Am Dienstag hat das amerikanische Unternehmen Anthropic, das hinter dem KI-Chatbot Claude steht, sein Angebot für die Rechtsberatungsbranche erweitert. Unter „Claude for Legal“ bietet Anthropic nun zwölf Zusatzprogramme an, die Nutzer bei spezifischen juristischen Fragen und Arbeitsabläufen vom Gesellschaftsrecht bis zum gewerblichen Rechtsschutz unterstützen.Bedeutsam ist außerdem die Zahl der namhaften Konnektoren, also der Drittanbieter, auf die der KI-Chatbot nun zugreifen kann. So bietet Anthropic Kanzleien, Rechtsabteilungen und Studierenden die Möglichkeit, über Claude mit schon etablierten Plattformen wie Thomson Reuters, Docusign und Harvey, einem vor allem von US-Großkanzleien häufig genutzten KI-Dienstleister, zu arbeiten.Die Veröffentlichung der „Cowork-Tools“ für die Rechtsbranche führe zwangsläufig zu einem steigenden Interesse an Claude unter Anwälten, sagte Mark Pike, stellvertretender Chefjurist von Anthropic, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Grundsätzlich würden Anwälte Claude so häufig nutzen „wie kein anderer Berufsstand“, mit Ausnahme von Softwareentwicklern, betonte Pike mit Blick auf das große Interesse an der Einführung des Produkts.Erstes „KI-Plugin“ sorgte für heftige Reaktionen an KapitalmärktenEs ist nicht der erste Vorstoß von Anthropic auf den internationalen Rechtsmarkt. Im Februar veröffentlichte der KI-Betreiber für seinen Chatbot Claude ein spezielles „Legal“-Zusatzmodul, das seinerzeit nur Nutzer mit Pro- und Unternehmenslizenzen mit höheren Compliance-Anforderungen nutzen konnten. Einige Unternehmen im Legaltech-Bereich wie das auf juristische Recherchen spezialisierte Start-up Midpage reagierten umgehend und integrierten Claude in ihr Angebot.An den Märkten führte dieser Schritt zu einem breiten Abverkauf von Aktien von Software- und Datenanbietern. Wertpapiere von Thomson Reuters verloren rund 18 Prozent an Wert. Auch der Kurs des an der Amsterdamer Börse notierten Konzerns Wolters Kluwer, dem unter anderem das deutsche KI-Start-up Libra gehört, gab um 13 Prozent nach.Enge Partnerschaft mit FreshfieldsIm April kündigte Anthropic dann eine mehrjährige strategische Partnerschaft mit der internationalen Großkanzlei Freshfields an. Damit steht den mehr als 5700 Mitarbeitern in aller Welt der Zugang zur Nutzung von Claude offen. Neben der Automatisierung interner Abläufe stehen für die Anwälte dabei die juristische Recherche, die Dokumenterstellung, die Vertragsprüfung und die Begleitung von Transaktionen (Due Diligence) im Fokus.Freshfields berät Anthropic schon zu bestimmten Rechtsfragen und festigt damit auch seine Mandatsbeziehung. Anthropic wiederum positioniert sich damit im lukrativen Geschäft mit Großkanzleien. Bislang nutzen viele internationale Wirtschaftskanzleien Copilot von Microsoft, das Angebot von Harvey oder das des schwedischen KI-Unternehmens Legora.