PfadnavigationHomeSportFußballBundesligaFC Bayern MünchenAndreas Görlitz„Van Gaal ist der Trainer, von dem am meisten hängen geblieben ist“Von Nina BethgeVeröffentlicht am 01.05.2026Lesedauer: 4 MinutenAndreas Görlitz 2010 mit der MeisterschaleQuelle: picture-alliance/augenklick/sampicsAndreas Görlitz spielte für Deutschland und absolvierte über 100 Partien für den FC Bayern. Später wurde er Musiker, nun geht er in die Politik. Gespräch über eine besondere zweite Karriere.Andreas Görlitz, geboren im oberbayerischen Weilheim, begann seine Profikarriere beim TSV 1860 München, ehe er 2004 zum FC Bayern wechselte. Weitere Stationen waren unter anderem der Karlsruher SC und der FC Ingolstadt. Zudem bestritt Görlitz zwei Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn wandte er sich verstärkt der Musik zu, nun geht der 44-Jährige in die Politik. Frage: Herr Görlitz, Sie haben 104 Bundesliga-Spiele für Bayern, 1860 München und den KSC gemacht, zweimal das Double gewonnen. Jetzt wurden Sie in den Gemeinderat von Rott in Oberbayern gewählt. Wann haben Sie zum ersten Mal darüber nachgedacht, sich politisch zu engagieren?Andreas Görlitz: Auf Bundesebene bin ich schon lange politisch interessiert. Aber in die Kommunalpolitik einzusteigen hatte ich nie auf dem Schirm – bis meine Frau gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könne, sich für den Gemeinderat zur Wahl zu stellen.Frage: Und dann haben stattdessen Sie sich entschieden zu kandidieren?Görlitz: Der Bekannte, der meine Frau gefragt hatte, sagte scherzhaft zu mir: „Dich brauche ich ja eh nicht zu fragen.“ Später habe ich angefangen, über diese Aussage nachzudenken: Warum eigentlich nicht, das ist doch total interessant! Ich bin hier so verwurzelt: Ich bin in Rott aufgewachsen, mein Bruder wohnt hier, meine Eltern wohnen hier, meine Kinder sind hier im Trachtenverein, ich trainiere seit einem Jahr die Herren des TSV Rott. Es wäre doch cool, hier in unserem schönen Rott in einem Ehrenamt mitgestalten zu dürfen. Nach der Aufstellungsversammlung wurde ich dann auf Listenplatz 4 geführt …Frage: ... und dann mit den zweitmeisten Stimmen gewählt.Görlitz: Ich habe natürlich auch einen Bonus, weil mich viele Leute aus unserem Ort kennen.Frage: Sie sind für die Wählergruppe „Dorfgemeinschaft Rott“ angetreten. Wofür stehen Sie politisch? Görlitz: Bei uns im Ort spielt die politische Richtung kaum eine Rolle. Es geht um Themen: dass unser Schulstandort erhalten bleibt, die Wasserversorgung gesichert ist, wir einen Gastro-Treffpunkt schaffen und die Spielplatzmöglichkeiten optimiert werden. Ich persönlich bin sozial engagiert und tendiere durch meine Prägung mit Musik, Kunst und Kultur zu den konservativen Grünen.Frage: Sie arbeiten in der Fotografie, im Schnitt und der Tontechnik, spielen in der Band „Whale City“ und starten im Mai als Politiker. Warum war dieser Weg reizvoller, als im Profifußball zu bleiben?Görlitz: Es hat sich einfach so ergeben. Durch meine Verletzungszeit ist meine Leidenschaft für die Musik entstanden. Und es reizt mich, immer etwas Neues zu machen. Jetzt bin ich tatsächlich seit einem Jahr wieder Trainer, wenn auch auf Amateurniveau, was ich nie geplant hatte. Aber ich hatte in meiner Karriere viel Glück mit richtig guten Trainern. Es macht extrem viel Spaß, den Jungs beim TSV nun etwas davon weiterzuvermitteln. Frage: Ihre Trainer waren u. a. Jürgen Klinsmann, Felix Magath, Ottmar Hitzfeld, Louis van Gaal. Hätte einer von ihnen das Zeug zum Politiker?Görlitz: Alle können vor einer Gruppe stehen und ihre Ideen vertreten, den Part erfüllt jeder von ihnen. Aber ich muss bei der Fähigkeit zur Kompromissbereitschaft grübeln, die man als Politiker ja ebenso benötigt. Aber alles in allem: In führender politischer Tätigkeit könnte ich mir Louis van Gaal gut vorstellen. Er ist grundsätzlich der Trainer, von dem am meisten bei mir hängen geblieben ist. Ich habe zwar wenig unter ihm gespielt, aber er war immer vollkommen ehrlich zu mir. Frage: Bayerns Uli Hoeneß, zu dem Sie ein besonderes Verhältnis hatten, spricht auch politisch Klartext. Zuletzt sagte er, dass er gegebenenfalls ans Auswandern denkt, sollte die AfD an die Macht kommen.Lesen Sie auchGörlitz: Als ich als Spieler aus einer Verletzung kam und mein Vertrag ausgelaufen war, hat Uli Hoeneß mir einen neuen gegeben. Er hätte auch sagen können: „Der bringt uns jetzt nicht weiter, den werden wir jetzt los.“ Es zeigt, dass Hoeneß für seine Spieler im Profibusiness und bei allem Erfolg immer ein Herz hatte. Was die politischen Aussagen betrifft: Ich finde es grundsätzlich wirklich cool, dass er sich immer so klar positioniert. In puncto Klartext kann ich mir da in jedem Fall etwas abschauen. Als Politiker muss man sich wohl etwas diplomatischer ausdrücken. Aber das ist er ja nicht. Frage: Mit welchem Politiker würden Sie gerne mal auf ein Bier zusammensitzen?Görlitz: Robert Habeck hatte doch vor seiner Wahl Küchentischgespräche angeboten. Einen Kaffee würde ich auch annehmen. Habeck hat mit Sicherheit nicht alles richtig gemacht. Aber mir gefällt seine Art als Typ: hart seine Meinung zu vertreten, genauso aber zugeben zu können, dass man Fehler gemacht hat. Er ist bei sich geblieben, hat nie unter der Gürtellinie ausgeteilt. Dieser Text wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst in BILD.