PfadnavigationHomePanoramaSchulhof-VerbotÄrger um „Erika“ – Schule in NRW verbietet Lied aus der NS-ZeitStand: 13.05.2026Lesedauer: 3 MinutenJanuar 1944: Mitglieder der Hitler-Jugend werden von Wehrmachtssoldaten am Maschinengewehr ausgebildet Quelle: picture alliance/SZ PhotoZünftige Musik und eine Ode an „Erika“: Im Internet ist ein deutsches Marschlied von 1938 wieder populär, auch viele Schüler streamen das Lied. Grund genug für eine Schule in NRW, nun durchzugreifen.Das Lied kursiert auf Tiktok und Instagram, und manchmal wird „Erika“ dann auch per Smartphone auf dem Schulhof abgespielt. Dass der Titel von Komponist Herms Niel (laut Wikipedia NSDAP-Mitglied seit 1933) von den Nationalsozialisten gerne in Unterhaltungs- und Rundfunksendungen benutzt wurde und sich der Sehnsucht des marschierenden Soldaten nach seinem „Mädel“ widmet, dürfte Teenagern des Jahres 2026 dabei zumeist völlig unbekannt sein.Wie die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) jüngst meldete, sah eine Schule in Nordrhein-Westfalen gerade deshalb nun aber offenbar Handlungsbedarf. Demzufolge sollen Schüler des Gymnasiums Überruhr (rund 1100 Schüler) den Titel einander nicht mehr auf dem Schulhof vorspielen oder einander via Mobiltelefon oder das Internet weiterleiten, wie es in einem entsprechenden Schreiben von Schulleitung und der Antidiskriminierungsbeauftragten an Eltern und Schüler heißt. Auch RTL griff das Thema in einem Beitrag auf.Offiziell verboten oder auf dem Index steht „Erika“ – auch bekannt als „Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein“ – übrigens nicht. Auf Streamingplattformen wie „Spotify“ gibt es verschiedene Versionen des Titels bis hin zu Techno- und KI-Remixen, die teils millionenfach gestreamt wurden. Klingelton-Versionen kursieren, ebenso nutzen einschlägige rechtspopulistische Accounts das Lied.Aus gegebenem Anlass gibt das Essener Gymnasium deshalb der Eltern- und Schülerschaft Nachhilfe im Fach (Musik-)Geschichte. „Es handelt sich um ein Marsch-Lied, das im Zweiten Weltkrieg zur Motivation deutscher Soldaten diente“, zitiert die WAZ aus dem Schreiben zu „Erika“. Und weiter: „Solche Lieder waren Teil der Propaganda des NS-Regimes und unterstützten ideologisch den Krieg sowie die Verbrechen dieser Zeit.“ Auch wenn der Text auf den ersten Blick harmlos und unauffällig zu sein scheine, sei das Lied von NS-Propaganda instrumentalisiert worden, heißt es zusammenfassend.Lesen Sie auchIn der letzten Strophe fällt in der Tat der Bezug zu Armee und einem denkbaren Soldaten-Tod fürs Heimatland auf, wenn es heißt: „Und dann ist es mir, als spräch’ es laut: Denkst du auch an deine kleine Braut? In der Heimat weint um dich ein Mägdelein. Und das heißt: Erika.“„Klare Haltung“ gegenüber solchen Inhalten gefordert„Wir wollten unbedingt unsere Schüler und Eltern für das Thema sensibilisieren“, zitiert die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ die Leiterin des Gymnasiums Überruhr, Ina Delank. Außerdem, so die Pädagogin weiter, sei es „Auftrag“ der Schule, „eine klare Haltung zu demonstrieren gegen Inhalte, die den Nationalsozialismus bewerben oder verharmlosen“. Lehrer und auch Eltern müssten zudem sensibilisiert werden für teils fragwürdige Inhalte, die sich im Internetzeitalter und durch soziale Medien teils rasend schnell verbreiten würden. Lesen Sie auchHilfreich sei, dass die Schule bereits seit Beginn jetzt „handyfrei“ sei. Sprich, die Smartphones müssen während des Unterrichts ausgeschaltet in den Taschen der Kinder oder im Klassenzimmer in einem Schrank sein. Dass Naziinhalte quasi durch die Hintertür und über die Populärkultur aber doch in das Leben der Schüler schwappten, zeige jedoch, wie wichtig die Betreuung durch die Pädagogen sei, so die Schulleiterin. „Wir müssen viel mehr Aufklärungsarbeit leisten als für die Generationen zuvor“, warnt Ina Delank in dem Gespräch mit der WAZ weiter.Sie habe deshalb die Lehrkräfte der Schule auch aktiv dazu angehalten, Zitat, „Phänomene wie das Lied ‚Erika‘ im Unterricht angemessen zu thematisieren“. krott