PfadnavigationHomePanorama„Klar“ von Julia RuhsIslamismus-Reportage in der Kritik – BR ändert Beitrag nach Vorwürfen von ElternVeröffentlicht am 04.05.2026Lesedauer: 4 MinutenModeratorin Julia Ruhs präsentiert die BR-Ausgaben des Reportagemagazins „Klar“Quelle: BR/Vera Hutchison-BirdEine neue Folge der Sendung „Klar“ sorgt an einer Berliner Schule für Kritik. Nach Beschwerden von Eltern wurde die Folge vom Bayerischen Rundfunk nachträglich verändert. Betroffene Eltern fühlen sich getäuscht – der Sender hält dagegen.Ein Beitrag des ARD-Formats „Klar“ mit dem Titel „Wo der Islamismus Deutschland unterwandert“ hat für Aufregung an der Elbe-Schule im Berliner Stadtteil Neukölln gesorgt. Die halbstündige Sendung widmete der Grundschule rund drei Minuten. Nach einem Bericht der Zeitung „der Freitag“ reichte dies aus, um bei Schülern, Eltern und Schulleitung erheblichen Unmut auszulösen.Der Beitrag zeigte Kinder, die vor der Kamera darüber sprechen, dass andere Kinder sie während des Fastenmonats Ramadan manchmal dazu drängten, tagsüber nicht zu essen. Insgesamt kamen laut der Wochenzeitung „der Freitag“ drei Kinder zu Wort, zwei weitere sangen ein sogenanntes „Friedenslied“. Was der Beitrag, wie der „Freitag“ berichtete, dabei nicht deutlich machte: Die Elbe-Schule war von der Redaktion gezielt als Beispiel angefragt worden, weil sie solche Spannungen in der Vergangenheit erfolgreich gelöst hatte. In der Originalfassung hätten sich die Aussagen der Kinder jedoch ausschließlich um das Pausenbrot im Ramadan gedreht – ohne diesen entscheidenden Kontext. Die Eltern kritisierten, dass so ein Bild entstanden sei, das die Realität an der Schule grundlegend verfehlt.Lesen Sie auchNach Beschwerden von Eltern änderte die Redaktion den Beitrag. Das bestätigt der Bayerische Rundfunk gegenüber WELT. Konkret sei „die Sequenz entfernt“ worden, „in der Schülerinnen über das Thema Fasten sprechen“, zudem wurde „die Szene mit Schülern, die für Zusammenhalt und Toleranz singen, gepixelt“. Die Videos sind laut BR inzwischen nur noch in der bearbeiteten Fassung in der ARD-Mediathek sowie auf den YouTube-Kanälen von BR24 und NDR Doku abrufbar.Eltern sprechen von einem „vorgefertigten politischen Narrativ“Mehrere Eltern, deren Kinder in dem Beitrag zu sehen waren, wandten sich nach Ausstrahlung der Sendung an den „Freitag“. Sie werfen dem Format vor, ihre Kinder durch eine „manipulative Wiedergabe ihrer Aussagen zur Illustration eines vorgefertigten politischen Narrativs missbraucht zu haben“.Lesen Sie auchTina Stampfl, Mutter eines der gezeigten Kinder, sagte dem „Freitag“: „Von der Schule wurde uns gesagt, der Beitrag sei über Diversität an Neuköllner Schulen. Ich habe die Unterschrift im Vertrauen gesetzt, weil es ja der BR war.“ Und weiter: „Die journalistische Intention dieses Beitrags ist offensichtlich. Die haben einen halben Tag dort gefilmt und nur wenige Ausschnitte gezeigt, die Aussagen der Kinder wurden aus dem Kontext gerissen.“ Sie sei, so Stampfl weiter, „entsetzt, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender Aussagen und Informationen in einen derart reißerischen Kontext stellt. Ich bin bedrückt und wütend, es macht mich betroffen“.Lesen Sie auchEine weitere Mutter, Nora Brezger, bezeichnet den Beitrag dem „Freitag“ gegenüber als „hetzerisch und reißerisch“ und die Szenen aus dem Stadtteil als reines „Neukölln-Bashing“. Sie sagte dem „Freitag“: „Wir sind alle sehr geschockt, die Gemeinschaft in der Schule ist sehr gut, aber die Kinder wurden für den Beitrag exponiert. Es wird eine gewollte Spaltung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen inszeniert.“Ein Elternteil, das namentlich nicht genannt werden will, sagte der Zeitung, es sei dem Kind „nicht im Entferntesten klar gewesen, dass der angebliche Pausenbrot-Krieg das einzige Thema war, das die am Ende interessiert hat“. Nach dem Drehtag habe das Kind von einem Gespräch berichtet, in dem es sehr allgemein um die Schule gegangen sei. Der Name Julia Ruhs sei bei der Dreherlaubnis nicht erwähnt worden. Inzwischen trauten sich Eltern nicht mehr, ihren Kindern den Beitrag zu zeigen.Lesen Sie auchAuch Schulleiterin Deniz Taner habe nach eigenen Angaben nicht gewusst, in welchem Zusammenhang gedreht wurde. Sie berichtet dem „Freitag“ von einer aus ihrer Sicht völlig unverfänglichen Anfrage per Telefon. Die Einverständniserklärungen, die sie an die Eltern weitergeleitet habe, seien ihr von der anfragenden Journalistin zugesandt worden. Sie fühle sich, so sagt sie dem „Freitag“, „in einem populistischen Kontext instrumentalisiert“.BR weist Vorwürfe zurückDer Bayerische Rundfunk widerspricht der Darstellung auf Anfrage von WELT. Die Redaktion habe die Schule „von Beginn an klar über den Fokus der Dreharbeiten informiert“, heißt es. Thema sei gewesen: „Fasten im Ramadan als Konfliktthema auf dem Schulhof und die Bedeutung religiöser Toleranz.“ Frühere Konflikte seien durch einen Elternbrief dokumentiert, „aus dem in der Sendung auch zitiert“ werde.Der Sender betont, der Beitrag zeige, wie die Schule die Probleme überwunden habe und die Schule „ausdrücklich als ‚Vorzeigeschule‘“ gewürdigt worden sei – auch „die Rolle der Schulleitung wird positiv hervorgehoben“.Die nachträglichen Änderungen erklärt der BR mit zurückgezogenen Einwilligungen einzelner Eltern. „Nachdem einzelne Eltern ihre Zustimmung im Nachgang widerrufen haben, haben wir umgehend reagiert und entsprechende Szenen in unserem Film entfernt oder unkenntlich gemacht“, teilt der Sender mit. kaha
„Klar“ von Julia Ruhs: Islamismus-Reportage in der Kritik – BR ändert Beitrag nach Vorwürfen von Eltern - WELT
Eine neue Folge der Sendung „Klar“ sorgt an einer Berliner Schule für Kritik. Nach Beschwerden von Eltern wurde die Folge vom Bayerischen Rundfunk nachträglich verändert. Betroffene Eltern fühlen sich getäuscht – der Sender hält dagegen.







