PfadnavigationHomeRegionalesHamburgErmittlungenTerrorverdächtiger in UKE-Psychiatrie verhaftet – Dünger für Sprengstoff im Klinikzimmer gelagertVon Denis FenglerRedakteur WELT/WELT AM SONNTAG HamburgStand: 12.05.2026Lesedauer: 4 MinutenEin 17-jähriger Syrer soll in Hamburg einen Anschlag geplant haben. Die Ermittler fanden bei ihm Materialien für Sprengsätze. „Wie weit er schon war, lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sagen“, berichtet WELT-Autor Denis Fengler.Der 17‑jährige Syrer, der laut Ermittlern einen Anschlag plante, war bereits polizeibekannt und psychisch auffällig. Er hielt sich seit 2022 legal in Deutschland auf und war als anerkannter Flüchtling eingereist. Verhaftet wurde er in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKE.Der in Hamburg festgenommene Terrorverdächtige hielt sich nach neuesten Erkenntnissen legal in Deutschland auf. Wie die Innenbehörde der Hansestadt bestätigte, besitzt der 17-Jährige die syrische Staatsbürgerschaft und verfügt über eine gültige Aufenthaltserlaubnis. Ihm wurde die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt, nachdem er im Zuge der Familienzusammenführung aus der Türkei eingereist war. Er reiste am 4. April 2022 gemeinsam mit seiner Mutter ein und wurde in Hamburg registriert. Seitdem wohnt er mit den Eltern in einer gemeinsamen Wohnung in Hamburg.Lesen Sie auchGleichzeitig belasten ihn schwere Vorwürfe der Ermittlungsbehörden. Auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg sitzt der Jugendliche inzwischen in Untersuchungshaft im Hamburger Jugendgefängnis auf der niedersächsischen Elbinsel Hahnöfersand . Ihm wird vorgeworfen, eine terroristische Straftat, einen Anschlag, vorbereitet und entsprechende Mittel organisiert zu haben.Nach bisherigen Erkenntnissen plante der Beschuldigte, eine unbestimmte Zahl von „Ungläubigen“ zu töten. Als mögliche Ziele eines Anschlags sollen ein Einkaufszentrum, eine Bar oder auch eine Polizeiwache in Betracht gezogen worden sein. Die Ermittler gehen davon aus, dass er mehrere Varianten durchdachte: eine Explosion mit selbst hergestelltem Sprengstoff, einen Angriff mit Molotowcocktails oder alternativ mit einem Messer.Für die Umsetzung soll sich der 17-Jährige bereits konkrete Materialien beschafft haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft fanden Beamte bei Durchsuchungen unter anderem Universaldünger, flüssigen Grillanzünder, eine Sturmhaube und ein Messer – Gegenstände, die als mögliche Tatmittel oder zur Vorbereitung dienen können. Allerdings sollen die Komponenten nach Informationen von WELT noch nicht ausgereicht haben, um Sprengstoff zu erstellen. Zudem hätten weitere Komponenten gefehlt.Lesen Sie auchFestgenommen wurde der Jugendliche am 7. Mai von Spezialeinsatzkräften der Polizei Hamburg. Wie WELT erfuhr, erfolgte der Zugriff in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Dort war der 17-Jährige untergebracht. In seinem Klinikzimmer sollen auch die Komponenten für den Sprengstoff, die Sturmhaube und das Messer sichergestellt worden sein. Wie der Tatverdächtige diese Sache in die Klinik bringen konnte, ist völlig unklar. Das UKE wollte sich zu dem Fall nicht äußern. Aus Datenschutzgründen könnten keine Angaben zu Patienten gemacht werden, sagte eine Sprecherin. Allerdings wirft der Vorfall erhebliche Fragen nach den Sicherheitsstandards und Sicherheitsvorkehrungen auf der Psychiatrieabteilung auf. Auch die Hamburger Staatsanwaltschaft wollte sich nicht dazu äußern.Der Verhaftung des 17-Jährigen waren umfangreiche Ermittlungen mehrerer Sicherheitsbehörden vorausgegangen. Neben dem Landeskriminalamt Hamburg waren auch der Bundesnachrichtendienst (BND), das Bundesamt für Verfassungsschutz und das Bundeskriminalamt in den Fall eingebunden. Ihre Erkenntnisse führten letztlich zu der Entscheidung, schnell zuzugreifen.Die entscheidenden Erkenntnisse kamen vom BND. Wie WELT erfuhr, soll der Jugendliche auf dem Messengerdienst Telegram seine Anschlagsvorbereitungen kommuniziert haben. Ob auch ausländische Nachrichtendienste in die Ermittlungen eingebunden waren, ist nicht bekannt.Die Ermittler sehen Hinweise darauf, dass die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) als ideologische Inspiration für das mutmaßliche Anschlagsvorhaben diente. Eine feste Einbindung in entsprechende Strukturen ist bislang jedoch nicht nachgewiesen. Vielmehr gehen die Behörden davon aus, dass der Jugendliche mit der Ideologie sympathisierte und sich mutmaßlich radikalisiert hatte.Verbotene IS-Symbole gepostetWie genau diese Radikalisierung verlief, ist derzeit noch Gegenstand der Ermittlungen. Auch mögliche Kontakte oder Unterstützer werden überprüft. In einem früheren Verfahren war bereits gegen den 17-Jährigen ermittelt worden, da er in sozialen Netzwerken verbotene IS-Symbole gepostet hatte. Der Vorwurf lautete: Verstoß gegen das Vereinsgesetzt. Lesen Sie auchZudem war der Jugendliche bereits mit anderen Straftaten in Erscheinung getreten, woraufhin eine psychiatrische Begutachtung des Beschuldigten veranlasst wurde. Das Ergebnis der Begutachtung steht allerdings noch nicht fest, erfuhr WELT. Unklar war, ob die Begutachtung zum Zeitpunkt der Festnahme überhaupt bereits begonnen hatte. Um welche Art von Straftaten es sich handelt, ist aktuell noch unklar. Möglicherweise diente der UKE-Aufenthalt zur Erstellung des Gutachtens.Der Fall reiht sich in eine Serie von Verfahren ein, bei denen Sicherheitsbehörden mutmaßlich islamistisch motivierte Anschlagspläne frühzeitig aufdecken. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt wertete den Zugriff als Beleg für die hohe Wachsamkeit der Sicherheitsorgane und verwies auf eine weiterhin angespannte Gefährdungslage. Für den Jugendlichen gilt ungeachtet der Vorwürfe die Unschuldsvermutung.
Ermittlungen: Terrorverdächtiger in UKE-Psychiatrie verhaftet – Dünger für Sprengstoff im Klinikzimmer gelagert - WELT
Der 17‑jährige Syrer, der laut Ermittlern einen Anschlag plante, war bereits polizeibekannt und psychisch auffällig. Er hielt sich seit 2022 legal in Deutschland auf und war als anerkannter Flüchtling eingereist. Verhaftet wurde er in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKE.







