«Polarisierung setzt Energie frei – aber man darf sie nicht in Extreme lenken», sagt Taiwans Cyber-Sonderbotschafterin Audrey TangAls erste Digitalministerin von Taiwan gelang es Tang, Proteste in politische Mitbestimmung umzuwandeln. Heute benutzt sie KI, um die Demokratie zu modernisieren. Auch für die Schweiz hat sie Ideen.11.04.2026, 05.30 Uhr11 LeseminutenSie macht sich mit KI auf die Suche nach dem überraschenden gemeinsamen Nenner: Taiwans Cyber-Sonderbotschafterin Audrey Tang.PixabayAudrey Tang nutzt technologische Systeme und macht damit die Stimmen der Einwohnerinnen und Einwohner bei politischen Prozessen hörbar. Die Cyber-Sonderbotschafterin und ehemalige Digitalministerin Taiwans gilt als Vordenkerin digitaler Demokratie.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Tang fand ihren Weg in die Politik über den Protest. 2014 half sie der Protestbewegung Sunflower Movement dabei, drei Wochen lang das Parlament zu besetzen. Die beiden Seiten der Taiwanstrasse waren damals dabei, ein Handelsabkommen auszuhandeln. Die Bewohnerinnen und Bewohner Taiwans fürchteten, dadurch noch abhängiger von Peking zu werden.Tang, die mit 8 Jahren lernte, zu programmieren, und mit 19 bereits eine eigene Softwarefirma gegründet hatte, baute eine digitale Plattform, um damit die Ängste und Hoffnungen der Bevölkerung abzufragen. Aus einer grossen Datenmenge an Antworten destillierte ihr System einen Vorstoss der Bevölkerung. 2016 wurde Tang zur Ministerin ernannt und war zuständig für digitale Angelegenheiten.Heute entwickelt Tang Systeme, mit denen sie KI gemeinwohlorientiert nutzen will. Zudem erstellt sie Lehrpläne für den Umgang mit Medien in einer Zeit, in der sich Menschen auf sozialen Netzwerken und bei KI-Chatbots informieren. Die NZZ traf sie an der Digital-Life-Design-Konferenz in München.Sie haben ein KI-Tool gebaut, dem die Bürgerinnen und Bürger Taiwans erzählen können, was sie beschäftigt. Vor allem, was sie nervt. Wieso?Es geht nicht nur um broadcasting – darum, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Beschwerden öffentlich machen können –, sondern um broad listening: Wir wollen diesen Beschwerden breit zuhören.Wie haben Sie realisiert, dass das online, also mit technologischen Plattformen, am besten geht?Menschen vertrauen und misstrauen online erstaunlich schnell, viel schneller als im direkten Gespräch. Mich hat interessiert, warum das im Netz so schnell geschieht. Und wie man digitale Systeme so gestalten kann, dass aus Misstrauen und Polarisierung ein gemeinsames Weiterdenken entsteht. Etwas, das man einen uncommon ground nennen könnte: einen überraschenden gemeinsamen Raum zwischen Menschen.Und? Haben Sie eine Antwort gefunden?Ich habe um die Jahrtausendwende mehrere Firmen mitgegründet, die sich genau damit befassten. 2012 mündete das in die G0v-Bewegung. Für jede Regierungs-Website haben wir eine offene Spiegelversion eingerichtet. Wenn Menschen mit einer offiziellen Seite unzufrieden waren, konnten sie dort zusammen ihre eigene Version entwickeln: Wie sollte ein Budget aussehen? Wie ein Wörterbuch? Es war eine Art zivilgesellschaftliche Parallelstruktur. Das war 2012. Zwei Jahre später unterstützten wir die Besetzung des Parlaments – und der Rest ist Geschichte.Im Sunflower Movement haben Sie ebenfalls die Meinung der Bevölkerung eingeholt. Aber es dauert und braucht Energie, seine Beschwerden auszuformulieren und an den Staat zu schicken. Warum tun die Menschen das?Die Menschen beklagen sich sowieso schon in den sozialen Netzwerken. Das ist also kein Hindernis. Der Unterschied ist: Wenn sie es auf unseren Plattformen tun, bewegt sich auch etwas. Wer aber doomscrollt, also gedankenlos und ohne absehbares Ende durch Social Media scrollt, fühlt sich immer machtloser – und scrollt trotzdem weiter. Wir verbringen also nicht mehr Zeit online, wir nutzen sie nur anders. Und lenken die Energie in etwas Positives.Und wie entsteht daraus ein Nutzen?Wir zeigen das stärkste Argument für eine Idee und das stärkste dagegen. Dann bringen wir beide Seiten zusammen, damit sie gemeinsam weiterdenken und etwas entwickeln. So wird Social Media prosozialer, weil es tatsächlich etwas verändern kann. Wir sprechen von einer join platform.Und das funktioniert?Ja, klar! Fast die Hälfte der taiwanischen Bevölkerung nutzt die gemeinsame Plattform.Das heisst, in Taiwan sind die Leute weniger auf Tiktok?Ich mag Tiktok. Wirklich. Aber in Taiwan sehen wir dort keinen starken Zuwachs. Seit einigen Jahren liegt der Anteil derjenigen, die Tiktok als wichtigste Plattform nutzen, bei etwa 4 Prozent.Viele bewegen sich inzwischen eher im sogenannten Fediverse. Das funktioniert ein wenig wie bei Podcasts: Man veröffentlicht auf einer Plattform, kann die Inhalte aber auf einer anderen hören. Man ist nicht an einen Anbieter gebunden. Wenn man den Mobilfunkanbieter wechselt, behält man seine Nummer. Der Anbieter muss sich also jeden Monat neu bewähren. Bei Tiktok geht das nicht. Wenn der Service schlecht ist, kann man nicht einfach wechseln – weil die eigene Community dort bleibt.Man steckt fest.Genau. Man steckt fest, weil man sonst seine Community verlieren würde. Im Fediverse hingegen kann man die Plattform wechseln und nimmt sein Netzwerk mit. In Taiwan ist Threads – das grösste von Meta betriebene Fediverse-Netzwerk – besonders stark verbreitet. Gemessen an unserer Bevölkerung nutzen es mehr Menschen aktiv als in jedem anderen Land. Und wir haben nur 23,5 Millionen Einwohner. Wir verbringen also mehr Zeit in einem Netzwerk, das Brücken baut – und weniger in einem, das uns festhält.Manche Menschen haben einen Spitznamen für Chat-GPT, bauen freundschaftliche, fast intime Beziehungen zu ihrem Sprachmodell auf. Führen KI-Modelle dazu, dass wir uns von anderen Menschen distanzieren?Kennen Sie dieses Meme, in dem ein Hund in einem brennenden Haus sitzt und sagt: «This is fine»? So ist es mit synthetischer Intimität. Man spürt Wärme und sieht das Licht, aber es gibt keine menschliche Verbindung. Sie fühlt sich nach Nähe an, doch sie ist künstlich. Und eigentlich entfernt sie uns Menschen voneinander.Im Moment wird davon gesprochen, dass der Mensch im Loop von KI sein soll. Ich sage: Die KI sollte im Loop von uns Menschen sein.Wie sieht eine KI aus, die sich im Loop von uns Menschen befindet?Lassen Sie mich das mit einem Beispiel erklären. Sagen wir, eine Familie kann sich nicht einigen, wohin sie in die Ferien fahren will. Jeder schärft mit seinem Chatbot die eigenen Argumente. Die Chatbots sind dazu entwickelt, uns Menschen zu schmeicheln. Sie werden die einzelnen Familienmitglieder davon überzeugen, dass ihre Idee die beste ist. Diskutieren die Menschen dann zusammen, wollen alle woanders hin. Dabei ginge es auch anders. Wenn die Familie als Gruppe mit einem KI-Modell chattet und das KI-Modell die Rolle eines Team-Coaches und nicht eines persönlichen Tutors einnimmt, kann es die Familie zusammenbringen.Können Sie ein reales Beispiel aus Taiwan nennen, bei dem ein Gruppen-Chatbot dazu beigetragen hat, einen Kompromiss zu finden?Als Uber in Taiwan auf den Markt kam, drohte der Konflikt zwischen Partnern der Plattform und Taxifahrern das Land zu spalten. Wir setzten Polis ein, eine KI-gestützte Plattform, auf der sich Tausende Bürgerinnen und Bürger beteiligen können. Das System machte unterschiedliche Standpunkte in Echtzeit sichtbar. Es zeigte, dass es trotz dem Konflikt einen groben Konsens in Fragen der Sicherheit und fairer Versicherungen gab. Mit diesem gemeinsamen Verständnis arbeiteten wir die Regulierung einer neuen, flexibler organisierten Taxi-Kategorie aus.Viele Menschen googeln heute nicht mehr, sondern fragen Chat-GPT. Sie lesen keine Zeitung, sondern informieren sich über Tiktok. Chatbots können Fehler machen, und auf sozialen Netzwerken kursieren Desinformationen. Sie haben in Taiwan unter anderem Lehrpläne entwickelt. Wie sollte die Medienbildung der heutigen Zeit aussehen?Früher ging es im Unterricht vor allem darum, Medien kritisch zu nutzen. Die neuen Lehrpläne, die wir entwickelt haben, legen den Schwerpunkt darauf, selbst Medien zu produzieren.Selbst Medien produzieren – was verstehen Sie darunter?Der Unterschied ist entscheidend: Wer Medien nur konsumiert, bleibt abhängig von Gatekeepern, von Journalistinnen, Ministerien, Professoren. Junge Menschen begegnen diesen Institutionen noch mit Respekt, aber sie empfinden sie oft nicht mehr als relevant. Sie verbringen ihre Zeit nicht dort, sondern viben mit Menschen, die klingen wie sie und die Welt ähnlich sehen.Und wie erreichen Sie junge Menschen?Wir binden sie ein. Sie prüfen gemeinsam Fakten, entwickeln Gegenerzählungen und setzen, wie wir sagen, «humor over rumor»: Humor statt Gerüchte. Oft reagieren sie auf Desinformation mit Memes.Was wollen Sie erreichen?Unsere Hoffnung ist, dass junge Menschen schon vor ihrem 18. Lebensjahr erleben, dass sie die Gesellschaft mitgestalten können. Indem sie gemeinsam Fakten klären, Luft- oder Wasserqualität messen und veröffentlichen – und so eine Gesellschaft aufbauen, die Falschinformationen standhält.Junge Menschen in Taiwan verbringen freiwillig ihre Zeit damit, zu messen, wie sauber die Luft ist?Ja.Macht das Spass?Ja. Sie können ihren Eltern oder Grosseltern dann sagen: Geht heute lieber nicht wandern, die Feinstaubwerte sind zu hoch. Viele lesen Faktenchecks aus journalistischen Medien nicht besonders gern, das interessiert sie wenig. Was ihnen gefällt, ist, gemeinsam Fakten zu überprüfen. Wenn sie das tun, lernen sie, Quellen abzuwägen und zu recherchieren, Dinge einzuordnen, mit Narrativen umzugehen. Das macht sie weniger anfällig für Aussagen, die polarisieren.In der Schweiz leben wir in einer direkten Demokratie, aber wir stimmen noch immer mit Papier und Stift ab. Was kann die Schweiz von einer technologischen Nation wie Taiwan lernen?Zunächst braucht es ein dezentrales Wallet-System. Menschen müssen nachweisen können, dass sie Bürgerinnen oder Bürger sind, dass sie in einer bestimmten Region leben oder volljährig sind – ohne sich zu identifizieren.Was heisst das konkret?Ich sollte beweisen können, dass ich über 18 bin und in Zürich oder Berlin lebe. Ohne meinen Namen, meine Adresse oder mein genaues Alter preiszugeben. Wenn man online vollständige Identitäten verlangt, entsteht ein Machtungleichgewicht. Menschen, die Missstände ansprechen wollen, tun das nicht unbedingt unter ihrem Klarnamen. Reine Anonymität funktioniert aber auch nicht, weil sonst Bots die Unterhaltung blockieren könnten. Was wir brauchen, ist eine partielle Anonymität: Man weist bestimmte Eigenschaften nach, ohne seine gesamte Identität offenzulegen.In Taiwan nutzen viele solche digitalen Nachweise bereits. Etwa um Pakete abzuholen. Das Wallet meldet aber keine Daten an das Ministerium zurück. Ich habe gehört, dass es in der Schweiz kürzlich eine Abstimmung über eine digitale Identität gab. Vielleicht können unsere Systeme künftig interoperabel sein.Die Schweiz wird mit der E-ID voraussichtlich ein solches System erhalten. Wie kommen wir zu partizipativen Lösungen, die aus der Bevölkerung heraus entstehen?Etwa, indem man mit Umfrageinstituten arbeitet. Früher musste man Umfragen standardisieren, im Sinne von: «Was bevorzugen Sie auf einer Skala von eins bis fünf?» Heute kann man offener fragen: «Was nervt Sie an der Regierung? Warum? Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie gemacht?» Früher liessen sich solche offenen Antworten kaum systematisch auswerten. Heute kann das generative KI.Können Sie ein konkretes Beispiel machen?In den USA haben wir aus jedem Kongresswahlkreis zufällig fünf Personen ausgewählt, insgesamt 2400 Menschen. Wir haben sie gefragt: «Was bedeutet Gleichheit für Sie? Was bedeutet Freiheit? Welche persönlichen Erfahrungen verbinden Sie damit?» So konnten wir Menschen, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzen, mit solchen verbinden, die aus religiöser Überzeugung an die Schöpfungsgeschichte der Bibel glauben. Beide sorgen sich um die Umwelt, sie könnten also zusammenarbeiten. Wenn man nur Skalen abfragt, sieht man diese Verbindung aber nicht.Sie haben einmal gesagt, Polarisierung sei eine Illusion.(Lacht.) Sie ist Energie.Wie meinen Sie das?Wenn Menschen überzeugt sind von ihrer Position und sie verteidigen wollen, etwa Klimagerechtigkeit oder die Schöpfungsgeschichte der Bibel, dann entsteht enorm viel Energie. Doch sie wird verschwendet. Denn Menschen streiten über die am stärksten polarisierenden Punkte. Und übersehen, dass sie auch Gemeinsamkeiten haben. Der überraschende gemeinsame Nenner, der surprising middle ground, wird oft gar nicht sichtbar, weil soziale Netzwerke mithilfe von Empörung Aufmerksamkeit maximieren. Man sieht nur den extremsten Kommentar der jeweils anderen Seite – und reagiert darauf.Und die KI-Chatbots bestärken Personen noch in ihrer extremen Meinung.Genau. Sie befeuern diese Dynamik. Aber man kann sie auch umdrehen. Man kann dafür sorgen, dass nicht die extremen Positionen viral gehen, sondern der überraschende gemeinsame Nenner. Wenn Menschen merken, dass sie sich in etwas einig sind, entsteht daraus neue Energie. Dann kann man gemeinsam weiterdenken. Und Polarisierung, diese Energie der Beteiligung, nicht in Extreme lenken, sondern in gemeinsame Ideen.Wie sieht so ein gemeinsamer Nenner aus?Ich kann es Ihnen zeigen. (Öffnet eine Website auf dem Laptop.) Auf «Freedom. We the People» fragten wir die Menschen: «Was bedeutet Freiheit für Sie?» Dann antworten sie, und das Sprachmodell fragt nach: «Was ist Ihre persönliche Erfahrung? Wie hängt das mit Ihrer Lebensgeschichte zusammen?» Und dann erzählen sie ihre Geschichte. Anschliessend bauen wir eine Art soziale Übersetzung, damit Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen sehen können, dass sie oft in denselben Kernideen übereinstimmen.Zum Beispiel?Zum Beispiel, ob Sie glauben, dass Menschen mit grundlegenden Rechten geboren werden, die der Staat ihnen nicht gibt und ihnen auch nicht nehmen kann. Oder ob Freiheit die Möglichkeit ist, zu tun, was man möchte, solange man anderen nicht schadet. Je mehr Fragen man beantwortet, desto mehr sieht man die Verbindung zu anderen Menschen.Und es stellte sich heraus, dass in den USA 97 Prozent der Befragten zustimmen, dass gute Werte zu Hause entstehen, dass Eltern die Aufgabe haben, ihren Kindern Respekt und Freundlichkeit beizubringen. Selbst bei den am stärksten polarisierten Themen – etwa der Idee, dass wir Menschen nur nach ihren Fähigkeiten und ihrem Charakter beurteilen können, wenn alle die Freiheit haben, diese zu entwickeln – gab es nahezu 70 Prozent Zustimmung. In diesem Sinne gibt es in den USA keine Polarisierung.Das ist eine krasse Aussage.Man geht oft davon aus, dass es viele Kontroversen und starke Polarisierung gibt. Und ja, bei einzelnen Themen gibt es Unterschiede. Aber sehr viele Fragen sind weder stark polarisiert noch ideologisch aufgeladen. Bei Themen wie medizinischer Versorgung oder dem Erhalt historischer Gebäude herrscht breite Zustimmung.Was machen Sie mit der theoretischen Erkenntnis dieses «gemeinsamen Nenners»? Wie entsteht daraus Handlung?Wir arbeiten mit Menschen, die in den Bereichen aktiv werden, die sie betreffen. Sie arbeiten Vorstösse aus. Im Bereich Stadtentwicklung sind sich in Kentucky zum Beispiel alle einig, dass Versorgungsleitungen unter die Erde verlegt werden sollten und dass die Stadt eine eigene Identität entwickeln sollte, unabhängig von Nashville, der nahe gelegenen Grossstadt. Was die Menschen sehen können, ist: Sie stimmen in den meisten Fragen mit den meisten ihrer Nachbarn die meiste Zeit überein.Wenn sich alle einig sind, braucht es keine Debatte. Geht es in der Politik nicht vielmehr darum, dass verschiedene Gruppen ihre Interessen und Werte in Detailfragen durchsetzen? Wie stellen Sie sicher, dass die KI die Meinungen von Minderheiten nicht übergeht?Politik heisst nicht, dass alle derselben Meinung sind. Es geht darum, einen gemeinsamen Nenner zu finden, mit dem wir weiterarbeiten können, und gleichzeitig die unterschiedlichen Interessen zu respektieren. KI soll diesen Konsens nicht festlegen. Werkzeuge wie Polis machen lediglich sichtbar, wo sich unsere Ansichten bereits überschneiden. Die Technologie zeigt, wo die Stimmung in der Bevölkerung liegt, die politische Entscheidung selbst treffen weiterhin Menschen im direkten Austausch.Mit den Überschneidungen können politische Entscheidungsträger arbeiten.Ja. Wenn sie das tun, erhöhen sie ihre Chancen auf Wiederwahl.Taiwan steht mit TSMC, dem weltweit grössten Auftragsfertiger für Halbleiter, im Zentrum des Ausbaus von KI-Infrastruktur. Gleichzeitig konkurrieren die Weltmächte um technologische Vorherrschaft. Welche Rolle spielt Taiwan in dieser Dynamik?Wir produzieren nicht nur Chips. Wir bauen auch eine vertrauenswürdige, cyberresiliente Lieferkette auf, die diese Infrastruktur trägt.Als ich Digitalministerin war, habe ich mit TSMC am Standard E187 gearbeitet. Dieser Cyberresilienz-Standard hilft uns, dass sich selbst dann, wenn ein Zulieferer kompromittiert wird, ein Angriff nicht unkontrolliert im System ausbreiten kann. Wir vermeiden es, übermässig von einem einzigen Anbieter abhängig zu sein.Dieses Denken setzt sich inzwischen weltweit durch. Wenn man nur ein Unterseekabel oder ein einziges Rechenzentrum hat, reicht ein Zwischenfall – und alles fällt aus. Das ist sehr fragil.Warum ist das gerade für Taiwan zentral?Taiwan gehört seit Jahren zu den Hauptzielen von Polarisierungskampagnen. Laut dem Forschungsinstitut V-Dem sind wir weltweit besonders stark von Operationen der Einflussnahme betroffen. Wir erleben fast 3 Millionen Cyberangriffe pro Tag. Man könnte sagen: Andere Länder zahlen für Penetrationstests – wir bekommen sie kostenlos von unserem «freundlichen Nachbarn» China.Was können andere Länder von Taiwan lernen?Taiwans Beitrag liegt darin, Sicherheit nicht nur als Verteidigungsfrage zu verstehen, sondern als Frage der Resilienz.Und wir haben gezeigt: Polarisierungsangriffe oder Desinformation machen uns nicht weniger frei. Sie können uns sogar freier machen, weniger anfällig für Panik. Etwa bei der Bekämpfung von Falschinformationen. Hier sehen wir: Wenn Menschen gemeinsam Kritik äussern können, führt das zu besseren Reaktionen.Passend zum Artikel
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