Jahresabschluss – das Wort klingt höchstens aufregend, wenn man Buchhalter ist. Dabei zeigt sich in der Nachbetrachtung, wenn alle Zahlen vorliegen, wie es um die finanzielle Lage der Stadt Frankfurt tatsächlich bestellt ist. Diesmal ist die Vorlage des Abschlusses durch Kämmerer Bastian Bergerhoff (Die Grünen) im doppelten Sinn zum Tag der Abrechnung geworden.Nicht nur, dass im städtischen Etat mit knapp 400 Millionen Euro eine so große Lücke klafft wie seit 20 Jahren nicht. Das Defizit ist umso alarmierender, als die Gewerbesteuer nach wie vor fast auf Rekordniveau liegt. Der Kämmerer hat, neben schwer zu beeinflussenden Faktoren wie den Sozialhilfeleistungen und Versorgungsrückstellungen als Folge eines Gerichtsurteils, die mangelnde Budgetsteuerung insbesondere von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) mit für den Fehlbetrag verantwortlich gemacht.Es ist nicht das erste Mal, dass Bergerhoff mit seiner Kollegin in Gelddingen aneinandergerät. Als Weber vor anderthalb Jahren Zusatzeinnahmen von 300 Millionen Euro aus der Gewerbesteuer für sich reklamierte, warf er ihr Vernachlässigung der Kernaufgaben vor. Auch das Kulturdezernat von Ina Hartwig (SPD) weist 20 Millionen Euro Mehrausgaben aus, die weder aus dem eigenen Budget noch durch Gremienbeschlüsse gedeckt sind. Der Kämmerer spricht von „Missachtung haushaltsrechtlicher Vorgaben“.Kämmerer Bergerhoff vertieft die GräbenSeine Vorwürfe fallen in die Suche nach einer neuen Mehrheit im Römer, bei der sich CDU und SPD näher sind als SPD und Grüne, die sogar eine Abwahl ihrer Dezernenten fürchten müssen. Der Ordnungsruf Bergerhoffs vertieft den Graben weiter. Sein Fazit, dass die Politik auch in Finanzdingen ehrlicher werden müsse, ist völlig richtig. Doch auch er hat zuletzt die mit dem Haushalt 2026 beschlossenen Zusatzausgaben durch Mitarbeiterzuschlag und gebührenfreie Krippenbetreuung zugelassen.Wenn der Streit dazu führen würde, dass Budgets solider veranschlagt werden und Konsolidierungsvorgaben nicht nur auf dem Papier stehen, hätte er etwas Gutes. Aber so wird es nicht kommen. Das Ergebnis der bisherigen Koalitionssondierungen zeigt: Viele Kompromisse werden darin bestehen, dass beide Seiten ihre Wünsche erfüllt bekommen. Die SPD etwa den nach beitragsfreier frühkindlicher Bildung, die CDU den nach 75 zusätzlichen Stellen für das Ordnungsamt.Die einzige Kostendämpfung im Frankfurter Haushalt besteht darin, dass Stellen nicht besetzt und Investitionen nicht wie geplant begonnen werden können. Dabei sollte das Minus ein Warnzeichen sein. Der Haushalt steht auf wackligem Fundament. Gehen die Einnahmen zurück, bricht er zusammen.