PfadnavigationHomePanoramaStrack-Zimmermann„Es wird ja immer gerne kolportiert, es gäbe keine Meinungsfreiheit mehr – dem widerspreche ich“Von Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftVeröffentlicht am 01.05.2026Lesedauer: 3 Minuten„Sie können heute de facto alles sagen“, beteuert Marie-Agnes Strack-ZimmermannQuelle: picture alliance/dpa | Christoph ReichweinAus Sicht der EU-Abgeordneten Strack-Zimmermann könnten die Deutschen „heute de facto alles sagen“. Die Pressefreiheit sieht sie vorwiegend durch Angriffe im Internet und wirtschaftlichen Druck in Gefahr. Auch zum Zustand der Bundesregierung äußerte sie sich.Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht die hiesige Presse- und Meinungsfreiheit in einem guten Zustand. Angesprochen auf das jüngste Ranking der Organisation „Reporter ohne Grenzen“, wonach Deutschland um drei Plätze auf Position 14 bei der weltweiten Pressefreiheit gefallen sei, zeigte sie sich überrascht. „Es wird ja immer gerne kolportiert – auch von Menschen, die ich gut kenne –, es gäbe keine Meinungsfreiheit in Deutschland mehr“, führte sie gegenüber Yasmine M’Barek bei „Apokalypse & Filterkaffee“ aus. „Dem widerspreche ich. Sie können heute de facto alles sagen – sofern die Rechte des anderen damit nicht kaputtgemacht werden.“Viele Menschen äußerten sich heutzutage in einer Art und Weise, wie es vor einigen Jahren niemand getan hätte, weil eine „innere Motivation“ bestanden hätte, „nicht übers Ziel hinauszuschießen“, erklärte Strack-Zimmermann. Die Pressefreiheit sei „grundsätzlich gegeben“, könnte aber gewissermaßen aus wirtschaftlichen Gründen von innen bedroht werden. „Die Frage ist: Sagt die Redaktion, du darfst das nicht schreiben, weil dann weniger Klicks generiert oder Anzeigen gemacht werden?“, stellte sie fragend in den Raum. „Wenn dem so sein sollte, dann ist in der Tat die Pressefreiheit ernsthaft in Gefahr.“Auch subjektive Gründe seien in ihrer Vorstellung denkbar. „Ich schreibe nicht mehr über alles, weil ich im Netz oder vielleicht auf der Straße angemacht werde“, schilderte die EU-Abgeordnete aus Journalisten-Perspektive. Eigentlich firmiere das Ranking von „Reporter ohne Grenzen“ unter einer falschen Überschrift. „Nämlich, dass der Meinungsaustausch unter brutalen Druck gesetzt wird, weil Leute nicht nur im Netz, sondern auf der Straße Gewaltfantasien haben – und die auch herauslassen.“Lesen Sie auchEinen emotionalen Ausbruch soll unlängst auch Bundeskanzler Friedrich Merz erlebt haben. Beim Koalitionsgipfel in der Villa Borsig soll dieser „regelrecht aus der Haut gefahren“ sein und den SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil angeschrien haben. „Das hat wahrscheinlich das Kanzleramt so inne – vielleicht auch das Kanzlerinnenamt. Ich glaube, auch Frau Merkel konnte auf den Tisch hauen“, kommentierte Strack-Zimmermann die Berichterstattung. Es sei in Ordnung, auch mal zu schreien, „wenn man so richtig Druck“ habe. Immerhin lebten extrovertierte Menschen in der Regel länger. „Irgendwo muss ja die Luft rausgelassen werden.“Dennoch zeigte sich die ehemalige Bundestagsabgeordnete darüber überrascht, dass sich Christ- und Sozialdemokraten nach einem Jahr bereits „ähnlich sympathisch“ begegneten, wie die drei Ampel-Parteien nach drei Regierungsjahren. „Offensichtlich ist die Welt und alles, was wir machen, so aus den Fugen, dass diese Regierung es schon nach einem Jahr geschafft hat – noch nicht mal ein Jahr –, sich schon an den Hals zu gehen. Das finde ich bemerkenswert.“Lesen Sie auchAn Merz erkenne sie, dass er 20 Jahre außerhalb des Politikbetriebs verbracht habe. „Wenn Sie in einem Unternehmen sind und Ihnen geht jemand auf den Keks oder der macht nicht das, was Sie wollen, dann können Sie den in den Keller schicken zum Briefe aufdampfen“, erklärte sie. Noch unter Angela Merkel sei es möglich gewesen, dass der Fraktionsvorsitzende ihr den Rücken freigehalten habe. „Das funktioniert aber heute nicht mehr“, insistierte Strack-Zimmermann. „Es gibt viele Abgeordnete bei der CDU/CSU, die jeden Morgen was twittern oder bei Instagram posten – und nicht den Kanzler vorher fragen, ob das jetzt im Sinne der CDU ist.“Lesen Sie auchEin Ende der schwarz-roten Koalition wolle sie jedoch „nicht herbeireden“, da sonst eine ähnliche Instabilität drohe wie etwa beim europäischen Nachbarn Bulgarien. Es überrasche sie, „dass der eine oder andere Journalist geradezu danach lechzt, so eine Schlagzeile zu produzieren“, betonte sie im Hinblick auf den demokratischen Zustand des Staates. „Ich würde mich daran nicht beteiligen, dass diese Koalition scheitert, weil das wäre eine absolute Katastrophe für unser Land.“
Strack-Zimmermann: „Es wird ja immer gerne kolportiert, es gäbe keine Meinungsfreiheit mehr – dem widerspreche ich“ - WELT
Aus Sicht der EU-Abgeordneten Strack-Zimmermann könnten die Deutschen „heute de facto alles sagen“. Die Pressefreiheit sieht sie vorwiegend durch Angriffe im Internet und wirtschaftlichen Druck in Gefahr. Auch zum Zustand der Bundesregierung äußerte sie sich.






