bis jetzt nicht mitgeteilt worden. Die beiden Aktivisten waren vor mehr als einer Woche nach Israel gebracht worden. Die Menschenrechtsorganisation Adalah, die die beiden vor Gericht vertrat, sprach von ihrer «rechtswidrigen Entführung». Israel warf Abu Keshek, der palästinensische Wurzeln hat, Verbindungen zur Terrororganisation Hamas vor. Spanien forderte seine sofortige Freilassung. Ávila wurden «illegale Aktivitäten» vorgeworfen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.InhaltsverzeichnisWie ist die aktuelle Lage im Konflikt zwischen Israel und der Hamas?Wie kam es zum Waffenstillstand?Was beinhaltet der 20-Punkte-Plan der USA?Wie aussichtsreich ist der Friedensplan?Wie ist die humanitäre Lage in Gaza?Ein Krankenwagen überquert den Grenzübergang bei Rafah.Wie ist die aktuelle Lage im Konflikt zwischen Israel und der Hamas?Seit Oktober 2025 gilt nach zweijährigem Krieg ein formeller Waffenstillstand in Gaza. Israel und die islamistische Hamas stimmten einem von den USA vorgelegten «Friedensplan» zu. Dessen erste Phase beinhaltete neben dem Ende der Kämpfe die Rückgabe von Geiseln und Gefangenen sowie den teilweisen Rückzug israelischer Truppen aus dem Gazastreifen. Zudem soll der Zugang für humanitäre Hilfe nach Gaza erleichtert werden. Die israelische Armee zog sich seither hinter vereinbarte Linien zurück, und die Hamas übergab lebende und tote Geiseln. Israel liess zudem palästinensische Gefangene frei.Die Lage bleibt aber fragil. Immer wieder kommt es zu Feuergefechten. Israel fliegt weiterhin Luftangriffe als Reaktion auf angebliche Verstösse gegen die Waffenruhe in Gaza. Laut Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden zwischen Beginn des Waffenstillstands und Ende Dezember 2025 mehr als 400 Palästinenser getötet, davon überwiegend Zivilisten. Die Uno-Kinderhilfsorganisation Unicef teilte im Januar mit, seit dem Waffenstillstand seien mehr als 100 Kinder in Gaza getötet worden. Auf israelischer Seite wurden laut der Nachrichtenagentur Reuters bis Mitte Januar drei Soldaten getötet. Auch hat die Hamas bis Mitte Januar noch nicht alle Geiseln zurückgegeben: Die sterblichen Überreste eines Israeli befinden sich weiterhin im Gazastreifen.Dennoch haben die USA am 14. Januar angekündigt, dass der Friedensplan in die zweite Phase starten soll. Ebenso wurden die Mitglieder einer Übergangsregierung aus palästinensischen Technokraten bekanntgegeben. Das Komitee soll den Gazastreifen vorübergehend verwalten. Diese Technokratenregierung soll von einem «Friedensrat» unter Trumps Leitung beaufsichtigt und unterstützt werden. Ob damit der Übergang zur zweiten Phase gelingt, ist ungewiss. Viele Punkte, etwa die Entwaffnung der Hamas oder der Einsatz einer internationalen Stabilisierungstruppe, sind noch ungeklärt.Der amerikanische Präsident Donald Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu trafen sich Ende Dezember 2025 in Florida, um die Implementierung der zweiten Phase des Friedensplans zu besprechen.Amos Ben Gershom/Israel Gpo / ImagoWie kam es zum Waffenstillstand?Im Herbst 2025 kam es zu indirekten, von Ägypten, Katar, der Türkei und den USA vermittelten Gesprächen zwischen Israel und der Hamas. Am 10. Oktober 2025 trat nach intensiven Verhandlungen der Waffenstillstand in Kraft. Im November 2025 segnete der Uno-Sicherheitsrat die Vereinbarung ab.Im Zentrum des Waffenstillstands steht ein von Donald Trump entwickelter 20-Punkte-Friedensplan. Der amerikanische Präsident und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu stellten den Plan erstmals im September 2025 im Weissen Haus vor.Davor war der internationale Druck für einen Frieden im Nahen Osten war vor allem wegen der katastrophalen humanitären Lage in Gaza gestiegen. Nachdem Israel Anfang September Hamas-Vertreter in Katar bombardiert hatte, was den Interessen der USA und von deren Partnern in den arabischen Golfstaaten zuwiderlief, wurde Trump aktiv. Er setzte den Sondergesandten Steve Witkoff und seinen in der Golfregion vernetzten Schwiegersohn Jared Kushner als Chefverhandler ein. Sie konnten sowohl Israel als auch mehrere arabische und muslimische Staaten für den 20-Punkte-Plan gewinnen.Was beinhaltet der 20-Punkte-Plan der USA?Der Plan will den Krieg im Gazastreifen beenden sowie einen Rahmen für Frieden und eine politische Ordnung in Gaza schaffen. Im Rahmen des ersten Teils des Abkommens sollten unter anderem alle aus Israel entführten lebenden und toten Geiseln übergeben werden. Im nächsten Schritt soll die Hamas entwaffnet und der Gazastreifen wieder aufgebaut werden. Hamas-Mitglieder, die sich zu einer friedlichen Koexistenz mit Israel und zur Niederlegung ihrer Waffen verpflichten, sollen eine Amnestie erhalten.Die zweite Phase sieht zudem eine Übergangsregierung für Gaza und eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) vor, die im Gazastreifen für Ordnung sorgen soll. Ein internationaler «Friedensrat» soll unter Leitung von Donald Trump die Übergangsregierung beaufsichtigen. Die israelische Armee soll aus dem Grossteil des Gazastreifens abziehen und bislang gehaltene Gebiete schrittweise an die ISF übergeben. Noch ist allerdings unklar, welche Länder Truppen für die ISF zur Verfügung stellen werden. Auch die palästinensische Übergangsregierung sowie der «Friedensrat» haben ihre Arbeit noch nicht aufgenommen.Wie aussichtsreich ist der Friedensplan?Donald Trump hat bereits im Herbst den «ewigen Frieden» im Nahen Osten ausgerufen. Ob seine Pläne aber für eine nachhaltige Ruhe im Gazastreifen sorgen oder gar eine Lösung des jahrzehntealten und komplexen Nahostkonflikt vorantreiben können, ist bisher noch nicht abzusehen.Das israelische Verteidigungsministerium hat mitgeteilt, dass Israel seine Truppen niemals vollständig aus dem Gazastreifen abziehen werde. Die israelische Regierung möchte zudem weiterhin die strategische Kontrolle über Gaza behalten, zum Beispiel durch Sicherheits- und Grenzkontrollen. Einflussreiche Minister der Regierung Netanyahu fordern längst eine Rückkehr zum Krieg, um die Hamas zu vernichten. Manche Vertreter der radikalen Siedlerbewegung sprechen sich auch für eine jüdische Besiedlung des Gazastreifens und die Vertreibung seiner Bewohner aus.Angehörige der radikalen Siedlerbewegung versammeln sich im Dezember 2025 während einer Veranstaltung zur Unterstützung einer israelischen Übernahme des Gazastreifens auf einem Hügel mit Blick auf den Gazastreifen.Maya Levin / APDie islamistische Hamas fordert derweil den vollständigen Rückzug israelischer Truppen aus dem Gazastreifen und ein Ende der israelischen Blockade. Sie hat sich zwar zuletzt bereit gezeigt, die politische Macht in Gaza abzugeben, eine Entwaffnung lehnt die islamistische Hamas jedoch ab. Israel befürchtet, dass sie versuchen wird, im Verborgenen ihre militärischen Fähigkeiten wieder aufzubauen und neue Angriffe gegen Israel vorzubereiten.Laut Trumps Plan soll im Gazastreifen demnächst die im Januar bestimmte Übergangsregierung die Macht übernehmen. Sie besteht aus palästinensischen Experten und Wirtschaftsvertretern, die zuvor von Israel auf Sicherheitsrisiken hin geprüft wurden. Während die israelische Regierung die Übergangsregierung zwar akzeptierte, aber eher unterkühlt auf deren Einbestellung reagierte, weckte sie auf der palästinensischen Seite Hoffnung. Wann das Technokratenkomitee tatsächlich seine Arbeit aufnimmt, ist noch unklar.Wie ist die humanitäre Lage in Gaza?Der zweijährige Krieg hat im Gazastreifen für eine verheerende humanitäre Krise gesorgt. Die Infrastruktur im Gazastreifen ist durch die israelischen Militärschläge weitestgehend zerstört, das Gebiet liegt in Trümmern. Kein Ort im Küstengebiet ist vom Krieg verschont geblieben. Laut der deutschen Analysefirma Vertical52, die Satellitendaten auswertet, wurden in den vergangenen zwei Jahren 78 Prozent aller Gebäude im Gazastreifen zerstört oder beschädigt. Der Wiederaufbau wird eine gigantische Herausforderung darstellen, etwa wegen Blindgängern und Tausenden Tonnen von Trümmern.Durch den Krieg und die Blockierung von Essens- und Hilfslieferungen war die Versorgungslage insbesondere im Sommer 2025 katastrophal. Im August 2025 riefen von der Uno unterstützte internationale Experten eine Hungersnot für die Stadt Gaza und die umliegenden Gebiete aus.Seit Beginn der Waffenruhe ist die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Gütern wieder angestiegen. Laut Berichten von Medien und Nichtregierungsorganisationen herrscht aber nach wie vor eine desolate humanitäre Lage. Die Mangelernährung, die Verbreitung von Krankheiten und das Ausmass der landwirtschaftlichen Zerstörung seien noch immer alarmierend hoch. Hinzu kommen Winterstürme und Starkregen, die bei der schlechten Versorgungslage verheerende Auswirkungen haben. Ein grosser Teil der Bevölkerung lebt in provisorischen Unterkünften. Laut dem Uno-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) bestehen immer noch Hindernisse für die Einfuhr von Hilfsgütern.Warum ist der Konflikt im Nahen Osten wieder eskaliert?Der Gaza-Krieg war von einem beispiellosen Massaker der Hamas und anderer extremistischer Organisationen am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Damals töteten die islamistischen Terroristen in Israel rund 1200 Menschen und verschleppten mehr als 250 Israeli in den Gazastreifen. Die israelische Armee lancierte umgehend Luftangriffe auf Hamas-Ziele und rückte später auch mit Bodentruppen in den Gazastreifen ein.In zwei verheerenden Kriegsjahren wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 71 000 Palästinenser im Gazastreifen getötet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Diese Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Ebenso unklar ist, wie viele Hamas-Kämpfer unter den Getöteten sind.Auf israelischer Seite wurden zusätzlich zu den Opfern der Massaker vom 7. Oktober 2023 laut Angaben des israelischen Militärs bis Ende 2025 466 israelische Soldaten getötet. Zudem kommt es immer wieder zu tödlichen Anschlägen von Hamas-Terroristen. Weitere Israeli wurden durch Raketenangriffe Irans und der libanesischen Schiitenmiliz Hizbullah getötet, die mit der Hamas verbündet sind.Mit Agenturmaterial.Passend zum Artikel
Waffenruhe im Gazastreifen – die wichtigsten Fragen und Antworten
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