PfadnavigationHomeRegionalesHamburgDeutsches Spring- und Dressur-DerbyBereit zum ganz großen SprungVon Carsten HarmsStand: 13.05.2026Lesedauer: 5 MinutenKonzentrierte Reiter und Pferde, ein gebanntes Publikum – in Klein Flottbek kommt in dieser Woche beides im Derbypark zusammen Quelle: picture alliance/HMB Media/Fernando SoaresAm Mittwoch startet in Klein Flottbek das Deutsche Spring- und Dressur-Derby. Turnierchef Rath nimmt dabei eine entscheidende Änderung vor – und wirbt für Olympia in der Hansestadt.Noch wird im idyllisch gelegenen Derbypark in Klein Flottbek an den letzten Details gewerkelt: Fleißige Hände bauen Zelte auf und zimmern Hütten zusammen. Spätestens Mittwochmorgen muss alles fertig sein und sich im Topzustand präsentieren. Dann werden die ersten Zuschauer auf die Anlage an der Jürgensallee und Baron-Voght-Straße strömen, um sich von acht Uhr an die ersten Prüfungen des Deutschen Spring- und Dressur-Derbys anzuschauen. Zum 95. Mal wird dieses aus Hamburgs Sportkalender nicht wegzudenkende Event ausgetragen. Es ist, wie immer bei solch traditionsreichen Veranstaltungen, keine leichte Aufgabe für die Organisatoren, sinnvolle Neuerungen einzuführen, ohne den typischen Charakter zu beschädigen.Vor dieser Herausforderung stand auch Matthias Rath, der im vergangenen Jahr erstmals als Turnierchef und mit seiner Agentur Schafhof Connects als Veranstalter an der Spitze des Spring- und Dressur-Derbys stand. Nachdem der 41-Jährige mit seinem Team die Premiere hatte Revue passieren lassen, stand fest, dass er beim Dressur-Derby eine grundlegende Veränderung durchsetzen will. „Das klassische Element des Pferdewechsels lassen wir in diesem Jahr weg. Über viele Jahre war der Zuspruch der Reiter nicht mehr so, wie er für ein Derby sein müsste“, sagt Rath im Gespräch mit WELT.Einfach war die Entscheidung nicht. Schließlich galt es über Jahrzehnte als DNA des Dressur-Derbys, dass die besten drei der Qualifikation im Finale am Sonntag nicht nur ihr Pferd, sondern auch die Rösser ihrer beiden Konkurrenten im Dressur-Viereck mit den vorgegebenen Elementen vorstellen mussten. Aus der Summe der Wertungen ergab sich der Derbysieger. 2025 triumphierte zu ihrer eigenen Überraschung die Hamburger Lokalmatadorin Anna-Lena Kracht aus Bergstedt. Auch der Zweitplatzierte Felix Kneese (Appen) kam aus dem Hamburger Raum.Bei allem Respekt vor der Leistung und aller Freude über einen „Heimsieg“ spiegelte dieses Ergebnis aber auch das große Problem wider. Die ganz Großen der Dressurszene mieden das Derby gerade wegen des traditionsreichen Pferdewechsels. Längst nicht jeder ist bereit, sein Spitzenpferd für einen Wettkampf in fremde Hände zu geben. Dies gilt auch für Isabell Werth, mit acht Gold- und sechs Silbermedaillen Deutschlands erfolgreichste Olympionikin. Die 56-Jährige war 2025 dennoch nach Hamburg gekommen und hatte die von Rath neu eingeführte Fünf-Sterne-Prüfung gewonnen.Lesen Sie auchJetzt wird der Sieg im Dressur-Derby aus der Summe des Grand Prix am Freitag und der Grand-Prix-Kür am Sonntagvormittag und damit aus zwei Fünf-Sterne-Prüfungen ermittelt. „Ich bin überzeugt, dass dies ein guter Schritt ist“, sagt Matthias Rath. „Das zeigt das Nennergebnis, aber auch die deutlich höhere Nachfrage an Tickets für die Dressur.“ Neben erneut Isabell Werth werden auch Ingrid Klimke (58/Münster), zweimalige Mannschafts-Olympiasiegerin in der Vielseitigkeit, sowie der erst 22 Jahre alte Moritz Treffinger (Potsdam), der Mitte April beim Weltcup-Finale in Fort Worth Sechster im Grand Prix wurde, am Start sein. Am Sonnabend steht mit dem Grand Prix Special eine weitere Fünf-Sterne-Prüfung in der Dressur auf dem Programm.Beim Herzstück des Derby-Meetings hingegen, den 20 Springprüfungen, sieht Rath keinen akuten Handlungsbedarf. „Das Spring-Programm ist etabliert und hat sich über die Jahre durchgesetzt. Das merkt man auch bei der hohen Anfrage der Reiter“, sagt Rath. „Allein für das klassische Derby haben wir mehr als 60 Nennungen. Dabei ist es der schwerste Parcours der Welt und eine besondere Prüfung, die nicht mehr jeder mit jedem Pferd reitet“, betont der Turnierchef.Die Hindernisse und ihre legendären NamenDieser immer gleiche Parcours mit seinen 17 überwiegend einzigartigen Hindernissen, die 24 Sprünge erfordern, strahlt weiter eine Faszination bei Reitern und Zuschauern aus. Der große Derby-Wall, Pulvermanns Grab, die Eisenbahnschranken oder die Holsteiner Wegesprünge etwa sind weit über die Reitsportszene hinaus bekannt. Am Sonntag (17. Mai) um 14.25 Uhr (ZDF überträgt ab 15.30 Uhr) wird das erste Paar den Parcours in Angriff nehmen.Als wahrer Derbyexperte gilt Vorjahressieger André Thieme, 51, aus Plau am See, der viermal das Blaue Band gewann und jetzt wieder mit seinem Siegerpferd Paule S in den Parcours gehen wird. Ebenso ist der mit 24 Jahren nicht einmal halb so alte Marvin Jüngel (Kamenz) wieder am Start, der 2023 und 2024 gewann. Andere prominente Namen finden sich auf der Meldeliste für die Fünf-Sterne-Prüfung am Sonnabend, dem Großen Preis von Hamburg. Hier haben unter anderem Lokalmatadorin Janne Friederike Meyer-Zimmermann, Philipp Weishaupt, Marcus Ehning, Titelverteidiger Christian Ahlmann sowie Donald Whitaker und Cian O’Connor zugesagt. Der Vorverkauf war über dem schon sehr guten Vorjahr. Erwartet werden für die fünf Tage erneut mindestens 90.000 Zuschauer. Diese werden im Derbypark auf Werbung für die Hamburger Olympiabewerbung stoßen. „Es gibt verschiedene Aktionen und auch ein Olympia-Hindernis im Parcours“, kündigt Rath an. Nicht alles läuft rundFür Irritationen zu einem ungünstigen Zeitpunkt sorgten zuletzt Gerüchte über eine wirtschaftliche Schieflage von Raths Firma Schafhof Events. Dazu räumte er jetzt ein, dass seine Firma im Zuge der kurzfristigen Absage des internationalen Turniers in Donaueschingen im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 2,5 Millionen Euro habe hinnehmen müssen. Gleichzeitig stellte er klar, dass dies keine negativen Auswirkungen auf das Derby in Hamburg habe und auch alle Rechnungen von Dienstleistern aus dem vergangenen Jahr inzwischen beglichen seien. Schon bei seiner Premiere 2025 habe das Derby einen Gewinn abgeworfen.So soll es auch dieses Mal sein, zumal alle wichtigen Sponsoren an Bord geblieben sind. Auf rund 4,3 Millionen Euro beläuft sich der Gesamtetat des Derby-Events. Davon werden rund 1,3 Millionen Euro an Preisgeld ausgeschüttet. Wichtigster Geldgeber ist Titelsponsor Al Shira’aa. Das Unternehmen aus Abu Dhabi steuert geschätzt rund zwei Millionen Euro bei. Im Grunde muss jetzt nur noch das Wetter mitspielen.