PfadnavigationHomePanoramaSchwarz-Weiß-Denken„Werde immer resignierter, wenn ich das Verdummungsmedium Fernsehen beobachte“, beklagt WolffsohnStand: 12.05.2026Lesedauer: 2 MinutenImmer häufiger werde nur noch schwarz oder weiß gemalt, kritisiert der HistorikerQuelle: Amin Akhtar u. Martin U. K. Lengemann/WELTNur Schwarz oder Weiß: Historiker Michael Wolffsohn sieht eine gefährliche Entwicklung. Medien und Gesellschaft würden immer stärker vereinfachen. Gerade in Debatten über Israel und die Juden.Der Historiker Michael Wolffsohn (78) sieht ein zunehmendes Schwarz-Weiß-Denken in Medien und Gesellschaft und warnt vor daraus folgenden Gefahren. „Ich werde immer resignierter, wenn ich das Verdummungsmedium Fernsehen – von den sozialen Medien ganz zu schweigen – beobachte, wo immer häufiger nur noch schwarz oder weiß gemalt wird“, sagte er am Dienstagabend in Würzburg. Diese Entwicklung trage zu einer immer stärkeren Polarisierung in der Gesellschaft bei.Egal um welche Themen es gehe, gebe es nie nur Schwarz und Weiß, fügte Wolffsohn hinzu. Umso wichtiger sei es, zu differenzieren und auch die Grautöne im Blick zu behalten, statt allzu oft zu vereinfachen und zu pauschalisieren.Problematisch: „Israelis sind die neuen Nazis“Als aktuelle Beispiele nannte er die Debatten über den Gaza-Krieg und den Iran-Krieg. Wie hier vor allem über Juden und über Israel berichtet werde, lasse viel zu oft jede Differenzierung vermissen – bis hin zu Formulierungen wie „Israelis sind die neuen Nazis“. Bei aller auch berechtigten Kritik an der Politik Israels dürfe die Berichterstattung nicht beim Leid der Menschen in Gaza stehen bleiben, sondern müsse auch die dahinterliegenden Entwicklungen betrachten.Lesen Sie auchDie aktuelle Debattenkultur bereite ihm große Sorgen, fügte Wolffsohn hinzu. Besonders problematisch finde er viele sehr einseitige Positionierungen und Entwicklungen an etlichen Universitäten, die eigentlich der Hort informierter, tiefgründiger und differenzierter Debatten sein müssten.War Karajan ein überzeugter Nazi?Auch Menschen seien nie nur schwarz oder weiß in ihrem Verhalten, betonte der jüdische Historiker. Dabei bezog er sich auch auf den Dirigenten Herbert von Karajan (1908-1989). In seinem neuen Buch „Genie und Gewissen – Herbert von Karajan zwischen Musik und Nationalsozialismus“ kommt Wolffsohn zu dem Schluss, dass der Musiker trotz seiner frühen NSDAP-Mitgliedschaft kein überzeugter Nationalsozialist gewesen sei. Er sei vor allem aus opportunistischen Gründen in die Partei eingetreten, um seine berufliche Zukunft abzusichern.Lesen Sie auchIm Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte der Historiker kürzlich gesagt: „Ich sage ja nicht, dass Karajan ein Widerstandskämpfer war. Das war er nicht. Aber ich versuche, im Gegensatz zu anderen, nicht schwarz-weiß zu malen, sondern die Grautöne zu erkennen.“Lesen Sie auchWolffsohn sprach bei einer Veranstaltung der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ im Vorfeld des Katholikentags. Die Zeitung hatte ihn eingeladen, um als Sohn und Enkel von Holocaust-Überlebenden von seinen Karajan-Recherchen zu berichten.KNA/doli
Schwarz-Weiß-Denken: „Werde immer resignierter, wenn ich das Verdummungsmedium Fernsehen beobachte“, beklagt Wolffsohn - WELT
Nur Schwarz oder Weiß: Historiker Michael Wolffsohn sieht eine gefährliche Entwicklung. Medien und Gesellschaft würden immer stärker vereinfachen. Gerade in Debatten über Israel und die Juden.







