PfadnavigationHomeRegionalesHamburgVerkehrNeue Brücke für Hamburg? Senat plant Ersatz für gesperrte ElbquerungVeröffentlicht am 05.05.2026Lesedauer: 4 MinutenBlick auf die gesperrte Freihafenelbbrücke. Bis voraussichtlich 2038 wird sie nicht für Auto- und LKW-Verkehr zur Verfügung stehen und soll durch eine Behelfsbrücke ersetzt werden.Quelle: Christian Charisius/dpaEine wichtige Brücke über die Elbe fällt für mehr als ein Jahrzehnt aus. Der Senat will nun konkrete Planungen für einen Ersatz der Freihafenelbbrücke auf den Weg bringen. Dafür soll die Bürgerschaft kurzfristig drei Millionen Euro freigeben.Der jahrelange Ausfall der Freihafenelbbrücke zwingt Hamburg zum Handeln: Der Senat stößt deshalb konkrete Planungen für eine mögliche Ersatzbrücke an und beantragt drei Millionen Euro im laufenden Haushalt. Über eine entsprechende Nachbewilligung soll die Bürgerschaft zeitnah entscheiden.Die Freihafenelbbrücke verbindet die Hafencity mit den Stadtteilen südlich der Elbe, ist für Betriebe auf dem Kleinen Grasbrook die wichtigste Zufahrt von Norden. Zudem ist sie neben den Neuen Elbbrücken, dem Alten und dem Neuen Elbtunnel einer der ganz wenigen Wege, die Norderelbe zu überwinden. Bis zu 20.000 Fahrzeuge würden die Brücke jeden Tag überqueren – wenn sie nicht wegen eines Schiffsunfalls seit Oktober 2025 komplett gesperrt wäre. Der Verkehr muss auf die verbleibenden Elbquerungen ausweichen, mit spürbaren Folgen für den Verkehrsfluss und das Stauaufkommen. Wohl noch bis zum Jahr 2038 wird die Brücke nicht nutzbar sein.Lesen Sie auchMit den beantragten drei Millionen Euro sollen nun verschiedene Möglichkeiten geprüft werden, wie sich die Situation entschärfen lässt – dabei geht es ausdrücklich auch um eine Ersatzbrücke westlich der Neuen Elbbrücken. Die drei Millionen Euro sollen zunächst für Prüfung und Vorplanungen ausgegeben werden. Ob eine solche Brücke tatsächlich gebaut würde, wo sie liegen könnte oder welche Verkehrsarten sie aufnehmen würde, ist offen. Hafenverbände drängen auf eine schnelle Lösung. In der Drucksache verspricht der Senat „die Ausarbeitung und Bewertung“ erfolge „in einem beschleunigten Verfahren“. In früheren Antworten auf Anfragen hatte die Hafenbehörde HPA angekündigt, im Laufe des Jahres 2026 würden erste Lösungen und konkrete Pläne vorliegen. Dass die Freihafenelbbrücke sanierungsbedürftig ist, stand seit rund zehn Jahren fest. 2022 sollte die Grundinstandsetzung der 1914 bis 1926 erbauten Brücke beginnen. Im Januar des Jahres 2022 fuhr sich bei einer Sturmflut jedoch ein Binnenschiff mit Bagger an Deck unter der Brücke fest und beschädigte diese schwer. Nach vier Monaten Reparatur wurde die Brücke wieder eröffnet. Als neuer Starttermin für die Grundinstandsetzung galt seitdem das Jahr 2027.Im Oktober 2025 ereignete sich der nächste Unfall. Anders als das Baggerschiff drei Jahre zuvor rammte das mit Containern beladene Binnenschiff nicht eins der äußeren Brückenteile, sondern prallte auf das Mittelteil. Dieses galt nach einem Bombeneinschlag im Zweiten Weltkrieg ohnehin als Problembereich der Brücke. Der vermeintlich leichte Unfall schädigte das Brückenteil so nachhaltig, dass es nicht mehr repariert werden kann.Lesen Sie auchDie Brücke mit ihren markanten Bögen ist zweigeschossig gebaut, weil sie nach ursprünglichen Plänen im oberen Geschoss Platz für Schienen der Hamburger Hochbahn haben sollte. Deren Betrieb endet bis heute jedoch nördlich der Elbe. Eine Verlängerung ist zwar weiter geplant, würde aber nicht mehr über die Freihafenelbbrücke, sondern über eine eigene neue Brücke führen. Das obere Geschoss wurde daher nie genutzt, gibt der Brücke aber ein besonders hohes Eigengewicht. Dieses Gewicht kann sie laut Gutachtern auch nach der Schiffskollision im Oktober 2025 noch halten. Eine Einsturzgefahr besteht nicht. Die Schäden durch den Unfall gelten aber als so erheblich, dass sie keine weiteren Lasten tragen kann. Nicht einmal der sonst über die Brücke geführte Fußgänger- und Radverkehr gilt als sicher tragbar. Noch 2026 sollen erste Brückenteile abgetragen werden.Dass die Brücke bis ins Jahr 2038 nicht genutzt werden kann, hat jedoch nicht nur mit dem Unfall zu tun. Die Freihafenelbbrücke ist inzwischen auch fest in die Planungen für den Neubau von drei Eisenbahnbrücken über die Norderelbe eingebunden. Die Deutsche Bahn will dort zwei alte Bahnbrücken ersetzen und eine neue dritte Brücke errichten. Die Stadt unterstützt das Projekt, weil so sechs statt vier Gleisen für Fernverkehrszüge, Regionalzüge und Güterverkehr zur Verfügung stehen und ein Engpass südlich des Hauptbahnhofs erweitert wird.Lesen Sie auchWährend der jahrelangen Bauphase sollen Fern‑, Regional‑ und Güterzüge über provisorische Strecken geführt werden. Dafür wird der Bereich der heutigen Freihafenelbbrücke benötigt, auf deren Aufliegern dann zeitweise Schienen liegen werden. Erst wenn der Platz nicht mehr benötigt wird, kann der Wiederaufbau der Freihafenelbbrücke beginnen. Diese Pläne hatte die Bahn Ende Februar 2026 vorgestellt und damit den Druck auf die Stadt weiter erhöht, Lösungen für einen Ersatz der Freihafenelbbrücke zu finden.Bereits im Februar hatte es in der Wirtschaftsbehörde erste Überlegungen für eine sogenannte Behelfsbrücke gegeben. Mit dem jetzigen Haushaltsantrag würden diese Überlegungen erstmals mit konkreten Planungsmitteln unterlegt. „Mit Blick auf die Mobilität in der Stadt und den Wirtschaftsstandort Hamburg müssen wir jetzt schnell und entschlossen handeln“, sagte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). Mit dem beschleunigten Prüfverfahren und der gezielten Vorbereitung einer Ersatzbrücke schaffe man die Voraussetzungen, „um die Verkehrsströme auch während der umfangreichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen bestmöglich aufrechtzuerhalten. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit allen Beteiligten pragmatische und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln.“ Ob die Bürgerschaft das Geld freigibt, entscheidet sich in den kommenden Wochen.
Verkehr: Neue Brücke für Hamburg? Senat plant Ersatz für gesperrte Elbquerung - WELT
Eine wichtige Brücke über die Elbe fällt für mehr als ein Jahrzehnt aus. Der Senat will nun konkrete Planungen für einen Ersatz der Freihafenelbbrücke auf den Weg bringen. Dafür soll die Bürgerschaft kurzfristig drei Millionen Euro freigeben.






