Jetzt kommt es ganz anders, als es sich der Hessische Rundfunk einmal ausgedacht hatte. Vor vielen Jahren meldete der Sender am 1. April die Abspaltung „Katholisch-Osthessens“ mit der Bischofsstadt Fulda als Regierungssitz und dem früheren Oberbürgermeister Alfred Dregger als Landesvater. Das erschien vielen rund um Frankfurt eigentlich ganz plausibel, war aber natürlich ein Scherz. Tatsache ist, dass Fulda vom 12. Juni an zur – Vorsicht, Floskel – heimlichen Hauptstadt des Bundeslands wird: Zehn Tage lang wird dann der Hessentag gefeiert. Jetzt ist das Programm vorgestellt worden – mit dem Versprechen, das Landesfest in die Innenstadt zu holen.Eins steht schon fest: Kaum eine Stadt hat sich so lange auf den Hessentag vorbereiten können wie Fulda. Denn eigentlich sollte das Zentrum Osthessens schon 2021 Gastgeber von Konzerten, Ausstellungen und Imbissständen werden, dann aber musste das Landesfest wegen der Pandemie abgesagt werden. Immerhin kann nun mit fünf Jahren Verzug auf die damals schon geleistete Arbeit zurückgegriffen werden.Die Absage von 2021 hat noch einen weiteren Nebeneffekt: Vera und Max Dudyka haben sich wirklich ausgiebig auf ihre Rolle als – Zitat Vera – „das ewige Hessentagspaar“ vorbereiten können. Damals waren die beiden liiert, inzwischen sind sie ein Ehepaar und hoffen, mit der dreijährigen Tochter Flora zwischen ihren offiziellen Terminen auch einige der Angebote für Kinder besuchen zu können.Symbolfiguren: Fuldas Hessentagspaar Vera und Max DudykadpaApropos Erfahrung: Eine Premiere ist das Landesfest für Fulda nicht. Schon 1990 war die Stadt Gastgeberin des ersten Hessentags nach der Wiedervereinigung Deutschlands, und an die „euphorische Stimmung“ erinnert sich Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) bis heute. Er trat damals als Musiker einer Schülerband auf und ist „froh darüber, dass es keine Fotos davon mehr gibt“. Auf ein Alleinstellungsmerkmal des Hessentags 2026 weist bei der Programmvorstellung Staatssekretär Benedikt Kuhn (CDU) hin, der sich als Chef der Staatskanzlei mundartlich auch für den Titel des „Landekerwweborsch“ qualifiziert: Der 63. Hessentag findet zum Jubiläum der Gründung des Landes Hessen vor 80 Jahren statt.Nachhaltig und regional soll der Hessentag laut Wingenfeld werden, ein „Landesfest der kurzen Wege“. Denn die Schauplätze konzentrieren sich in der Fuldaer Innenstadt, von der drei Kilometer langen Hessentagsstraße bis hin zum Domplatz, der zum Schauplatz der Konzerte während des Festes wird. Ein bewährter Veranstaltungsort: Die Domplatzkonzerte sind überregional bekannt. Zum Hessentag werden dort für die Älteren unter anderem Roland Kaiser, Peter Maffay und die Band Roxette auftreten, der in der Stadt geborene Rapper Bengio dürfte ein jüngeres Publikum finden.Der Domplatz wird zur „Hessentags-Arena“Dass die „Hessentags-Arena“ mitten in der Stadt mit ihren an die 66.000 Einwohnern liegt, zeichnet nach Meinung der Organisatoren das Fuldaer Konzept aus. Nachhaltig, das heißt für Wingenfeld, den Bestand zu nutzen, statt temporär aufzubauen. Als Beispiel nennt er das „Konzepthaus Karl“ in der Innenstadt: Im ehemaligen Kaufhaus Kerber wird unter anderem die Landesausstellung aufgebaut. Darauf freut sich Kuhn: Ansonsten findet die Schau in mobilen Messehallen statt.Nach Angaben der Organisatoren werden während des zehntägigen Festes mehr als 1200 Programmpunkte angeboten, die meisten sind für die Besucher unentgeltlich. Dazu zählen Klassiker wie die Sonderschau „Der Natur auf der Spur“ und natürlich der Umzug zum Ende des Hessentags mit laut Wingenfeld 120 teilnehmenden Gruppen. Auch Polizei und Feuerwehr werden beim „Tag der Polizei“ und am „Tag der ehrenamtlichen Einsatzkräfte“ vertreten sein.So sicher wie den Umzug wird es auch 2026 wieder Diskussionen über die Kosten des ältesten und größten Landesfests in Deutschland geben. Denen versucht Benedikt Kuhn schon bei der Programmvorstellung den Wind aus den Segeln zu nehmen: Man dürfe den gesellschaftlichen Wert des Hessentags nicht unterschätzen. Immerhin hatte der damalige Ministerpräsident Georg-August Zinn (SPD) das Fest ins Leben gerufen, um ein Gefühl für Heimat und Zusammengehörigkeit von Eingesessenen und Zugezogenen zu stiften. Das sei, so Kuhn, „aktueller denn je“. Und er spricht von einer „Investition in die Region“. Bisher habe die Stadt 1,8 Millionen Euro Investitionsmittel abgerufen, unter anderem für das Stadtschloss und den Schlossgarten.Das Programm des Hessentags und auch Hinweise zur Anreise finden sich im Internet unter der Adresse hessentag-fulda.de.
Hessentag 2026: Programm für Fulda vorgestellt
Nicht einmal mehr ein Monat, dann ist Hessentag. Gefeiert wird er diesmal in Fulda – und die Vorfreude in der osthessischen Stadt ist groß.






